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LG Energy Solution produziert seit dem 18. August 2026 in Lansing, Michigan, nicht mehr nur Batteriezellen für Elektroautos. Das Werk liefert nun auch LFP-Zellen, also Lithium-Eisenphosphat-Batterien, für stationäre Stromspeicher. Hintergrund sind der eingebrochene US-Elektroautomarkt und der wachsende Bedarf an Netz- und Rechenzentrumskapazität.

Vom Gemeinschaftsprojekt zum Einzelbetrieb

2022 kündigten General Motors und LG Energy Solution an, gemeinsam 2,6 Mrd. $ in das Werk in Lansing zu investieren. Geplant waren bis zu 50 GWh Jahreskapazität, ausschließlich für die Ultium-Elektroauto-Plattform von GM. GM wollte bis Ende 2025 in Nordamerika Kapazitäten für mehr als eine Million E-Autos pro Jahr aufgebaut haben.

Dieser Plan ist gescheitert. GM stieg aus dem Projekt aus und gab seinen Anteil am nahezu fertiggestellten Werk ab. LG Energy Solution übernahm die Anlage für rund 2 Mrd. $. Die Jahreskapazität liegt nun bei mehr als 35 GWh, rund 30 Prozent unter der ursprünglichen Planung.

US-E-Auto-Markt bleibt weit unter Prognosen

Der US-Markt für reine Elektroautos schrumpft. Im zweiten Quartal 2026 wurden in den USA rund 247.000 reine Elektrofahrzeuge verkauft, ein Rückgang von 20,5 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025. Bereits im ersten Quartal 2026 hatte das Minus gegenüber dem Vorjahr 27,3 Prozent betragen.

Der Marktanteil reiner Elektroautos lag im zweiten Quartal 2026 bei nur noch rund 5,8 Prozent. Batteriewerke wurden jedoch für einen Markt geplant, der deutlich größer sein sollte. Diese Lücke zwischen Erwartung und Realität trifft die gesamte nordamerikanische Batterieindustrie.

Neues Standbein: Stationäre Speicher und KI-Infrastruktur

LG Energy Solution reagiert mit einer Umlenkung der Produktion. Das Werk in Lansing stellt neben energiedichteren NCM-Zellen für Toyota-Elektrofahrzeuge nun auch LFP-Zellen für Netz- und Energiespeicher her. LFP-Batterien gelten als günstiger in der Herstellung und langlebiger im Dauerbetrieb, was sie für stationäre Anwendungen geeignet macht.

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Der Markt für solche Anwendungen wächst: Stromnetze brauchen Pufferkapazitäten, Energieversorger bauen Speicherparks aus, und KI-Rechenzentren benötigen unterbrechungsfreie Stromversorgung in großem Maßstab. Dieser Bedarf schafft Abnehmer für Kapazitäten, die ursprünglich für Elektroautos gedacht waren.

Fünf Werke, mehr als 50 GWh LFP-Kapazität

LG Energy Solution plant, bis Ende 2026 an fünf nordamerikanischen Standorten LFP-Zellen für stationäre Speicher herzustellen. Die Gesamtkapazität soll dabei mehr als 50 GWh erreichen. Das ist eine erhebliche strategische Verschiebung für einen Konzern, der seinen Nordamerikaausbau ursprünglich auf das E-Auto ausgerichtet hatte.

Tesla-Auftrag als Marktindikator

Tesla bezieht LFP-Zellen für seine Megapack-Großspeicher. Konkrete Auftragsvolumina wurden öffentlich teilweise mit Größenordnungen um 6 GWh und einem Auftragswert von rund 1,6 Mrd. $ kommuniziert. Solche Abnahmevolumina zeigen, dass der stationäre Speichermarkt Größenordnungen erreicht hat, die eine eigenständige industrielle Basis rechtfertigen.

Was der Strategiewechsel für die Produktion bedeutet

Der Umbau von einer reinen NCM-Linie auf eine gemischte Produktion ist technisch aufwendig. NCM- und LFP-Chemien erfordern unterschiedliche Prozessparameter, Maschinen und teils andere Materialeinkaufsstrukturen. Ein Batteriewerk lässt sich nicht kurzfristig umprogrammieren. LG hat diesen Schritt dennoch vollzogen, weil der Marktdruck keine Alternative ließ.

Eine strukturelle Schwäche bleibt: China dominiert die LFP-Technologie, sowohl bei Patenten als auch bei der Materialversorgung. Westliche Hersteller, die LFP produzieren wollen, sind in der Lieferkette noch stark von asiatischen Vorleistern abhängig. Für Produktionsplaner bedeutet das erhöhtes Risiko bei Materialverfügbarkeit und Preisgestaltung.

Fazit

Der Fall LG in Lansing steht für eine strukturelle Fehlkalibrierung in der globalen Batteriebranche: Kapazitäten wurden für einen E-Auto-Boom errichtet, der ausgeblieben ist. Der stationäre Speichermarkt, getrieben durch Netzbedarf und KI-Infrastruktur, gleicht einen Teil dieser Überkapazitäten aus. Für Unternehmen in der Zulieferkette bedeutet das, dass Abnehmerstrukturen sich schnell verschieben können und einseitige Abhängigkeiten von einem einzigen Endmarkt ein Risiko darstellen. Wer Batteriezellen, Materialien oder Komponenten an die Akkuindustrie liefert, sollte prüfen, ob seine Kunden ähnliche Anpassungen vornehmen oder vornehmen müssen.

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