Letztes Jahr im Juni, kurz nach fünf am Nachmittag. Ich war gerade vom Einkaufen zurück, Auto in der Einfahrt, dachte noch: Na ja, kann ich später reinfahren. Zehn Minuten später prasselte es los, Eiskörner so groß wie Murmeln. Der Kleinwagen vom Nachbarn stand auf der Straße. Am nächsten Tag zählte er 130 Dellen.

Solche Nachmittage häufen sich. Was früher ein Mal im Sommer passiert ist, passiert jetzt drei oder vier Mal. Wer in der Pfalz oder in Rheinhessen lebt, wo zwischen Juni und August regelmäßig Gewitterzellen über den Haardtrand ziehen, kennt das Muster. Schwüle Luft am Vormittag, harmlose Wölkchen mittags, und ab fünf wird es ernst.

Man kann nichts dagegen machen, dass das Wetter kommt. Aber man kann sich vorbereiten. Und das fängt früher an, als die meisten denken.

Die Warn-App ist Pflicht

WarnWetter vom DWD, NINA nebenbei, Push aktiviert. Fertig.

Wer meint, man merkt ein Gewitter auch ohne App, hat noch nie in einem Großraumbüro im vierten Stock gearbeitet. Da sieht man vom Himmel wenig. Und auf dem Heimweg ist es dann zu spät.

Wo das Auto tagsüber steht

Garage, Carport, Tiefgarage, Parkhaus. In der Reihenfolge. Wer keine eigene Garage hat, aber jeden Tag bei der Arbeit auf einem offenen Parkplatz steht, kann bei angekündigten Unwettern morgens überlegen, ob ein Parkhaus in der Nähe ist. Drei Euro für drei Stunden in der Innenstadt sind geschenkt, wenn die Alternative ein zerdellter Lack ist.

Unter Bäumen parken ist übrigens keine gute Idee. Viele glauben, der Baum schützt vor Hagel. Das stimmt vielleicht bei leichtem Hagel, aber bei schweren Gewittern brechen Äste. Und der Blitz sucht sich bevorzugt den höchsten Punkt in der Gegend, und das ist dann eben der Baum, unter dem man gerade parkt.

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Was auch viele nicht bedenken: Balkone. Blumentöpfe, Sonnenschirme, Wäscheständer. Wenn der Sturm kommt, fliegt das alles runter. Wer direkt unter einem Mietshaus parkt, sollte kurz hochschauen.

Hagel ist der teuerste Unfall, den man nicht baut

Ein guter Hagelschaden am Auto kostet 3.000 bis 8.000 Euro. Bei größeren Autos und schwereren Körnern geht es auch in den fünfstelligen Bereich. Und das Tückische ist: Man sieht es oft nicht sofort. Viele Dellen werden erst bei bestimmten Lichtverhältnissen sichtbar, abends wenn die Sonne flach steht oder unter der Beleuchtung in der Werkstatt.

Hagelschutzdecken sind eine Option. Die günstigen taugen wenig, die guten kosten zwischen 250 und 500 Euro. Das klingt viel, ist aber weniger als die Selbstbeteiligung bei vielen Kaskoversicherungen. Wichtig ist, die Decke muss vorher drauf sein. Wer rausrennt, wenn die Eiskugeln schon fallen, hat verloren. Und zwar zweimal, weil er selbst auch nass und zerbeult wird.

Notlösung, wenn nichts anderes da ist: dicke Decken aus dem Keller. Umzugsdecken, alte Teppiche, im Zweifel auch Kartons und ein bisschen Klebeband. Sieht bescheuert aus, funktioniert aber. Ein Kollege von mir hat sein Auto mal mit drei Yogamatten und einer Picknickdecke abgedeckt und kam mit fünf Dellen davon. Das Nachbarauto hatte achtzig.

Starkregen

Wasser auf der Fahrbahn unterschätzt man ständig. Eine Senke, eine Unterführung, eine verstopfte Gulli-Kante, und zack steht da eine halbmetertiefe Wanne. Durchfahren ist die schlechteste Idee des Tages.

