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Die Bewertungsplattform kununu ändert ab dem 1. September 2026 die Berechnungsmethode ihres Scores. Ältere Einträge verlieren erheblich an Gewicht. Bewertungen, die mehr als vier Jahre zurückliegen, zählen künftig nur noch mit fünf Prozent. Für Personalabteilungen und Geschäftsführungen, die den kununu-Score als Kennzahl ihrer Arbeitgeberattraktivität nutzen, hat das unmittelbare Konsequenzen.
Was sich an der Score-Berechnung ändert
Bislang flossen alle Bewertungen unabhängig vom Alter gleichgewichtig in den Gesamtdurchschnitt ein. Das ändert sich ab September. Kununu staffelt die Gewichtung künftig nach dem Alter jeder Einzelbewertung. Einträge, die weniger als ein Jahr alt sind, zählen weiterhin zu 100 Prozent. Bewertungen im Alter von ein bis zwei Jahren werden mit 75 Prozent gewichtet. Im zweiten bis dritten Jahr sind es noch 50 Prozent, im dritten bis vierten Jahr 25 Prozent. Ältere Einträge als vier Jahre fließen mit nur noch fünf Prozent ein.
Der Score aktualisiert sich automatisch: sobald neue Bewertungen eingehen, bestehende aktualisiert werden oder eine Bewertung in eine niedrigere Altersstufe rutscht. Bewerberbewertungen bleiben von dieser Berechnung ausgenommen.
Warum kununu die Methode anpasst
Das erklärte Ziel der Plattform ist ein Score, der den aktuellen Zustand eines Unternehmens besser abbildet. Vergleichbare Systeme arbeiten bereits nach ähnlichem Prinzip. Die Plattform Trustpilot gewichtet neuere Bewertungen ebenfalls stärker, um aktuelle Kundenzufriedenheit zu spiegeln. Kununu zieht damit nach. Laut eigenen Angaben greift die Änderung auch Rückmeldungen von Unternehmen auf, die sich einen stärkeren Fokus auf aktuelle Entwicklungen ihrer Arbeitgebermarke gewünscht hatten.
Konkrete Auswirkungen auf Unternehmen im Mittelstand
Für Betriebe mit stabiler, aber älterer Bewertungshistorie kann der Score sinken, ohne dass eine einzige neue negative Bewertung hinzugekommen ist. Wer in den Jahren 2021 und 2022 viele positive Einträge gesammelt hat, seitdem aber kaum neue Rückmeldungen erhält, verliert rechnerisch an Boden. Das trifft besonders Mittelständler, die kununu bislang nicht aktiv bewirtschaftet haben.
Industrieunternehmen stehen dabei vor einer strukturellen Herausforderung. In der Branche Industrie und Chemie gehören Beschäftigte laut kununu-Daten zu den bestbezahlten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland. Trotzdem liegt die Bewertungsfrequenz bei vielen Produktionsbetrieben deutlich unter der von Dienstleistungsunternehmen. Wer selten bewertet wird, bekommt die neue Gewichtung stärker zu spüren.
Was der Score-Rückgang in der Praxis bedeutet
Der kununu-Score ist für Bewerberinnen und Bewerber ein sichtbares Auswahlkriterium. Jobsuchende vergleichen Arbeitgeber direkt auf der Plattform. Ein sinkender Score kann die Klickrate auf Stellenanzeigen beeinflussen. In einem angespannten Arbeitsmarkt ist das relevant, besonders für Unternehmen, die auf Fachkräfte von außen angewiesen sind.
Bewerberbewertungen bleiben außen vor
Einträge von Bewerberinnen und Bewerbern, die ein Unternehmen aus der Außenperspektive bewertet haben, ohne dort beschäftigt gewesen zu sein, fließen nicht in den neuen gewichteten Score ein. Das schränkt mögliche Verzerrungen durch externe Einträge ein, ändert aber nichts an der Kernproblematik für Betriebe mit dünner aktueller Bewertungsbasis.
Fazit
Die Umstellung der kununu-Score-Berechnung ab dem 1. September 2026 ist methodisch nachvollziehbar. Sie zwingt Unternehmen jedoch dazu, das Thema Mitarbeiterbewertungen aktiver zu betreiben als bisher. Wer den Score als Steuerungsgröße nutzt, sollte die eigene Bewertungshistorie jetzt prüfen. Wie viele Einträge stammen aus den vergangenen zwölf Monaten? Wie viele aus der Zeit vor 2022? Die Antwort auf diese Fragen bestimmt, wie stark der Score ab September abweicht. Personalverantwortliche sollten das nicht als rein kommunikatives Thema behandeln, sondern als Datenpunkt zur internen Standortbestimmung.




















