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Die IG Metall geht in die Herbst-Tarifrunde mit einer ungewohnten Botschaft: Flexibilität ja, Lohnverzicht nein. Vorsitzende Christiane Benner hat sich offen für Öffnungsklauseln ausgesprochen, die wirtschaftlich schwachen Betrieben mehr Spielraum lassen. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass spürbare Lohnzuwächse für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie nicht verhandelbar sind.

Zwei Lager, ein Tarifabschluss

Die Ausgangslage für die Tarifrunde ist uneinheitlich. In der Luftfahrt, in Teilen des Energiesektors, in der Medizintechnik und in der Rüstungsindustrie laufen die Geschäfte gut. Im norddeutschen Marineschiffbau sind die Auftragsbücher voll. Automobilzulieferer und klassische Maschinenbauer kämpfen dagegen mit schwacher Nachfrage und hohen Kosten.

Benner benennt diesen Widerspruch offen. Sie spricht von einer wirtschaftlichen Lage, die sie in ihrer bisherigen Zeit bei der IG Metall so nicht erlebt hat. Deshalb will sie den Tarifabschluss regional und branchenbezogen differenzieren. Öffnungsklauseln sind dabei kein neues Instrument. Sie wurden in vergangenen Tarifauseinandersetzungen bereits eingesetzt, etwa in Krisenzeiten der Automobilindustrie.

Was Öffnungsklauseln für Betriebe bedeuten

Öffnungsklauseln erlauben es Einzelunternehmen, in bestimmten Grenzen vom Flächentarifvertrag abzuweichen. Möglich ist zum Beispiel das Verschieben von Lohnerhöhungen, die Anpassung von Arbeitszeiten oder die Umwandlung von Einmalzahlungen. Voraussetzung ist in der Regel eine betriebliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

Für Betriebe mit angespannter Liquidität kann das kurzfristig entlasten. Der Preis: Der Abschluss wird komplexer, und die Umsetzung erfordert funktionierende Sozialpartnerschaft auf Betriebsebene. Unternehmen ohne starken Betriebsrat haben hier strukturelle Nachteile.

Arbeitszeitdebatte: Keine Annäherung

In der Arbeitszeitfrage bleibt die IG Metall hart. Die Forderung der Arbeitgeberverbände, die 35-Stunden-Woche zu kippen, weist Benner zurück. Ihr Argument: Wo Werke nicht ausgelastet sind, lösen längere Arbeitszeiten das Kapazitätsproblem nicht. Mehr Stunden ohne Nachfrage bedeuten höhere Stückkosten, keine höhere Produktivität.

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Auch die von der Bundesregierung geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes trifft auf Widerstand. Benner kündigt Mobilisierung gegen die Regierungspläne an. Welche konkreten Maßnahmen die Gewerkschaft ergreift, ist noch offen.

VW als Hintergrundfolie

Benner sitzt als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende auch bei Volkswagen am Tisch. Die Renditeziele des VW-Vorstands bezeichnete sie als unrealistisch. Einen massiven Stellenabbau würde die IG Metall nach eigener Aussage zu einem der härtesten Arbeitskonflikte eskalieren lassen.

Die VW-Krise ist kein Einzelfall, prägt aber die Stimmung in der gesamten Tarifrunde. Zulieferer und Komponentenhersteller beobachten den Konflikt genau. Was in Wolfsburg verhandelt wird, hat Ausstrahlungswirkung auf den gesamten Sektor.

Fazit

Die Herbst-Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie wird differenzierter als frühere Runden. Die IG Metall hat die wirtschaftliche Realität vieler Betriebe zur Kenntnis genommen und signalisiert Kompromissbereitschaft bei der Struktur des Abschlusses. An der Forderung nach realem Lohnzuwachs hält sie fest. Für Personalverantwortliche und Geschäftsführer bedeutet das: Ein einfacher Flächenabschluss ohne betriebliche Differenzierung wird schwieriger zu bekommen sein. Wer Öffnungsklauseln nutzen will, braucht dafür eine belastbare Grundlage gegenüber dem Betriebsrat.