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Beim Düsseldorfer Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer ist der Chefsessel wieder frei. Interimschef Uwe Röhrhoff hat sein Mandat auf eigenen Wunsch vorzeitig niedergelegt. Er hatte die Position erst im November 2025 übernommen. Einen dauerhaften Nachfolger hat der Aufsichtsrat bislang nicht benannt. Die Führungsaufgaben übernehmen bis auf Weiteres CFO Wolf Lehmann und Vorstandsmitglied Achim Schalk.

Dritte Führungslücke in kurzer Folge

Röhrhoff war kein Unbekannter. Er hatte Gerresheimer bereits von 2010 bis 2017 geleitet. Der Aufsichtsrat hatte ihn im Herbst 2025 zurückgeholt, nachdem CEO Dietmar Siemssen und CFO Bernd Metzner ihre Posten räumen mussten. Auslöser war eine Serie von Krisen: drei Gewinnwarnungen innerhalb eines Geschäftsjahres, eine milliardenschwere Akquisition auf Schulden und eine Bilanzprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Die Gerresheimer-Aktie hatte noch Mitte September 2024 bei über 100 Euro notiert. Die anschließenden Nachrichten ließen das Vertrauen der Investoren einbrechen.

Wie Gerresheimer in die Krise geriet

Der Konzern hatte stark in Produktionskapazitäten für Injektionspens und Spritzen investiert. Hintergrund war der erwartete Boom bei GLP-1-Präparaten wie Wegovy und Ozempic. Der Markt wuchs jedoch langsamer als kalkuliert. Parallel dazu schluckte Gerresheimer Ende 2024 den italienischen Wettbewerber Bormioli Pharma für rund 800 Millionen Euro. Der Verschuldungsgrad stieg in der Folge auf das 4,15-fache des Ebitda, also des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Zusätzlich belastete ein Bilanzfehler das Unternehmen. Gerresheimer musste einräumen, sogenannte Bill-and-Hold-Umsätze von rund 28 Millionen Euro falsch verbucht zu haben. Bill-and-Hold bezeichnet Umsätze, die verbucht werden, obwohl die Ware noch nicht beim Kunden angekommen ist. Die betroffenen Abschlüsse wurden nachträglich korrigiert.

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Verkauf der US-Tochter als Stabilisierungsschritt

Als wesentlichen Fortschritt wertet der Aufsichtsrat den Ende Juli 2026 unterzeichneten Vertrag zum Verkauf der US-Tochter Centor sowie des globalen Primary-Packaging-Plastics-Geschäfts. Aufsichtsratschef Axel Herberg sieht darin einen Beitrag zur Entschuldung. Der Verschuldungsgrad soll durch den Deal erheblich sinken. Ob das ausreicht, um die Finanzierungsstruktur dauerhaft zu stabilisieren, hängt vom Transaktionsverlauf ab.

DSW plant Gegenanträge und Sonderprüfung

Unruhig wird es für Gerresheimer auch auf der Hauptversammlung am 1. September 2026. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz plant drei Gegenanträge. Die Vereinigung, kurz DSW, vertritt die Interessen privater Aktionäre. Sie fordert, die ehemaligen Vorstandsmitglieder Siemssen, Metzner und Burkhardt nicht zu entlasten. Die DSW spricht in ihrem Gegenantrag von einem „Scherbenhaufen“ für die Aktionäre. Die Entlastung sei ein Vertrauensvotum gegenüber der Amtsführung des Vorstands. Dieses sei angesichts der Vorgänge nicht zu rechtfertigen.

Die DSW will außerdem eine Sonderprüfung durchsetzen. Die Vereinigung sieht die Aufarbeitung der Krise als unvollständig. Auf der Hauptversammlung droht damit ein öffentlicher Konflikt mit einem Teil der Aktionärsbasis, während gleichzeitig die Frage der dauerhaften Führung offen bleibt.

Ausblick

Die Führungsvakanz ist ungeklärt, der Druck der Aktionärsschützer wächst. Für Unternehmen, die mit Gerresheimer als Lieferant oder Partner zusammenarbeiten, bleibt die strategische Kontinuität ungewiss. Die Hauptversammlung und die Nachfolgesuche werden zeigen, wie das Unternehmen mit beiden Baustellen umgeht.