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CDU und CSU fordern die Rückholung der Steinkohlekraftwerke aus der Strommarktreserve. Hintergrund sind geringe Gasspeicherfüllstände und die damit verbundene Sorge um Versorgungssicherheit und Strompreise im Winter 2026/2027. Das Analysehaus Montel hat die möglichen Auswirkungen dieser Reaktivierung modelliert und die Ergebnisse am 31. August 2026 veröffentlicht.
Preiseffekt: messbar, aber begrenzt
Zur Debatte stehen Steinkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 7,8 Gigawatt. Würden diese aus der Strommarktreserve reaktiviert, sänke der durchschnittliche Day-ahead-Großhandelspreis bis Jahresende 2026 um rund 2,3 Prozent. Der Day-ahead-Preis ist der Börsenpreis für Strom, der einen Tag vor der Lieferung festgelegt wird und als Referenzwert für viele Industrieverträge gilt.
Für das Jahr 2027 beziffert Montel den Effekt auf knapp fünf Prozent. Danach flacht er ab. Für den Zeitraum 2028 bis 2030 erwarten die Analysten Preisrückgänge zwischen 2,5 und 3 Prozent, weil dann auch die Erdgaspreise wieder sinken dürften.
Die Entlastung wäre saisonal ungleich verteilt. Im Januar 2027 könnte der Day-ahead-Preis laut Montel um mehr als neun Prozent sinken. Im Juni läge der Effekt unter zwei Prozent. Kohlekraft verdrängt vor allem teure Gaskraftwerke, die in kälteren Monaten stärker gefragt sind.
Was das für Industriekunden bedeutet
Für Haushaltskunden wäre der Effekt gering. Ihr Strompreis setzt sich zu einem großen Teil aus Netzentgelten, Steuern und Abgaben zusammen, die von Großhandelspreisen unberührt bleiben.
Für industrielle Großverbraucher sieht die Rechnung anders aus. Bei einem angenommenen Großhandelspreis von zehn Cent je Kilowattstunde entsprechen fünf Prozent einer Einsparung von 0,5 Cent je Kilowattstunde. Bei einem Jahresverbrauch von 100 Gigawattstunden ergibt das eine potenzielle Entlastung von 500.000 Euro.
Montel-Chefanalyst Tobias Federico betont, dass die reaktivierten Kraftwerke nicht dauerhaft am Netz liefen. Sie produzierten nur dann, wenn es sich wirtschaftlich lohne. Die modellierte durchschnittliche Auslastung der Steinkohlekraftwerke sinke 2027 bei zusätzlicher Kapazität sogar um 15 Prozent, weil mehr Anlagen um die gleichen Einsatzstunden konkurrieren.
CO2-Emissionen: deutlicher Anstieg
Der Preisvorteil hat eine klare Kehrseite. Montel ermittelt einen Anstieg der CO2-Emissionen im deutschen Stromsektor um bis zu zehn Prozent. Kohle emittiert pro erzeugter Kilowattstunde deutlich mehr CO2 als Erdgas. Wer Kohle einsetzt, um Gas zu sparen, verschiebt die Emissionen, reduziert sie nicht.
Deutschland hat für den Stromsektor verbindliche Emissionsziele im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems. Mehr Kohleverstromung erhöht die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten. Das kann den Zertifikatspreis unter Druck setzen oder Emissionsbudgets anderer Sektoren belasten, abhängig von der Marktlage.
Agora Energiewende hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass der Konflikt um die Straße von Hormuz im ersten Halbjahr 2026 indirekt zu einem Rückgang der deutschen CO2-Emissionen beigetragen hat, weil höhere Gaspreise den Kohleeinsatz bereits dämpften. Eine politisch gesteuerte Rückkehr zur Kohle würde diesen Effekt teilweise umkehren.
Fazit
Der Preiseffekt einer Reaktivierung der Steinkohlereserve ist real, aber moderat. Industrieunternehmen mit hohem Strombedarf können mit einer begrenzten Entlastung rechnen, vor allem in den Wintermonaten. Dem steht ein messbarer Anstieg der Emissionen im Stromsektor gegenüber.




















