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Deutschland verzeichnet zur Jahresmitte 2026 so viele Unternehmensinsolvenzen wie seit 2013 nicht mehr. Das Statistische Bundesamt hat für das erste Halbjahr exakt 12.812 Fälle registriert. Das entspricht einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Bereits die Jahre 2023 und 2024 hatten jeweils Zuwächse von mehr als 20 Prozent gebracht. Der Trend setzt sich fort, wenn auch langsamer als zuvor.

Juni bringt neuen Schub: 15,8 Prozent mehr Anträge

Nach einer leichten Entspannung im Mai haben die Amtsgerichte im Juni 2.266 Unternehmensinsolvenzanträge registriert. Das sind 15,8 Prozent mehr als im Juni 2025. Auch die Verbraucherinsolvenzen legten zu: 6.839 Fälle bedeuten ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Zur Einordnung: Destatis erfasst Fälle erst nach einer ersten gerichtlichen Entscheidung. Kleinstunternehmen sind in der Statistik enthalten. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle ermittelt auf eigener Datenbasis für August 2026 rund 1.525 relevante Unternehmensinsolvenzen. Das sind neun Prozent mehr als im August 2025 und 63 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.

Gläubigerforderungen sinken: Kleinere Betriebe trifft es stärker

Die Forderungen der Gläubiger summierten sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 18,5 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 28,2 Milliarden Euro. Die niedrigere Summe weist auf kleinere Verfahren hin. Großinsolvenzen wie in den Vorjahren fehlen bislang.

Bezogen auf je 10.000 Unternehmen wurden im ersten Halbjahr 36,2 Betriebe zahlungsunfähig. Der Sektor Verkehr und Lagerei führt die Branchenwertung mit 71,6 Fällen je 10.000 Betriebe an. Das Gastgewerbe folgt mit 59,6 Fällen, das Baugewerbe mit 53,4 Fällen. Für Produktions- und Industrieunternehmen mit eigener Logistik oder Subunternehmerstrukturen ist das eine konkrete Risikowarnung: Lieferketten können durch Partnerinsolvenzen kurzfristig reißen.

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DIHK fordert zügige Umsetzung der Koalitionsreformen

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer bewertet die Zahlen als politisches Warnsignal. DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers fordert, dass die Bundesregierung die vereinbarten Reformen schnell umsetzt. Eine Wirtschaftspolitik, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder in den Mittelpunkt stellt, sei notwendig, um die Insolvenzquoten zu drücken.

Aus der Insolvenzpraxis kommt eine andere Einschätzung. Christoph Niering, Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter und Sachwalter, hat die Entwicklung als Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels bewertet. Wichtig sei, dass nach einer Insolvenz Kapital, Flächen und Arbeitskräfte in tragfähige Geschäftsmodelle fließen.

Strukturwandel erklärt einen Teil der Pleiten, etwa im stationären Einzelhandel oder bei energieintensiven Vorproduzenten. Er erklärt nicht die Breite der Betroffenheit quer durch alle Branchen.

Widersprüchliches Gesamtbild der deutschen Wirtschaft

Die Insolvenzentwicklung steht in einem ungewöhnlichen Kontrast zu anderen Konjunkturdaten. Der Auftragsbestand im verarbeitenden Gewerbe liegt bei 8,9 Monaten, einem historischen Hoch. Die Exportzahlen brechen Rekorde. Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2026 beträgt jedoch nur 0,2 Prozent. Ohne Großaufträge sinken die Bestelleingänge tatsächlich.

Volle Auftragsbücher schützen damit nicht automatisch vor Zahlungsschwierigkeiten. Wer zu niedrig kalkuliert hat, wer mit gestiegenen Energie- und Lohnkosten kämpft oder wer auf Vorleistungen von insolvent gegangenen Zulieferern angewiesen ist, gerät trotz Aufträgen in Schieflage.

Fazit

Der Halbjahreswert von 12.812 Insolvenzen ist kein statistischer Ausreißer. Er bestätigt einen Trend, der seit 2022 anhält. Für Einkaufsleiter bedeutet das: Lieferantenscreenings auf Bonität sind keine bürokratische Pflichtübung, sondern operative Notwendigkeit. Personalverantwortliche in der Logistikbranche müssen mit Ausfällen bei Subunternehmern rechnen. Geschäftsführer im Mittelstand sollten prüfen, wie hoch die Abhängigkeit von Kunden oder Lieferanten ist, die selbst unter Druck stehen.

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