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Deutschlands Gasspeicher sind Mitte August 2026 nur zu rund 48 Prozent gefüllt. Das ist für diese Jahreszeit ungewöhnlich wenig. Europaweit lag der Füllstand Anfang August bei rund 58 Prozent – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Für Industriebetriebe und mittelständische Unternehmen mit hohem Gasverbrauch stellt sich damit eine klare Frage: Was kostet Gas in diesem Winter?

Speicherfüllstand: Deutschland hinkt hinterher

Der Vergleich innerhalb Europas fällt deutlich aus. Italiens Speicher sind bereits zu mehr als drei Vierteln gefüllt. Polen meldet sogar 87 Prozent. Deutschland liegt weit darunter. Ursachen sind geringere Importmengen und ungewöhnlich niedrige Wasserstände in europäischen Flüssen. Niedrige Pegelstände beeinträchtigen die Wasser- und Kernkraftproduktion in Teilen Europas. Der Ausfall wird durch Gas kompensiert, was den Verbrauch erhöht.

Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment, rechnet damit, dass die deutschen Speicher zu Winterbeginn nur zu rund 70 Prozent gefüllt sein werden. Bei einem überdurchschnittlich kalten Winter könnten die Vorräte gegen Ende der Heizperiode auf rund zehn Prozent sinken. Das wäre knapp, aber kein Notfall.

Versorgungssicherheit gewährleistet – Preisniveau eine andere Frage

Die EU-Kommission und die Bundesnetzagentur sehen die Versorgungssicherheit derzeit nicht gefährdet. Auf dem Weltmarkt ist ausreichend Erdgas verfügbar. Deutschland hat seit 2022 neue Importwege aufgebaut: Pipelines aus Norwegen sowie Transitwege über Frankreich und Belgien. Hinzu kommen mehrere Flüssiggas-Terminals in der Nord- und Ostsee, die LNG-Lieferungen aufnehmen können.

Rohstoffexperte Benedix warnt vor einem vorschnellen Vergleich mit der Krisenlage 2022. Die Infrastruktur für LNG-Importe steht. Das ist der wesentliche Unterschied zu damals.

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LNG-Markt: Asien zahlt mehr, Tanker folgen den Preisen

Versorgungssicherheit und Preisniveau sind zwei verschiedene Dinge. Deutschland und Europa haben russisches Pipelinegas durch LNG vom Weltmarkt ersetzt. Das schafft eine strukturelle Preisabhängigkeit. LNG-Ladungen sind flexibel umleitbar – sie gehen dorthin, wo der Preis stimmt.

Asiatische Abnehmer zahlen derzeit teilweise vier Euro je Megawattstunde mehr als europäische Käufer. Bei einem aktuellen Preisniveau von knapp 60 Euro je Megawattstunde entspricht das einem Aufschlag von rund sieben Prozent. Diese Differenz reicht aus, um Tanker nach Asien umzuleiten. Die Internationale Energieagentur bestätigt, dass höhere Preise in Asien in diesem Jahr Lieferungen verstärkt dorthin gelenkt haben.

Angebotsschock durch Schließung der Straße von Hormus

Der Krieg im Mittleren Osten hat die Lage verschärft. Durch die faktische Schließung der Straße von Hormus ist ein bedeutender Transportkorridor für LNG ausgefallen. Durch diese Meerenge liefen zuvor fast 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels, hauptsächlich Lieferungen aus Katar. Produzenten in Nordamerika, Afrika und Australien haben einen Teil der ausgefallenen Mengen ersetzt. Dennoch erwartet die Internationale Energieagentur für das laufende Jahr nur noch ein weitgehend stagnierendes globales LNG-Angebot. Vor Beginn des Konflikts hatte sie mit einem deutlichen Zuwachs gerechnet.

Was bedeutet das für Industrie und Mittelstand?

Gaspreise von mehr als 200 Euro je Megawattstunde, wie sie im Extremszenario genannt werden, erscheinen derzeit unwahrscheinlich. Realistischer ist ein moderater Preisanstieg gegenüber den Sommermonaten, sobald die Heizsaison beginnt und die Nachfrage anzieht.

Für gasintensive Betriebe entstehen daraus konkrete Planungsrisiken. Wer Gaspreise noch nicht für den Winter abgesichert hat, steht vor einer unsicheren Beschaffungslage. Die Preisentwicklung hängt von Faktoren ab, die außerhalb Europas liegen: der geopolitischen Lage im Mittleren Osten, der Nachfrageentwicklung in Asien und dem Winterverlauf auf der Nordhalbkugel.

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Fazit

Deutschland wird den Winter 2026/27 ohne Versorgungsunterbrechungen durchstehen. Das ist der Konsens der zuständigen Behörden. Das Preisniveau ist jedoch offen. Die Abhängigkeit von LNG-Märkten mit globaler Konkurrenz ist strukturell. Unternehmen mit hohem Gasverbrauch sollten ihre Beschaffungsstrategie und Risikopositionen für die kommenden Monate überprüfen.