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Amerikanische Rechenzentren haben 2023 rund 65,9 Milliarden Liter Wasser für die Kühlung verbraucht. Bis 2028 könnte sich dieser Bedarf auf das Zwei- bis Vierfache erhöhen. Rhein und Donau verzeichnen in diesem Sommer historische Tiefststände, in mehreren europäischen Ländern gelten Wassernutzungsbeschränkungen. Der Konflikt zwischen digitaler Infrastruktur und Wasserverfügbarkeit wird konkreter.
Wasser als unterschätzter Kostenfaktor der Digitalisierung
Rechenzentren kühlen ihre Server überwiegend mit Wasser. Das ist energetisch effizient, aber ressourcenintensiv. Das Kühlwasser wird in der Regel mit Bioziden und weiteren chemischen Additiven behandelt, um Biofilmbildung, Korrosion und Kalkausfällungen zu verhindern. Das Ergebnis ist behandlungsbedürftiges Abwasser, das vor der Einleitung aufbereitet werden muss.
Für Betreiber bedeutet das laufende Chemikalienkosten, Entsorgungsaufwand und steigende regulatorische Anforderungen. In Regionen mit Wasserknappheit kommt Druck von Kommunen und Genehmigungsbehörden hinzu. Bayern allein verzeichnet derzeit 99 neue Rechenzentren, zwei Drittel der Investoren kommen aus den USA. Der Standortwettbewerb um Fläche, Strom und Wasser läuft bereits.
Biologischer Ansatz aus Heidelberg
Das Heidelberger Unternehmen BlueActivity GmbH hat eine patentangemeldete Technologie entwickelt, die auf klassische Kühlwasserchemie verzichtet. Statt Bioziden setzt das Unternehmen funktionale Mikroorganismen ein, die die Wasserqualität im Kühlkreislauf aufrechterhalten, ohne toxische Rückstände zu erzeugen.
Ergänzend kommen biopolymere Additive zum Einsatz, die das Management von Härteausfällungen und den Korrosionsschutz übernehmen. Beide Substanzklassen sind nach Unternehmensangaben vollständig biologisch abbaubar. Das Kühlwasser kann nach Nutzung mit deutlich geringerer Belastung in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden.
Was die Technologie leisten soll
Der Ansatz zielt auf geringeren Chemikalieneinsatz, reduzierten Wasserverbrauch durch effizientere Kreislaufführung und vereinfachte Abwasserbehandlung. Ob und in welchem Umfang diese Versprechen in Großanlagen eingelöst werden, ist noch nicht durch unabhängige Pilotdaten belegt. BlueActivity sucht derzeit Betreiber von Hyperscale-Rechenzentren für gemeinsame Pilotprojekte.
Das Unternehmen adressiert neben Rechenzentren auch Industrieparkbetreiber, Raffinerien sowie Chemie- und Stahlwerke, also Branchen, die ebenfalls große Kühlwassermengen einsetzen und ähnlichen regulatorischen Anforderungen unterliegen.
Was das für Industriebetriebe bedeutet
Für Produktionsleiter und Einkäufer in wasserintensiven Industrien ist der Kontext wichtiger als die Technologie selbst. Der regulatorische Druck auf Kühlwasserchemie steigt. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie und nationale Einleitungsvorschriften werden schärfer vollzogen. Wer heute große Kühlkreisläufe mit konventioneller Chemie betreibt, sollte die Kostenstruktur kennen: Chemikalieneinsatz, Abwasseraufbereitung, Monitoring und mögliche Auflagen.
Biologische Alternativen sind kein neues Konzept. In der Abwasserbehandlung sind Mikroorganismen seit Jahrzehnten Standard. Die eigentliche technische Frage ist die Übertragung auf Kühlkreisläufe unter den Betriebsbedingungen von Hochleistungsrechenzentren: hohe Temperaturen, hohe Durchflussraten, wechselnde Wasserqualitäten. Diese lässt sich nur in realen Pilotanlagen beantworten.
Fazit
Der steigende Wasserbedarf der KI-Infrastruktur trifft auf eine Ressource, die durch Trockenperioden knapper wird. Für Industriebetriebe, die selbst große Kühlwassermengen einsetzen, ist das keine abstrakt-ökologische Frage, sondern eine der Betriebskosten, der Genehmigungssicherheit und der Lieferkettenstabilität. Ob der biologische Ansatz aus Heidelberg im industriellen Maßstab hält, was er verspricht, werden Pilotprojekte zeigen müssen. Die sachliche Begründung des Ansatzes steht.




















