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Am Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt hat InfraLeuna einen 35-Megawatt-Elektrodenkessel in Betrieb genommen. Die Anlage wandelt elektrischen Strom in Prozessdampf um und ergänzt die bislang gasbasierte Wärmeversorgung des Chemieparks. Realisiert wurde das Projekt gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission.
Technische Eckdaten der Anlage
Der Elektrodenkessel leistet 35 Megawatt und erzeugt bis zu 45 Tonnen Dampf pro Stunde. Die Dampfparameter liegen bei 47 bar Überdruck und 320 Grad Celsius. Nach Angaben der Betreiber ist dies die erste großtechnische Power-to-Heat-Anlage auf diesem Druckniveau an einem europäischen Chemiepark.
Power-to-Heat bezeichnet die Umwandlung von elektrischer Energie in Wärme. Die Anlage ist vollständig in die bestehende Energieinfrastruktur des Standorts integriert und versorgt die ansässigen Unternehmen direkt über das vorhandene Dampfnetz.
Die Leistungsregelung erfolgt flexibel. Technisch sind Änderungsraten von bis zu 11 Megawatt pro Minute möglich. Im Betrieb wird die Rate auf maximal 7 Megawatt pro Minute begrenzt, damit die angeschlossenen Dampfnetze Schwankungen ohne Störungen ausgleichen können.
Betrieb bevorzugt bei hohem Erneuerbaren-Anteil
Der Kessel soll bevorzugt dann laufen, wenn erneuerbare Energien in großem Umfang im Stromnetz verfügbar sind. In diesen Phasen nimmt die Anlage Überschussstrom auf und wandelt ihn in nutzbare Wärme um. Die konventionellen Kraftwerke der InfraLeuna können dabei gedrosselt werden, was den Erdgaseinsatz am Standort reduziert.
Für Produktionsstandorte mit hohem Wärmebedarf ist dieser Ansatz wirtschaftlich relevant. Der Chemiepark Leuna zählt zu den größten Chemiestandorten Deutschlands. Dort sind zahlreiche Unternehmen der chemischen und petrochemischen Industrie ansässig, die kontinuierlich Prozessdampf benötigen.
CO₂-Einsparung und Versorgungssicherheit
Unter den Betriebsannahmen der Betreiber beträgt das CO₂-Einsparpotenzial bis zu 52.000 Tonnen pro Jahr, verglichen mit einer konventionellen gasbasierten Dampferzeugung gleicher Kapazität. Die tatsächliche Einsparung hängt vom Strommix und der Betriebszeit ab.
Die engere Verknüpfung von Strom- und Wärmeversorgung soll die Abhängigkeit der Standortunternehmen von Preisschwankungen auf den Energiemärkten verringern. Wer Dampf sowohl aus Gas als auch aus Strom erzeugen kann, hat mehr Spielraum bei der Beschaffung.
Einordnung für die Industrie
Industrielle Wärmeversorgung über Elektrodenkessel ist kein neues Konzept. Neu ist die Kombination aus der Leistungsklasse, dem Druckniveau und der direkten Einbindung in einen aktiven Chemiepark dieser Größe. Für Betreiber ähnlicher Standorte ist das Projekt ein Referenzpunkt bei der Frage, ob und unter welchen Bedingungen Power-to-Heat im eigenen Versorgungskonzept sinnvoll ist.
Ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit bleibt der Strompreis. Die Technologie rechnet sich vor allem dann, wenn günstige Strombezugszeiten zuverlässig genutzt werden können, etwa über direkte Lieferverträge mit Erzeugern oder über Regelenergiemärkte.
Fazit
InfraLeuna und 50Hertz haben in Leuna eine Anlage in Betrieb genommen, die industrielle Wärmeerzeugung und Stromnetzmanagement direkt verknüpft. Das Projekt zeigt, dass Power-to-Heat in der chemischen Industrie technisch umsetzbar ist, auch bei hohen Dampfdrücken. Für Energieverantwortliche in der Prozessindustrie liefert es konkrete Betriebsdaten zu Leistungsflexibilität, Dampfparametern und Einsparpotenzial.




















