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Mahle hat in Coimbatore eine neue Fertigungslinie für E-Kompressoren in Betrieb genommen. Der Stuttgarter Zulieferer investierte rund sieben Millionen Euro in den Standort. Bei voller Auslastung entstehen dort jährlich mehr als 300.000 Einheiten. Die Bauteile werden sowohl für den indischen Markt als auch für internationale Abnehmer gefertigt.
Was an diesem Standort bereits läuft
Coimbatore ist für Mahle kein neues Terrain. Das Unternehmen produziert dort bereits Anlasser, Generatoren, Traktionsmotoren und Steuergeräte für Zwei- und Dreiräder. 2023 eröffnete Mahle am selben Standort ein Entwicklungszentrum. Mit der E-Kompressor-Linie kommt nun eine weitere Komponente für Elektrofahrzeuge hinzu.
E-Kompressoren übernehmen im Elektrofahrzeug das Thermomanagement: Sie temperieren Batterie, Traktionsmotoren und Leistungselektronik. Im Verbrenner-Fahrzeug trieb der Motor den Klimakompressor mechanisch an. Im E-Fahrzeug entfällt dieser Antrieb, der Kompressor arbeitet elektrisch und eigenständig.
Mahle in Indien: Sechs Jahrzehnte Präsenz
Mahle ist seit 1958 in Indien aktiv. Begonnen hatte das Unternehmen mit der Kolbenproduktion in einem Joint Venture. Ab 1997 kamen Ventiltriebskomponenten, Filtration, Motorkomponenten, Thermomanagement sowie Elektronik und Mechatronik hinzu. Dazu betreibt Mahle ein Ersatzteil- und Servicegeschäft. Heute beschäftigt der Zulieferer an 15 indischen Standorten rund 5.900 Menschen.
Mit dem Produktionsstart in der E-Kompressor-Fertigung entstehen rund 50 neue Arbeitsplätze am Standort Coimbatore.
Markt und strategische Einordnung
Indien zählt zu den am stärksten wachsenden Automobilmärkten weltweit. Die Elektromobilitätsquote ist dort bislang gering, der staatliche Druck auf Hersteller und Zulieferer steigt jedoch. Mahle-Vertriebschef Roger Busch erwartet, dass die kommenden zwei bis drei Jahre für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Indien richtungsweisend sein werden. Der Zulieferer strebt nach eigenen Angaben ein deutliches Umsatzwachstum im indischen Markt an.
Mahle hatte bereits 2024 einen Börsengang seines Indien-Geschäfts erwogen, die Pläne jedoch nicht weiterverfolgt. Ein Unternehmenssprecher äußerte sich zu erneuten Spekulationen darüber nicht.
Parallel: US-Produktion in Tennessee
Coimbatore ist nicht der einzige neue Fertigungsstandort für E-Kompressoren. Im Werk Morristown im US-Bundesstaat Tennessee, das Mahle seit 1978 betreibt, hat der Zulieferer ebenfalls eine E-Kompressor-Produktion aufgebaut. Dort sind knapp 800 Mitarbeitende in der Stahlkolben- und E-Kompressor-Fertigung tätig. Mahle baut seine Produktionskapazitäten für Elektrokomponenten damit auf mehreren Kontinenten gleichzeitig aus.
Was das für Zulieferer und Einkäufer bedeutet
Für Unternehmen, die Thermomanagement-Komponenten für Elektrofahrzeuge beschaffen, erweitert sich das Lieferantenspektrum. Mahle kann E-Kompressoren nun aus Indien und den USA liefern. Die Kapazität von mehr als 300.000 Einheiten jährlich allein aus Coimbatore ist für Volumenkunden relevant. Wer Lieferketten für EV-Komponenten aufbaut oder diversifiziert, sollte diesen Standort in der Lieferantenbewertung berücksichtigen.
Für den deutschen Zuliefermarkt insgesamt bleibt der Kontext schwierig. Bosch hat 2024 angekündigt, 9.000 Stellen im Automobilbereich zu streichen. Mahle selbst hat in den vergangenen Jahren ebenfalls Standorte konsolidiert. Die Investitionen in Indien und den USA zeigen, wo Mahle Wachstum erwartet: in Märkten mit steigender Fahrzeugproduktion und wachsender EV-Nachfrage.




















