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Die Produktion bei Leuna Polyamid endet im Oktober 2026. Die monatelange Suche nach einem Investor für die insolvente GmbH ist nach Ablauf einer Frist Anfang September gescheitert. Rund 440 Beschäftigte verlieren ihre Stelle. Für den Chemiepark Leuna und das mitteldeutsche Chemiedreieck hat das Konsequenzen, die über den reinen Jobverlust hinausgehen.
Produktion läuft bis Ende September, Abwicklung dauert Monate
Bis Ende September wird am Standort noch produziert. Anschließend beginnt ein kontrolliertes Herunterfahren der Anlagen. Dieser Prozess dauert nach Unternehmensangaben 15 bis 20 Tage. Stillgelegt ist die Anlage damit aber noch nicht.
Chemische Produktionsanlagen dieser Größe lassen sich nicht einfach abschalten. In Rohrleitungen verbleiben Medien, Lagertanks enthalten Restmengen, Katalysatoren müssen gesichert werden. Wärme und Strom werden weiterhin benötigt, um bestimmte Prozesse in einem gefahrlosen Zustand zu halten. Geschäftsführer Martin Naundorf schätzt, dass ein vollständiger Rückbau der Anlagen Jahre in Anspruch nehmen könnte.
Die Belegschaft wird deshalb nicht sofort entlassen. Für die Stilllegung braucht das Unternehmen Mitarbeiter, die die Anlagen kennen. Wer weiß, was beim Abschalten welcher Anlage passiert und welche Folgen das für gelagerte Materialien hat, ist für die Abwicklung unverzichtbar. Ein Großteil der Belegschaft wird daher noch eine geraume Zeit beschäftigt bleiben.
Stoffströme im Chemiepark geraten in Schieflage
Leuna Polyamid ist kein isolierter Betrieb, sondern in den Verbund des Chemieparks Leuna eingebettet. Das Werk bezieht Vorprodukte von der nahegelegenen Total-Raffinerie. Diese muss sich nun für den betroffenen Stoffstrom neue Abnehmer suchen. Auch Linde, das am Standort technische Gase liefert, ist von den veränderten Lieferbeziehungen betroffen.
Besonders konkret ist das Problem bei der Ammoniakversorgung. Leuna Polyamid betreibt eine Entladestation, ein Tanklager und ein kleines Pipelinenetz, über das andere Unternehmen am Standort mit Ammoniak versorgt werden. Fällt diese Infrastruktur weg, fehlt diesen Betrieben eine gesicherte Versorgung. Naundorf macht deutlich, dass eine ersatzlose Stilllegung die schlechteste Lösung wäre. Derzeit wird geprüft, ob die Infrastruktur von einem anderen Betreiber übernommen werden kann.
Infraleuna und Wirtschaftsministerium suchen Antworten
Infraleuna, der Chemiepark-Betreiber und gleichzeitig Anteilseigner des insolventen Unternehmens, kann nach eigenen Angaben noch keine belastbare Einschätzung zu den Gesamtauswirkungen liefern. Gespräche mit beteiligten Akteuren laufen. Das Magdeburger Wirtschaftsministerium bezeichnete Leuna Polyamid gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als wichtigen strategischen Partner am Verbundstandort. Konkrete Folgen seien noch unklar, eine Stilllegung werde aber Auswirkungen auf den Standort und die Chemieregion Mitteldeutschland haben.
Ein weiterer Rückschlag für das mitteldeutsche Chemiedreieck
Leuna ist einer der bedeutendsten Chemiestandorte Deutschlands, die Chemiebranche gilt als industrielles Rückgrat Sachsen-Anhalts. Das Ende von Leuna Polyamid trifft die Region damit strukturell.
Es ist nicht der erste Einschnitt in kurzer Folge. Der US-Konzern Dow Chemical hatte bereits angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau sowie im sächsischen Böhlen Ende 2027 zu schließen. Leuna Polyamid selbst war im April 2026 als Auffanggesellschaft nach der Insolvenz von Domo Caproleuna gegründet worden. Fünf Monate später ist auch dieser Versuch gescheitert.
Fazit
Für Einkaufsleiter und Produktionsverantwortliche, die Vorprodukte aus dem Chemiedreieck beziehen, ist das ein Signal zur Überprüfung der Lieferketten. Ammoniak, technische Gase und Kunststoffvorprodukte aus dem Leuna-Verbund könnten knapper oder teurer werden. Wer direkt oder indirekt von Leuna Polyamid als Vorlieferant abhängt, sollte die Entwicklungen am Standort verfolgen und Alternativen prüfen.




















