Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Der Markt für humanoide Roboter ist klein, laut und teuer. Der Branchenverband International Federation of Robotics (IFR) hat Humanoide erstmals als eigene Kategorie erfasst. Das Ergebnis: 2025 wurden weltweit rund 7.000 Systeme für Industrie und professionelle Dienstleistungen verkauft. Ein Großteil davon ging an Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen, die Trainingsdaten für KI-Modelle sammeln. In der Produktion stehen bislang nur vereinzelte Exemplare. Autohersteller testen derzeit einstellige bis zweistellige Stückzahlen.

Lemgo als Prüfstand für den Ernstfall

Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB-INA) hat am 23. September 2026 in Lemgo ein neues Humanoid Robots Experience Lab (HREL) eröffnet. Es ist an die Forschungs- und Demonstrationsfabrik Smart Factory OWL angegliedert, die das Institut gemeinsam mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe betreibt. Weitere HREL-Standorte gibt es bereits in Karlsruhe und Ilmenau.

Das Lab soll Unternehmen konkrete Antworten auf offene Fragen liefern: Wie sicher ist die Mensch-Roboter-Interaktion? Wie lässt sich ein humanoider Roboter in bestehende IT- und Produktionsstrukturen einbinden? Wo liegen die tatsächlichen Grenzen dieser Systeme? Instituts-Direktor Jürgen Jasperneite formuliert den Anspruch klar: Es gehe um belastungsfähige Aussagen zu technologischen Möglichkeiten, Grenzen und Sicherheitsfragen, nicht um Zukunftsvisionen.

Sicherheit und Integration als Kernprobleme

Humanoide Roboter sind überwiegend aus Metall und Kunststoff gefertigt. Kollisionen mit Menschen können Verletzungen verursachen. Das HREL befasst sich deshalb mit sicherer Mensch-Roboter-Interaktion sowie mit Lokalisierung und Geo-Fencing. Letzteres bezeichnet die räumliche Begrenzung des Aktionsradius eines Roboters. Der Roboter muss jederzeit wissen, wo er sich befindet und welche Bereiche er nicht betreten darf.

Ein weiteres Thema ist das sogenannte Imitationslernen. Dabei beobachtet der Roboter menschliche Arbeitsabläufe und führt sie anschließend selbstständig aus. Bei der Eröffnung des Lemgoer Standorts demonstrierte ein Mitarbeiter dieses Prinzip per VR-Brille und Controller: Er führte Arm- und Handbewegungen im Raum aus, ein Roboter im Fraunhofer-Institut Karlsruhe spiegelte die Bewegungen live und hob eine Kiste von einem Tisch.

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Integration in bestehende Systeme entscheidet

Für Produktionsverantwortliche ist die IT-Anbindung oft die kritischere Frage. Ein humanoider Roboter muss Produktionsaufträge empfangen, Maschinenzustände berücksichtigen und Sicherheitsregeln einhalten können. Ohne diese Integration bleibt er ein isoliertes System ohne betrieblichen Nutzen. Genau diese Fragen sollen im HREL praxisnah untersucht werden.

Technologischer Fortschritt, aber kein Durchbruch in der Breite

Klaus Neumann, Professor am Fraunhofer IOSB-INA, verglich bei der Eröffnung den Honda-Roboter Asimo aus den 2000er-Jahren mit dem heutigen Unitree G1 EDU. Beide messen rund 1,30 Meter. Die Unterschiede liegen in Batterietechnik, Sensorik, Motorik und vor allem in der Rechenleistung. Leistungsfähige Grafikprozessoren (GPUs) machen moderne Humanoide zu mobilen Rechnersystemen. Sie ermöglichen datengetriebene Trainingsverfahren, bei denen Roboter Aufgaben in simulierten Umgebungen erlernen.

China dominiert die Produktion: Im ersten Halbjahr 2025 stammten 97 Prozent aller weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter aus chinesischer Fertigung. Der größte Kostentreiber liegt laut einer Fraunhofer-Studie in der Aktorik, also in den Antriebskomponenten für Gelenke und Gliedmaßen. Die Studie sieht dort einen potenziellen Milliardenmarkt für deutsche Zulieferer.

Fazit

7.000 Einheiten sind kein Massenmarkt. Der IFR-Bericht zeigt, dass humanoide Roboter 2025 vor allem in Labors und Forschungsumgebungen standen, nicht in der Serienproduktion. Das Fraunhofer-Lab in Lemgo gibt Industrieunternehmen eine strukturierte Möglichkeit, diese Technologie ohne eigenes Entwicklungsrisiko zu erproben. Wer heute in die Bewertung einsteigt, gewinnt Zeit für eine fundierte Entscheidung, wenn die Systeme serienreif werden. Wann das der Fall sein wird, bleibt offen.