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Am 30. August 2026 startet das NASA-Observatorium Nancy Grace Roman mit einer Falcon-Heavy-Rakete von SpaceX vom Kennedy Space Center in Florida. Frühester Starttermin ist 13:26 Uhr MESZ vom Launch Complex 39A. An Bord steckt Präzisionstechnik aus Heidelberg, die für das zentrale Beobachtungsinstrument gebaut wurde.
Sechs Mechanismen, acht Stunden, 40 Millibogensekunden
Das Coronagraph Instrument (CGI) des Teleskops enthält sechs sogenannte Präzisionsausrichtungsmechanismen, kurz PAMs. Sie positionieren und stabilisieren optische Elemente während der Beobachtungen. Die Anforderung: maximale Verkippung von 40 Millibogensekunden über acht Stunden. Das entspricht einer Winkelabweichung, die das menschliche Auge nicht wahrnehmen könnte. Alle sechs Flugmodelle stammen aus Heidelberg.
Das CGI ist keine reguläres Beobachtungsinstrument, sondern eine Technologiedemonstration. Ziel ist es zu erproben, wie sich Exoplaneten direkt neben ihren Sternen abbilden lassen. Koronografen blenden das Licht eines Sterns mit speziellen Masken aus. Hubble und das James-Webb-Teleskop besitzen solche Instrumente bereits. Bei Roman kommt erstmals im Weltraum ein aktiver Koronograf zum Einsatz, der verbleibende Störungen durch Lichtstreuung in Echtzeit ausgleicht.
Das Problem: Sterne überstrahlen Planeten um Millionen
Extrasolare Planeten sind aus großer Entfernung kaum zu beobachten. Sie sind wesentlich dunkler als ihr jeweiliger Zentralstern; der Helligkeitsunterschied kann mehrere Millionen betragen. Direkte Aufnahmen von Exoplaneten sind deshalb bisher auf wenige Ausnahmen beschränkt, meist junge Gasriesen weit von ihrem Stern entfernt.
Das CGI soll zeigen, ob aktive Koronografentechnik im Weltraum zuverlässig funktioniert. Gelingt der Nachweis, wäre das eine Voraussetzung für künftige Teleskope, die gezielt nach erdähnlichen Planeten in bewohnbaren Zonen suchen. Forscher an der FH Wiener Neustadt arbeiten seit Ende 2025 an neuartigen Detektoren, die solche Beobachtungen weiter verbessern sollen.
Roman vermisst Milliarden Galaxien und sucht Tausende Planeten
Das Hauptinstrument des Teleskops ist das Wide Field Instrument (WFI), eine 288-Megapixel-Nahinfrarotkamera. Es erfasst mit einer Aufnahme einen mindestens hundertmal größeren Himmelsausschnitt als Hubble. Roman soll über die gesamte Mission mehr als eine Milliarde Galaxien beobachten.
Ein Schwerpunkt liegt auf kosmologischen Fragen: Wie verteilt sich Materie im Universum, und warum beschleunigt sich die kosmische Expansion? Dunkle Materie und Dunkle Energie stehen dabei im Mittelpunkt. Romans Messungen ergänzen das ESA-Teleskop Euclid, das seit 2023 ähnliche Untersuchungen durchführt.
Roman ist zugleich eine große Exoplanetenmission. Das WFI soll rund 100 Millionen Sterne in Richtung des galaktischen Zentrums beobachten. Dabei nutzt es Gravitations-Mikrolinsenereignisse: Zieht ein Vordergrundstern vor einem weiter entfernten Stern vorbei, verstärkt seine Gravitation dessen Licht. Umkreist den Vordergrundstern ein Planet, hinterlässt dieser eine charakteristische Signatur im Lichtverlauf. Die NASA rechnet mit rund 2.500 auf diese Weise entdeckten Exoplaneten.
Hauptspiegel wie Hubble, Gesichtsfeld hundertmal größer
Roman hat einen Hauptspiegel mit 2,4 Metern Durchmesser, identisch zu Hubble. Die geplante Betriebsdauer beträgt mindestens fünf Jahre. Der Teleskopname ehrt Nancy Grace Roman, die erste Chefastronomin der NASA, die an der Entwicklung des Hubble-Teleskops beteiligt war.
Fazit
Für Präzisionstechnikhersteller ist Roman ein Referenzprojekt. Komponenten aus Heidelberg müssen Toleranzanforderungen erfüllen, die im industriellen Alltag kaum Parallelen haben. Funktioniert der aktive Koronograf im Weltraum, steigt die Nachfrage nach vergleichbarer Technik für Folgeprogramme. Der nächste Schritt wäre ein Großteleskop, das erdähnliche Planeten direkt abbilden kann. Roman soll dafür die technische Grundlage liefern.




















