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China dominiert den Markt für humanoide Roboter mit einer Deutlichkeit, die in der deutschen Industrie kaum zu ignorieren ist. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der Volksrepublik mehr als 40.000 humanoide Roboter ausgeliefert. Das entspricht laut Reuters rund 97 Prozent der weltweiten Auslieferungen in diesem Zeitraum. Für Deutschland stellt sich damit eine konkrete strategische Frage: Wo ist die eigene Industrie positioniert, und welche Rolle kann sie noch einnehmen?
Marktvolumen wächst schnell
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) rechnet für 2030 mit einem weltweiten Marktvolumen von rund 30 Milliarden Dollar. Langfristig sind die Prognosen noch weitreichender. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hält ein Marktvolumen von bis zu fünf Billionen Dollar bis 2050 für möglich. Bis dahin könnten weltweit nahezu eine Milliarde humanoide Roboter im Einsatz sein.
Humanoide Roboter sind menschenähnliche Systeme, die zunehmend in realen Produktionsumgebungen eingesetzt werden. Sie greifen, tragen und sortieren Objekte. In ersten Fabriken übernehmen sie bereits konkrete Montageaufgaben. Der Markt wächst global, in Deutschland befindet er sich noch weitgehend in der Pilot- und Testphase.
Deutsche Industrie startet nicht bei null
Die Ausgangslage ist schlechter als in China, aber nicht hoffnungslos. Deutschland hat jahrzehntelang Kompetenz in Mechatronik, Präzisionsfertigung und komplexen Antriebssystemen aufgebaut. Diese Stärken stammen historisch aus dem Automobilbau. Und genau dort zeichnet sich ein Übergang ab.
BMW testet humanoide Roboter bereits in der laufenden Fertigung, konkret in den Werken Leipzig und Spartanburg in den USA. Der Autozulieferer Schaeffler geht einen Schritt weiter. Das Unternehmen will Schlüsselkomponenten für humanoide Roboter nicht nur abnehmen, sondern selbst produzieren.
Schaeffler und NEURA Robotics als Beispiel
Schaeffler arbeitet eng mit dem deutschen Roboterhersteller NEURA Robotics zusammen. Das 2019 gegründete Unternehmen mit Sitz in Metzingen, Baden-Württemberg, entwickelt sogenannte kognitive Roboter. Diese Systeme sollen sehen, hören, fühlen und mithilfe von KI lernen. Schaeffler liefert dafür kompakte Aktoren: integrierte Antriebseinheiten für die Gelenke der Roboter.
Das Flaggschiff von NEURA trägt die Bezeichnung 4NE1. Laut Hersteller hat er feinmotorische Hände und kann bis zu 100 Kilogramm heben. Zielmarkt sind industrielle wie alltägliche Anwendungen.
Autozulieferer als potenzielle Komponentenlieferanten
Für die deutsche Zuliefererindustrie ergibt sich daraus ein mögliches neues Standbein. Die Branche steht durch den Wandel zur Elektromobilität unter erheblichem Druck. Viele Unternehmen suchen nach Anschlussfeldern für ihr vorhandenes Know-how in Antriebstechnik, Sensorik und Präzisionsmechanik.
Genau diese Kompetenz wird in humanoiden Robotern gebraucht. Gelenke, Aktoren, taktile Sensoren und feinmotorische Greifer erfordern Fertigungsgenauigkeit, die der des Automobilbaus strukturell ähnelt. Nicht jeder Zulieferer muss einen kompletten Roboter bauen. Die Komponentenlieferung kann wirtschaftlich ebenso relevant sein.
Das Fraunhofer-IPA zählte im vergangenen Jahr mehr als 60 junge Robotikunternehmen in Deutschland. NEURA Robotics ist das bekannteste, aber nicht das einzige. Die Start-up-Landschaft ist vorhanden, die Verbindung zur etablierten Zuliefererindustrie entwickelt sich.
Wettbewerbsposition realistisch einschätzen
Chinas Vorsprung bei Stückzahlen und Tempo ist real. Die Volksrepublik investiert massiv in die gesamte Wertschöpfungskette, von Software über Mechanik bis zur Massenproduktion. Deutschland wird diesen Vorsprung bei Gesamtsystemen kurzfristig nicht aufholen.
Die realistischere Position für deutsche Unternehmen liegt in der Spezialisierung auf Hochleistungskomponenten. Präzisere Gelenke. Langlebigere Aktoren. Zuverlässigere Sensorik. Das ist die Nische, in der deutsche Mittelständler und Zulieferer historisch stark sind und in der Margen strukturell höher liegen als im Volumensegment.
Fazit
Für Produktions- und Einkaufsverantwortliche in der deutschen Industrie bedeutet diese Entwicklung zweierlei. Erstens: Humanoide Roboter werden in den nächsten Jahren in mehr Fertigungsumgebungen erscheinen. Der Technologieeinsatz ist kein Randthema mehr. Zweitens: Für Zulieferer mit Kompetenz in Antriebstechnik und Präzisionsmechanik entsteht ein konkretes neues Absatzfeld. Ob daraus Wachstum wird, hängt davon ab, wie schnell Unternehmen ihre bestehenden Fähigkeiten auf die Anforderungen humanoider Robotik übertragen.




















