Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Kanadas Wirtschaft ist kleiner als ein Zehntel der US-Wirtschaftsleistung. Mehr als zwei Drittel aller kanadischen Exporte gehen in die USA. Wer diese Zahlen kennt, erwartet Ottawa als schwächere Partei. Doch Premier Mark Carney handelt gegenteilig: Er ließ Handelsverhandlungen Ende August 2026 in letzter Minute scheitern, obwohl US-Präsident Trump bereits eine Einigung verkündet hatte. Die Bedingungen der US-Delegation seien inakzeptabel gewesen, so Carney.

Gegenzölle Schlag für Schlag

Nach dem Scheitern der Gespräche setzte Washington neue Strafzölle in Kraft. Ottawa antwortete „Dollar für Dollar“ mit eigenen Gegenzöllen. Kanada sehe sich von seinem Nachbarn angegriffen, erklärte Carney. Nachgeben schloss er kategorisch aus.

Die Gegenzölle sind gezielt platziert. Sie treffen vor allem die US-Bundesstaaten Ohio und Michigan, deren Industrie eng mit kanadischen Zulieferern verflochten ist. In beiden Staaten werden im Herbst 2026 Senatoren gewählt. Die politische Kalkulation ist offensichtlich.

Zölle auf Stahl, Aluminium und Holz: Schäden auf beiden Seiten

Die Strafzölle auf Stahlprodukte, die Trump im Frühjahr 2025 einführte, haben Schätzungen zufolge innerhalb eines Jahres mehrere Zehntausend Jobs in Kanada vernichtet. Weitere Zölle könnten hunderttausende Arbeitsplätze kosten, wenn sie dauerhaft bestehen bleiben.

Für die USA sind die direkten Schäden bislang geringer, aber spürbar. Zölle auf kanadisches Aluminium verteuern Vorprodukte für Autos, Maschinen und Verpackungen. Zölle auf Holz, einen Hauptrohstoff für Papierprodukte, treiben Verbraucherpreise hoch. In der US-Presse sorgten zuletzt erwartete Preissprünge bei Toilettenpapier für Aufmerksamkeit, da Kanada ein wesentlicher Holzlieferant ist. Die steigende Inflation gehört zu den zentralen Wahlkampfthemen in den USA.

Innenpolitik bestimmt die Verhandlungslogik

Carney kommt auf rund 60 Prozent Zustimmung in der kanadischen Bevölkerung. Gegenüber der Vorwoche stieg der Wert um drei Prozentpunkte. Die Unnachgiebigkeit gegenüber Washington gilt in Kanada als Stärke, nicht als Risiko.

Auch interessant  Deutsche Automobilkonzerne bauen Produktion im Ausland massiv aus

Trump steht deutlich schlechter da. Laut Umfragen zeigt sich nicht einmal ein Drittel der Amerikaner zufrieden mit seiner Amtsführung. Der Zollkonflikt mit Kanada ist unpopulär. Hinzu kommen der seit Februar 2026 laufende Iran-Krieg und weitere außenpolitische Konflikte, die Trumps Rückhalt in der Bevölkerung belasten.

Für Carney gilt das Gegenteil. Auch in Kanada stehen Wahlen an. Die Härte im Handelsstreit dürfte ihm nützen, besonders in Quebec. Washington hatte als Bedingung für ein neues Handelsabkommen verlangt, Schutzregelungen für die französische Sprache in Quebec abzuschaffen. Carney bezeichnete das als rote Linie und schloss Konzessionen an dieser Stelle aus.

Was das für europäische Unternehmen bedeutet

Wer als europäisches Industrie- oder Mittelstandsunternehmen Lieferketten in Nordamerika unterhält, muss den Konflikt einkalkulieren. Zölle auf Stahl, Aluminium und Holzprodukte verändern Beschaffungskosten und Weitergabeoptionen. Produktionen in Kanada oder den USA mit Bezug zum jeweils anderen Markt stehen unter erhöhtem Kostendruck.

Der Handelsstreit verändert auch das Verhandlungsklima für neue Verträge und Investitionen. Solange kein belastbares Abkommen zwischen Ottawa und Washington besteht, bleibt die Planungssicherheit eingeschränkt. Unternehmen mit Standorten in Ohio oder Michigan sollten die Senatswahlen dort im Herbst 2026 im Blick behalten. Ein Machtverlust der Republikaner im Senat könnte Trumps Spielraum für weitere Zollpolitik begrenzen.

Fazit

Kanada hat strukturell weniger Gewicht als die USA, nutzt aber seine politischen Hebel. Carney setzt auf innenpolitischen Rückhalt, gezielte Gegenzölle und den wachsenden Druck auf republikanische Senatoren in betroffenen Bundesstaaten. Solange dieser Rahmen hält, hat Ottawa keinen Anreiz nachzugeben. Für Unternehmen mit Nordamerika-Geschäft bedeutet das: Der Konflikt ist nicht kurzfristig lösbar. Beschaffungs- und Produktionsstrategien sollten das einkalkulieren.

Auch interessant  Peking streicht blaue ADAS-Leuchten aus dem Zulassungsrecht