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Humanoide Roboter dominieren Messen und Videokanäle. In der Serienproduktion sind sie kaum präsent. Laut Zahlen des Internationalen Robotikverbands IFR wurden 2025 weltweit rund 7.000 humanoide Einheiten verkauft. Die Gesamtzahl installierter Industrieroboter liegt bei etwa fünf Millionen. Die Lücke zwischen Medienpräsenz und Shopfloor-Realität ist erheblich.

Marktprognosen und ihr Abstand zur Gegenwart

Die Bank of America prognostiziert für 2026 rund 90.000 ausgelieferte Humanoide. Bis 2030 sollen es 1,2 Millionen werden. Ob diese Zahlen eintreten, ist offen. Boston Dynamics, das zu Hyundai gehört, hat seinen Atlas-Humanoiden noch nicht im großen Maßstab im Einsatz. Ein hochrangiger Hyundai-Manager bestätigte, das Unternehmen schreibe mit dem Projekt weiterhin Verluste. Ein Börsengang von Boston Dynamics ist vorerst nicht geplant.

Für Produktions- und Einkaufsverantwortliche sind diese Signale relevant. Investitionen in humanoide Systeme tragen heute noch erhebliche Reiferisiken. Die Technologie befindet sich in einer frühen Phase, in der Pilotprojekte den Alltag bestimmen, nicht der Skalenbetrieb.

Was Humanoide heute leisten können und wo sie scheitern

Stärken im Pilotbetrieb

Aktuelle Plattformen können laufen, balancieren, Objekte erkennen und greifen. Inspektionsaufgaben und einfache Unterstützungstätigkeiten lassen sich damit abbilden. Der Vorteil gegenüber klassischen Industrierobotern liegt in der Flexibilität: Humanoide sind für Umgebungen konzipiert, die für den Menschen gebaut wurden. Umbaukosten an der Anlage entfallen theoretisch.

Schwächen im Dauerbetrieb

In der Praxis zeigen sich Grenzen schnell. Taktzeiten erreichen nicht das Niveau konventioneller Automationslösungen. Sicherheitskonzepte für den Einsatz neben Menschen sind noch nicht standardisiert. Auf dem Humanoid Safety Summit formulierte Mitveranstalter Jens Müller es direkt: Die Branche brauche keine weiteren Demonstrationen, sondern belastbare Safety-Konzepte und technologische Tiefe.

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Igus: Früher Markteinstieg mit eigenem Ansatz

Der Kölner Kunststoffspezialist Igus hat sich für einen frühen Einstieg in diesen Markt entschieden und verfolgt dabei zwei Wege parallel. Erstens liefert Igus Komponenten: schmierfreie Gelenklager und Energieketten, die in humanoide Systeme anderer Hersteller eingebaut werden können. Zweitens vertreibt Igus über seinen Marktplatz RBTX.com einen eigenen Humanoiden namens Iggy Rob.

Iggy Rob ist als mobiler Produktionshelfer konzipiert. Das System soll von Station zu Station fahren und dort definierte Aufgaben übernehmen. Der Ansatz zielt auf einen niedrigen Einstiegspreis. Über RBTX.com sind derzeit mehr als 100 humanoide Roboter von 35 Partnerunternehmen gelistet. Für Einkaufsabteilungen, die sich einen Marktüberblick verschaffen wollen, ist das eine strukturierte Einstiegsmöglichkeit.

Was das für Produktions- und Einkaufsverantwortliche bedeutet

Der Markt für humanoide Roboter wächst, ist aber nicht reif für den breiten Serieneinsatz. Wer heute evaluiert, sollte den Fokus auf klar abgegrenzte Pilotanwendungen legen: Inspektion, einfache Handhabung, Laufwege in bestehenden Layouts. Komplexe Montageschritte oder taktzeitkritische Prozesse sind kein geeignetes Einstiegsfeld.

Für den Einkauf gilt: Die Anbieterlandschaft ist fragmentiert. Viele Hersteller befinden sich noch in der Finanzierungsphase und schreiben Verluste. Lieferfähigkeit, Servicenetzwerk und Langlebigkeit der Plattform verdienen mehr Aufmerksamkeit als Demonstrationsvideos.

Fazit

Humanoide Roboter sind kein Trend, der sich auflöst. Aber der Abstand zwischen Ankündigung und verlässlichem Serieneinsatz ist groß. Unternehmen wie Igus, die früh in Komponenten und Plattformen investieren, positionieren sich für eine spätere Skalierung. Für die breite Industrie gilt derzeit: Pilotieren ja, aber mit klar definierten Anforderungen und nüchterner Erwartungshaltung an Leistung und Verfügbarkeit.