Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Zwei Drittel der befragten Führungskräfte bei Automobilherstellern berichten, ihre Konzeptphasen durch den Einsatz von KI deutlich verkürzt zu haben. Das zeigt der Automotive Engineering and R&D Pulse 2026 von Capgemini, für den rund 200 Interviews geführt wurden. Die Zeitersparnis beträgt demnach teils mehr als die Hälfte der bisherigen Entwicklungsdauer. Der Kostenabstand zu chinesischen Neueinsteigern bleibt laut der Studie dennoch erheblich: Er liegt beim Dreifachen.
Was die Studie konkret zeigt
60 Prozent der befragten Führungskräfte nennen neue Marktteilnehmer als ihre größte geschäftliche Herausforderung. Gemeint sind damit vor allem chinesische Hersteller, die mit niedrigen Produktionskosten und kurzen Entwicklungszyklen in etablierte Märkte vordringen. Gleichzeitig melden 89 Prozent gestiegene Kosten in den vergangenen drei Jahren.
KI wird dabei zur Beschleunigung konkreter Entwicklungsschritte genutzt: Konzeptfindung, Variantenprüfung, Simulationsläufe. Wer früher Wochen für eine Konzeptphase benötigte, kommt mit KI-Unterstützung auf einen Bruchteil dieser Zeit.
Warum der Kostenvorsprung Chinas trotzdem besteht
Der Zeitgewinn durch KI ist real, ändert aber nichts an den strukturellen Kostenunterschieden. Chinesische Hersteller profitieren von niedrigeren Lohn- und Materialkosten, staatlicher Förderung und einem Heimatmarkt, der schnelles Wachstum ermöglicht.
Bei Automatisierung und Robotik hat China Deutschland inzwischen überholt. Vor zwölf Jahren war die Roboterdichte in Deutschland mehr als zehnmal so hoch wie in China. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt ist die Roboterdichte in China sogar mehr als doppelt so hoch.
Auch bei KI-Modellen zeigt sich ein ähnliches Muster. Chinesische Anbieter liefern Sprachmodelle und Entwicklungswerkzeuge zu deutlich niedrigeren Preisen als westliche Konkurrenten, was die Betriebskosten zusätzlich drückt.
Der Ingenieursansatz als struktureller Faktor
China gilt als „Ingenieursstaat“: Entscheidungsprozesse sind auf technische Umsetzung ausgerichtet, weniger auf regulatorische Absicherung. Das beschleunigt Produktzyklen strukturell, unabhängig vom Einsatz einzelner Technologien.
Für deutsche und europäische Hersteller bedeutet das: KI-gestützte Entwicklung verbessert die eigene Position, beseitigt aber nicht die tieferliegenden Ursachen des Wettbewerbsgefälles.
Was das für Hersteller und Zulieferer bedeutet
Entwicklung und F&E
Wer KI in der Konzeptphase noch nicht produktiv einsetzt, verliert messbar Zeit gegenüber Wettbewerbern, die es tun. Die Technologie ist vorhanden. Der Engpass liegt oft in der Integration in bestehende Entwicklungsprozesse und im Datenmanagement.
Einkauf und Produktion
Der Kostendruck aus China wirkt nicht nur auf Endprodukte. Er betrifft Maschinen, Komponenten und zunehmend auch Softwarewerkzeuge. Einkaufsverantwortliche sollten prüfen, welche Teile der KI-Infrastruktur zu welchen Konditionen beschafft werden. Chinesische KI-Modelle sind teilweise erheblich günstiger als US-amerikanische Pendants.
Personalplanung
KI verändert die Anforderungen an Entwicklerprofile. Wer Simulationen und Konzeptentwürfe automatisiert, braucht weniger klassische Zeichenstunden und mehr Kompetenz in der Modellpflege und Datenvalidierung. Das betrifft die Ausbildungsplanung und die Stellenprofile in F&E-Abteilungen.
Fazit
Die Capgemini-Studie liefert einen nüchternen Befund: KI beschleunigt Prozesse, gleicht Kosten aber nicht an. Der dreifache Kostenvorsprung chinesischer Hersteller bleibt bestehen. Für Entscheider in Entwicklung, Einkauf und Produktion heißt das: KI-Einsatz ist messbar wirksam, beantwortet aber nicht die Frage, wie europäische Hersteller strukturell wettbewerbsfähig bleiben. Diese Frage stellt sich mit jedem verkürzten Entwicklungszyklus neu.




















