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Das Dresdner Ingenieurbüro Gicon errichtet derzeit in Brandenburg eine Windkraftanlage mit 300 Metern Nabenhöhe. Das Bauwerk würde damit die bislang höchsten Onshore-Windräder deutlich übertreffen. Der erste Strom soll laut Unternehmensangaben im November 2026 fließen.
Warum 300 Meter Nabenhöhe?
Die Nabenhöhe bezeichnet den Abstand vom Boden bis zur Rotornabe, also dem Mittelpunkt des Rotors. Je höher die Nabe, desto gleichmäßiger und stärker ist der Wind. In Norddeutschland und Brandenburg weht der Wind in großer Höhe deutlich beständiger als in Bodennähe, was sich direkt auf den Energieertrag auswirkt.
Herkömmliche Onshore-Anlagen erreichen heute typischerweise Nabenhöhen zwischen 130 und 160 Metern. Mit 300 Metern arbeitet Gicon in einer anderen Dimension. Das Unternehmen folgt dabei einem klaren technischen Kalkül: Höhere Windgeschwindigkeiten bedeuten mehr Ertrag pro installierter Megawattstunde Nennleistung und damit geringere Stromgestehungskosten.
Konstruktiver Ansatz
Turmbauweise als Schlüsselfrage
Stahltürme stoßen bei großen Höhen an wirtschaftliche Grenzen. Wandstärke und Gewicht steigen überproportional. Gicon verfolgt nach eigenen Angaben einen alternativen Turmansatz, der diese Einschränkungen umgehen soll. Details zur genauen Konstruktion hat das Unternehmen bislang nicht vollständig veröffentlicht.
Für Betreiber und Investoren ist die Turmkonstruktion ein zentraler Kostenfaktor. Transport, Montage und Fundament hängen direkt von Gewicht und Geometrie des Turms ab. Eine neue Bauweise kann erhebliche Logistikkosten sparen, birgt aber auch Risiken bei Zertifizierung und Betrieb.
Standort Brandenburg
Brandenburg gilt als eines der windstärksten Flächenländer Deutschlands. Das Land hat vergleichsweise zügige Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen etabliert. Beides macht es für Pilotprojekte dieser Art attraktiv. Konkrete Angaben zum genauen Standort innerhalb Brandenburgs hat Gicon öffentlich nicht gemacht.
Bedeutung für die Energiewirtschaft
Deutschland hat das Ziel, bis 2030 mindestens 80 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Der Zubau an Windkraft an Land soll dafür massiv beschleunigt werden. Ein wesentliches Hindernis ist der verfügbare Raum: Flächen für Windräder sind begrenzt, Abstände zu Siedlungen gesetzlich geregelt.
Höhere Türme können helfen, dieses Problem zu mildern. Eine Anlage mit 300 Metern Nabenhöhe erzeugt deutlich mehr Strom pro Standort als eine Anlage mit 140 Metern, was die Flächeneffizienz verbessert. Weniger Standorte wären nötig, um die gleiche installierte Kapazität zu erreichen.
Für Energieversorger und Projektentwickler bedeutet das: Wenn die Technik zuverlässig und wirtschaftlich funktioniert, könnten sich Genehmigungsverfahren an schwierigeren Standorten lohnen, die bislang nicht rentabel zu erschließen waren.
Risiken und offene Fragen
Pilotanlagen dieser Größenordnung tragen Entwicklungsrisiken. Zertifizierung, Betriebserfahrung und Langzeitstabilität müssen erst nachgewiesen werden. Versicherbarkeit und Wartungsaufwand bei 300 Metern Höhe sind ebenfalls Faktoren, die Betreiber vor Investitionsentscheidungen genau prüfen werden.
Gicon ist ein mittelständisches Ingenieurbüro mit Sitz in Dresden, das sich auf Energie- und Umwelttechnik spezialisiert hat. Das Unternehmen hat bereits frühere Turmentwicklungen vorangetrieben. Wie groß die Serienreife und die Produktionskapazität nach einem erfolgreichen Pilotbetrieb wären, ist offen.
Fazit
Geht die Anlage planmäßig in Betrieb, wäre das ein technischer Einschnitt im deutschen Windkraftbau. Erst die Betriebsdaten werden zeigen, ob das Konzept auf den Markt skaliert werden kann.




















