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Deutschlands Gasspeicher sind schlecht in die Heizsaison gestartet. Am 6. September 2026 lag der Füllstand bei rund 54 Prozent. Das sind etwa 19 Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Initiative Energien Speichern (Ines), der Verband der Gasspeicher-Betreiber, rechnet nun verschiedene Szenarien für den Winter durch. Das Ergebnis: Bei einem sehr kalten Winter sind die Speicher Anfang Februar leer.

Was die Modellrechnungen zeigen

Ausgangspunkt der Ines-Berechnungen ist ein Füllstand von 77 Prozent zum 1. November 2026. Dieser Wert ist zugleich das technische Maximum, das bis dahin noch erreichbar ist. Um ihn zu erreichen, müsste das Befüllungstempo gegenüber den vergangenen Wochen deutlich steigen.

Bei einem warmen oder normal kalten Winter reichen die Speicher den Modellrechnungen zufolge aus. Wird der Winter jedoch so kalt wie 2010, reichen die Bestände nicht bis zum Ende der Heizsaison. Leer wären die Speicher dann Anfang Februar 2027.

Für Industrieunternehmen mit gasintensiven Prozessen ist das ein relevantes Szenario. Wer Erdgas für Öfen, Trockner, Dampferzeugung oder Prozesswärme benötigt, muss die Versorgungssicherheit im ersten Quartal 2027 einkalkulieren.

Warum die Speicher so schwach gefüllt sind

Das Befüllungsdefizit hat einen wirtschaftlichen Grund. Gasfirmen haben zwar Speicherkapazitäten im Umfang von 83 Prozent gebucht, nutzen aber einen Teil davon nicht. Das klassische Speichergeschäftsmodell funktioniert nicht mehr: Gas im Sommer günstig kaufen, im Winter teuer verkaufen. Diese Preisarbitrage lohnt sich nicht, weil die Gaspreise auch im Sommer hoch geblieben sind.

Als Ursache nennt Ines unter anderem den Irankrieg und weitere geopolitische Verwerfungen, die die globalen Gasmärkte belasten.

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Alternative Bezugsquellen begrenzen das Risiko

Gasspeicher sind nicht die einzige Versorgungsquelle. Deutschland importiert Gas über Pipelines, unter anderem aus Norwegen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wurden Flüssigerdgas-Terminals (LNG) an der deutschen Küste errichtet. Über diese Terminals lässt sich kurzfristig zusätzliches Gas vom Weltmarkt beschaffen.

Die Bundesnetzagentur betont, dass auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar sei. Auch die Importkapazitäten reichten aus. Die Behörde erklärt die Versorgungssicherheit für aktuell gewährleistet. Relevant sei das Zusammenwirken von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen und Nachfragesteuerung.

Allerdings hat zusätzliches LNG vom Weltmarkt seinen Preis. Kurzfristige Spotmarkt-Beschaffung in einem angespannten Winter würde die Gaspreise weiter treiben.

Branche fordert politische Anreize

Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann macht deutlich, dass die Speicherbefüllung wirtschaftlich tragfähig sein muss, damit Marktakteure sie tatsächlich realisieren. Der Verband fordert von der Politik konkrete Erleichterungen und Anreize.

Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass die Befüllung der Speicher grundsätzlich Aufgabe der Gashändler ist. Diese hätten Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Versorgern und der Industrie und müssten sich ausreichend absichern.

Fazit

Das Szenario leerer Speicher im Februar ist keine abstrakte Modellvariante, sondern eine konkrete Branchenwarnung auf Basis aktueller Füllstände. Für Industrieunternehmen mit hohem Gasbedarf bedeutet das: Versorgungsverträge, Absicherungsstrategien und gegebenenfalls Alternativen für den Zeitraum Januar bis März 2027 sollten jetzt geprüft werden. Zusätzliche LNG-Beschaffung ist möglich, aber teuer. Wer frühzeitig plant, vermeidet Engpässe und Preisschocks.