Die einzige Regel, die man sich merken muss: Wenn man die Bordsteinkante nicht mehr sieht, dreht man um. Punkt. Das Auto kostet mehr als der Umweg.

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Wer schon mittendrin ist und rausmuss: langsam, gleichmäßig, nicht bremsen, nicht beschleunigen. Das Wasser darf nicht bis zur Lufteinsaugung kommen, sonst ist der Motor hin. Danach ein paar hundert Meter sanft bremsen, damit die Bremsscheiben wieder trocken werden.

Sturm

Äste, klar. Aber das größere Problem sind Gartenmöbel. Trampoline. Mülltonnen. Alles, was nicht verschraubt ist, wird zum Geschoss.

Was man macht, wenn es doch passiert ist

Erst mal durchatmen. Nichts anrufen, nichts anfassen, kein Stress. Handy raus und fotografieren. Aus mehreren Winkeln, bei Tageslicht wenn möglich, und zwar alles. Dach, Motorhaube, Kotflügel, Heck, Scheiben, Seiten, Spiegel. Lieber zu viele Fotos als zu wenige. Eine Münze mit aufs Bild, damit man die Größe der Dellen später einordnen kann.

Dann Uhrzeit notieren. Wetterlage. Der DWD stellt rückwirkend Wetterdaten zur Verfügung, das hilft bei der Abwicklung später.

Nicht sofort losfahren, wenn Hagel die Windschutzscheibe getroffen hat. Auch wenn sie nicht zerbrochen ist, kann sie feine Risse haben, die sich beim nächsten Schlagloch oder einer Bremsung ausdehnen. Wer bei Überschwemmung Wasser im Ansaugtrakt vermutet, startet auf keinen Fall den Motor, sondern ruft einen Abschleppdienst.

Bei kleinen Schäden reicht meist die Versicherung. Ein paar Dellen, Windschutzscheibe, Kasko regelt. Läuft meistens unkompliziert.

Bei größeren Schäden wird es komplizierter

Die Versicherung schickt dann oft einen eigenen Gutachter. Der arbeitet zügig, aber eben im Interesse der Versicherung. Das ist nicht per se unfair, aber man sollte wissen, dass dessen Zahlen selten die höchstmöglichen sind.

Wer einen Schaden von über ein paar tausend Euro hat, kann auch einen freien Kfz-Sachverständigen einschalten. Also einen, der nicht im Auftrag der Versicherung kommt, sondern im eigenen. Das Sachverständigenbüro Mohr in Hanhofen bei Speyer macht so etwas regelmäßig, auch für Unwetterschäden. Die erfassen Reparaturkosten, Wertminderung und alles, was sonst noch dazugehört. So hat man einen vernünftigen Verhandlungsstand, falls die Zahlen der Versicherung zu niedrig ausfallen.

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Ob sich das lohnt, hängt vom Schaden ab. Bei kleinen Sachen überflüssig. Bei großen oft die einzige Möglichkeit, nicht auf Kosten sitzen zu bleiben.

Und dann?

Hagelsaison ist Mai bis August, mit Höhepunkt im Juli. Sturm eher Herbst und Winter. Starkregen kann das ganze Jahr passieren, wird aber im Sommer heftiger, weil warme Luft mehr Wasser hält.

Wer die App installiert hat, sein Auto bei Vorwarnung unterstellt, und im Ernstfall nicht durchdreht, kommt durch. Die meisten Unwetterschäden, die ich in den letzten Jahren mitbekommen habe, waren durch zehn Minuten Vorausdenken vermeidbar.

Letztes Jahr im Juni war ich übrigens zu langsam mit der Einfahrt. Das Auto stand dann doch noch draußen. Dreißig Dellen auf dem Dach. Die Versicherung hat bezahlt, aber die Werkstatt war eine Woche weg. Seitdem reagiere ich sofort, wenn das Handy piept.