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Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat ein Verfahren erprobt, das Alterungsprozesse in Lithium-Ionen-Batterien präziser sichtbar machen soll. Grundlage ist die Verteilung zweier stabiler Lithium-Isotope innerhalb der Elektroden. Die Ergebnisse sind für alle relevant, die Batteriespeicher entwickeln, beschaffen oder im Dauerbetrieb führen.

Das Problem: Mehrere Degradationsprozesse überlagern sich

Lithium-Ionen-Batterien verlieren mit jedem Lade- und Entladezyklus an Kapazität. Die Ursachen lassen sich im laufenden Betrieb kaum trennen. Temperatur, Ladezustand, Ladegeschwindigkeit und Zellchemie beeinflussen das Ergebnis gleichzeitig. Für Hersteller und Betreiber bedeutet das: Prognosen zur Restlebensdauer bleiben unscharf.

Genau hier setzt die BAM-Studie an. Ein Forschungsteam um Beatrice Battistella und Carlos Abad untersuchte, ob die beiden natürlich vorkommenden Isotope Lithium-6 und Lithium-7 als interne Marker für Alterungsprozesse genutzt werden können.

Wie die Isotopenverteilung funktioniert

Natürliches Lithium besteht zu rund 7,5 Prozent aus Lithium-6 und zu 92,5 Prozent aus Lithium-7. Die BAM-Forschenden analysierten Modellzellen mit einer NMC111-Kathode, also einer Elektrode aus Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid, und einer Graphitanode. In der unbenutzten Kathode war das Isotopenverhältnis über die Tiefe gleichmäßig verteilt.

Bereits in den ersten Betriebszyklen änderte sich das. Lithium-6 reicherte sich an der Oberfläche der Graphitanode an. Dort bildet sich beim Betrieb die sogenannte Solid Electrolyte Interphase, kurz SEI. Diese Passivierungsschicht ist notwendig für einen stabilen Betrieb. Wächst sie jedoch unkontrolliert weiter, bindet sie verfügbares Lithium und beschleunigt den Kapazitätsverlust.

Nach 280 Zyklen bei einer Laderate von C/3 beobachteten die Forschenden zusätzlich eine Anreicherung von Lithium-7 in der NMC111-Kathode. Die Zellen verloren in diesem Zeitraum messbar an Kapazität.

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Ladeprotokoll beeinflusst das Muster

Die sogenannte Isotopenfraktionierung, also die Trennung der beiden Isotope, verlief nicht bei allen Ladebedingungen gleich. Bei einer höheren Laderate von 2C blieb das Verhältnis von Lithium-7 zu Lithium-6 in der Kathode nach 300 Zyklen weitgehend stabil. An der Graphitanode hingegen reicherte sich Lithium-6 weiter an.

Die Forschenden führen diese Unterschiede auf kinetische und thermodynamische Effekte beim Lithiumtransport zurück. Es gibt kein einfaches lineares Muster nach dem Prinzip, je stärker gealtert, desto größer die Isotopentrennung. Unterschiedliche Ladebedingungen hinterlassen charakteristische Signaturen, was die Interpretation aufwändiger macht, aber auch die diagnostische Tiefe erhöht.

Analysemethode: Tiefenprofil Schicht für Schicht

Die Isotopenverteilung wurde mit tiefenaufgelöster Glimmentladungs-Massenspektrometrie nachgewiesen, abgekürzt GD-MS. Das Verfahren zerlegt eine Elektrode analytisch Schicht für Schicht und liefert ein genaues Tiefenprofil der Elementzusammensetzung. Die Elektroden wurden nach dem Zyklieren aus den Modellzellen entnommen und im Labor analysiert, eine sogenannte Post-mortem-Analyse.

Die Methode zeigte einen messbaren Zusammenhang zwischen der Isotopenverteilung, den Veränderungen an der Grenzschicht zwischen Elektrode und Elektrolyt sowie dem Kapazitätsverlust der Zellen. Die Anreicherung von Lithium-6 im Bereich der SEI liefert nach Einschätzung der Forschenden neue Ansatzpunkte, um die Entwicklung dieser Grenzschicht besser zu verstehen.

Stand der Technik und Grenzen

Das Verfahren wurde bislang ausschließlich an Modellzellen und in Post-mortem-Analysen demonstriert. Es ist kein Echtzeit-Diagnosewerkzeug für den laufenden Betrieb. Der Aufwand für die GD-MS-Analyse ist hoch. Dennoch liefert der Ansatz für die Batterieentwicklung einen neuen Hebel: Wer versteht, wie sich Isotope unter verschiedenen Betriebsbedingungen verteilen, kann Degradationsprozesse besser voneinander unterscheiden.

Für Unternehmen, die Batteriezellen entwickeln oder qualifizieren, könnte das Verfahren künftig als Teil der Materialcharakterisierung relevant werden. Auch für die Auslegung von Betriebsstrategien, etwa in stationären Großspeichern oder Flottenbatterien, sind präzisere Alterungsmodelle wirtschaftlich relevant.

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Fazit

Die BAM-Studie zeigt einen wissenschaftlich fundierten Weg, Alterungsprozesse in Lithium-Ionen-Zellen differenzierter zu analysieren. Für die Praxis bedeutet das zunächst bessere Werkzeuge in der Entwicklungsphase, nicht im laufenden Betrieb. Wer Batteriespeicher beschafft oder betreibt, profitiert mittelbar: Präzisere Lebensdauerprognosen aus der Forschung führen langfristig zu zuverlässigeren Herstellerangaben und belastbareren Garantiemodellen.