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Das Münchner Unternehmen Agile Robots hat in Fürstenfeldbruck die Serienfertigung humanoider Roboter aufgenommen. Derzeit verlassen täglich zehn Einheiten des Modells „Agile One“ die Produktionshalle. Der operative Geschäftsführer Rory Sexton kündigt an, die Kapazitätsauslastung im kommenden Jahr von 20 auf 100 Prozent zu steigern. Das entspräche bis zu 10.000 Humanoiden pro Jahr.

Vom Forschungsprojekt zur Serienproduktion

Agile Robots wurde 2018 von Zhaopeng Chen und weiteren Robotikforschern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gegründet. Chen hatte zuvor in Deutschland über die künstliche Hand promoviert. Das Unternehmen beschäftigt heute 3.500 Mitarbeiter, davon 2.000 in Forschung und Entwicklung, die Mehrheit in Deutschland.

In mehreren Finanzierungsrunden sammelte das Unternehmen bislang 1,5 Milliarden Euro ein. Den Umsatz will Chen in diesem Jahr von 300 auf 600 Millionen Euro verdoppeln. Humanoide machen daran noch einen kleinen Anteil aus, der nach Unternehmensangaben stark wächst.

Die Produktion in Fürstenfeldbruck liegt näher an der Manufaktur als an der vollautomatisierten Fabrik: Industrieroboter übernehmen die Fertigung von Armen und Gelenken, Mitarbeiter montieren die Elektronik in Handarbeit.

Marktpotenzial mit großer Unsicherheit

Der globale Markt für Humanoide wird derzeit auf rund 100 Millionen US-Dollar geschätzt. Unternehmensberater prognostizieren bis 2030 ein Volumen von 8 bis 28 Milliarden Dollar, bis 2040 könnten es 160 bis 370 Milliarden Dollar sein. Diese Prognosen sind mit erheblicher Unsicherheit behaftet.

Tamim Asfour, Professor für humanoide Robotik am Karlsruher Institut für Technologie, äußert sich skeptisch. Bislang hätten nur wenige Humanoide gezeigt, dass sie im Arbeitsalltag wirklich sinnvoll eingesetzt werden könnten. Die Forschung an menschenähnlichen Robotern läuft seit Jahrzehnten. Den Unterschied heute sieht Chen in der Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle, die den Maschinen Handlungsintelligenz verleihen.

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Stärke gegenüber klassischen Industrierobotern

Klassische Industrieroboter sind auf genau definierte, wiederkehrende Abläufe ausgelegt. Sobald Aufgaben variieren, stoßen sie an Grenzen. Humanoide sollen dort eingesetzt werden, wo Flexibilität gefragt ist: bei Montageschritten mit wechselnden Teilen, Logistikaufgaben oder Tätigkeiten in beengten Räumen.

Für produzierende Betriebe ist das relevant, weil Fachkräfte in vielen Segmenten fehlen und manuelle Tätigkeiten kaum automatisierbar sind. Humanoide könnten hier eine Lücke schließen, die klassische Automatisierungstechnik offenlässt.

Europäisches Gegengewicht zu asiatischen Anbietern

Agile Robots positioniert sich ausdrücklich als europäische Alternative zu chinesischen und amerikanischen Anbietern. Firmen wie Unitree aus China oder Figure AI aus den USA drängen ebenfalls auf den Markt. Der Wettbewerb um Kunden in der Industrie läuft bereits.

Für deutsche Fertigungsunternehmen bedeutet das eine konkrete Entscheidungssituation: Wer in den nächsten Jahren Pilotprojekte mit Humanoiden plant, wird Anbieter vergleichen müssen. Neben dem Preis dürften Lieferfähigkeit, Software-Ökosystem und Servicenähe eine Rolle spielen.

Fazit

Agile Robots hat den Schritt von der Forschung zur Serienproduktion vollzogen. Die Kapazitäten sind noch gering, das Wachstumsziel ist ambitioniert. Ob Humanoide in der Breite industriell einsetzbar werden, bleibt offen. Pilotprojekte in kontrollierten Umgebungen werden zeigen, ob die Technologie hält, was ihre Entwickler ankündigen.