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Eine Ifo-Umfrage unter mehr als 3.000 Unternehmen, die bereits Künstliche Intelligenz einsetzen, kommt zu einem klaren Befund: Die meisten Betriebe erwarten durch KI sinkende Löhne. Einen Anstieg prognostizieren deutlich weniger. Besonders betroffen sind Beschäftigte am Beginn ihrer Karriere.

Berufseinsteiger tragen das größte Risiko

Bei Arbeitnehmern mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung und ohne Hochschulabschluss rechnen 48,3 Prozent der befragten Betriebe mit sinkenden Löhnen. Nur 5,9 Prozent erwarten einen Anstieg. Das Verhältnis ist damit mehr als acht zu eins zuungunsten der Beschäftigten.

Wer als Berufseinsteiger einen Hochschulabschluss mitbringt, steht kaum besser da. 50,8 Prozent der Unternehmen erwarten für diese Gruppe sinkende Löhne. Immerhin 16,3 Prozent sagen steigende voraus. Das ist ein günstigeres Verhältnis, aber noch immer klar negativ.

Ifo-Forscherin Anna Ruffert fasst es so zusammen: Deutlich mehr Unternehmen erwarten negative Effekte als positive. Am häufigsten betroffen sind weniger erfahrene Arbeitskräfte.

Erfahrung und Abschluss mildern den Effekt

Für Arbeitnehmer mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung fällt das Bild weniger eindeutig aus, bleibt aber negativ. Ohne Hochschulabschluss erwarten 40,4 Prozent der Unternehmen sinkende Löhne, 9,7 Prozent steigende. Das Verhältnis liegt damit ähnlich wie bei Berufseinsteigern ohne Abschluss.

Die günstigste Prognose erhalten erfahrene Akademiker. Hier rechnen 37,5 Prozent der Betriebe mit sinkenden Löhnen, aber auch 26 Prozent mit steigenden. Damit ist diese Gruppe die einzige, bei der ein nennenswerter Anteil von Unternehmen Lohnwachstum durch KI erwartet.

Dienstleister unter stärkstem Druck, Bau am stabilsten

Im Dienstleistungssektor erwarten 53,3 Prozent der Unternehmen sinkende Löhne für gering erfahrene Beschäftigte ohne Hochschulabschluss. Selbst bei erfahrenen Beschäftigten sind es noch 44,2 Prozent.

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Im Handel prognostizieren 47,9 Prozent sinkende Löhne für Berufseinsteiger, im verarbeitenden Gewerbe sind es 46,5 Prozent. Fast jedes zweite Unternehmen in diesen Branchen rechnet demnach mit Lohndruck bei wenig erfahrenen Mitarbeitern.

Am schwächsten sind die erwarteten Effekte im Baugewerbe. Nur 39 Prozent der Baubetriebe rechnen mit sinkenden Löhnen bei niedrig erfahrenen Beschäftigten, bei höherer Erfahrung sind es 31,3 Prozent. Das dürfte mit dem hohen Anteil körperlicher Tätigkeiten zusammenhängen, die KI bislang kaum ersetzt.

Was das für Personalverantwortliche bedeutet

Die Zahlen sind Erwartungswerte, keine Gewissheiten. Betriebe planen in einem Fünfjahreszeitraum, und KI-Implementierungen verlaufen selten nach Zeitplan. Die Breite der Umfrage mit mehr als 3.000 Teilnehmern zeigt aber, dass dies kein Randphänomen ist.

Für Personalabteilungen ergibt sich eine konkrete Konsequenz: Gehaltsverhandlungen mit Berufseinsteigern dürften schwieriger werden. Wer auf tarifliche oder marktübliche Strukturen setzt, wird merken, dass KI die Markterwartungen für bestimmte Qualifikationsgruppen nach unten verschiebt. Der Fachkräftemangel bleibt davon unberührt. Erfahrene Spezialisten mit Hochschulabschluss können in dieser Lage sogar mit steigenden Löhnen rechnen.

Fazit

Die Ifo-Umfrage zeichnet kein einheitliches Bild. KI wirkt auf Lohnstrukturen unterschiedlich. Berufseinsteiger ohne breite Qualifikationsbasis sind am stärksten gefährdet, erfahrene Akademiker am wenigsten. Für Industriebetriebe und den Mittelstand bedeutet das: Die Planung von Gehaltsstrukturen, Ausbildungsangeboten und Personalentwicklung sollte diese Verschiebung einkalkulieren.