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Kühlhäuser gelten als Energiefresser. Das Unternehmen Peter Bade GmbH aus Neumünster zeigt, dass sie auch das Gegenteil sein können: ein steuerbarer Puffer im Stromnetz. In Zusammenarbeit mit dem Energiemanagement-Spezialisten Encentive hat der Kühllogistiker seine Anlage so umgerüstet, dass sie auf Strompreissignale und Netzentgelte reagiert. Das Ergebnis sind messbar niedrigere Energiekosten.

Thermische Masse als Flexibilitätsreserve

Ein Kühlhaus speichert Kälte. Das ist sein eigentlicher Zweck. Doch genau diese physikalische Eigenschaft lässt sich energiewirtschaftlich nutzen. Fachleute sprechen von thermischer Masse oder thermoelektrischer Flexibilität. Die Kältemaschinen laufen dann mit voller Leistung, wenn Strom billig ist. Wenn der Preis steigt oder Lastspitzen drohen, reduzieren sie die Leistung. Die gespeicherte Kälte hält die Temperatur im Lager stabil, ohne dass die Kühlaggregate laufen müssen.

Dieses Prinzip ist nicht neu. Neu ist die Präzision, mit der es sich heute umsetzen lässt. Die Plattform „flexOn“ von Encentive steuert dabei nicht nur die Kälteanlage. Sie verbindet Strombezug, Lastspitzen, Netzentgelte und den Betrieb weiterer Verbraucher in einem integrierten Regelkreis.

Netzentgelte als unterschätzter Kostentreiber

Für viele Produktions- und Logistikbetriebe ist der Arbeitspreis für Strom nur ein Teil der Rechnung. Netzentgelte machen je nach Abnahmeprofil einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten aus. Besonders der Leistungspreis, der sich an der höchsten gemessenen Leistungsspitze im Abrechnungszeitraum orientiert, kann empfindlich zu Buche schlagen. Wer eine einzige ungünstige Spitze produziert, zahlt dafür das ganze Jahr.

Genau hier setzt das System an. Die KI-gestützte Steuerung erkennt, wann eine Spitze droht, und verschiebt flexibel steuerbare Lasten. Im Fall von Peter Bade sind das vor allem die Kühlaggregate. Sie werden zeitlich so geführt, dass die Leistungsspitze unter einem definierten Schwellenwert bleibt.

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KI-gestützte Steuerung: Was dahintersteckt

Encentive wurde 2020 in Neumünster gegründet und ist nach eigenen Angaben mittlerweile europaweit tätig. Die Plattform arbeitet mit Algorithmen, die Verbrauchsprognosen, Wettermodelle und Echtzeitdaten aus der Anlage kombinieren. Daraus entsteht ein Fahrplan für den Strombezug, der laufend angepasst wird.

Die technische Integration ist der kritische Schritt. Dafür müssen die Steuerungssysteme der Kälteanlagen, der Gebäudetechnik und weiterer Verbraucher mit der zentralen Plattform verbunden sein. Das erfordert Schnittstellen zu unterschiedlichen Leitsystemen. In der Praxis ist dieser Integrationsaufwand oft der Faktor, der über Erfolg oder Scheitern solcher Projekte entscheidet.

Rahmenbedingungen in Deutschland

Der Ansatz trifft auf ein regulatorisches Umfeld, das solche Lösungen begünstigt. Die Energiepreise in Deutschland liegen strukturell über dem europäischen Durchschnitt. Die F-Gas-Verordnung der EU schränkt den Einsatz synthetischer Kältemittel schrittweise ein. Betreiber von Kühlhäusern stehen damit ohnehin vor Investitionen in neue Kälteanlagen. Die Norm EN 378 regelt Sicherheit und Auslegung von Kälteanlagen. Wer ohnehin modernisiert, kann Energiemanagement und Flexibilitätssteuerung von Anfang an einplanen.

Deutschland ist der größte Lebensmittelmarkt in Europa und ein bedeutender Pharmastandort. Beide Branchen betreiben große Mengen an gekühltem Lagerraum. Das Potenzial für Flexibilitätslösungen ist entsprechend groß.

Was das für Betreiber bedeutet

Kühlhausbetreiber und Unternehmen mit energieintensiver Kältetechnik stehen vor einer konkreten Frage: Wird die vorhandene thermische Masse bereits als steuerbare Ressource genutzt? In vielen Betrieben läuft die Kälteanlage nach einem starren Regelwerk. Sie kühlt nach Bedarf, ohne auf Preis- oder Netzsignale zu reagieren.

Die Umrüstung auf eine flexible Steuerung setzt eine genaue Analyse des bestehenden Anlagenparks voraus. Nicht jede Anlage ist dafür geeignet. Ausschlaggebend sind die thermische Trägheit des Lagers, die Flexibilität der Kälteaggregate und die Qualität der Messtechnik. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann Strombezug und Netzentgelte optimieren, ohne die Lagertemperatur zu gefährden.

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Fazit

Das Projekt von Encentive und Peter Bade ist kein Einzelfall, aber ein gut dokumentiertes Beispiel. Es zeigt, dass die Kombination aus vorhandener Infrastruktur und KI-gestützter Steuerung konkrete Kostenwirkung entfalten kann. Für Entscheider in der Kühllogistik, im Lebensmittelhandel und in der Pharmaindustrie lohnt die Prüfung, ob die eigenen Anlagen ähnliches Potenzial bieten. Die technischen Voraussetzungen sind in vielen Betrieben vorhanden. Die Frage ist, ob die Steuerung sie ausschöpft.