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Zum Beginn der Heizsaison am 1. Oktober 2026 sind die deutschen Erdgasspeicher zu 58,3 Prozent gefüllt. Der gesetzlich angestrebte gewichtete Gesamtfüllstand liegt bei rund 70 Prozent. Die Lücke beträgt damit gut zehn Prozentpunkte. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), hat die Lage am 30. September auf dem jährlichen DVGW-Kongress in Bonn eingeordnet.
Was der Füllstand konkret bedeutet
Das Energiewirtschaftsgesetz schreibt für Porenspeicher einen Füllstand von 80 Prozent zum 1. Oktober vor. Für Kavernenspeicher, wie jenen im ostfriesischen Etzel, gilt ein Mindestwert von 45 Prozent. Diese Speichertypen unterscheiden sich in ihrer Befüllungsflexibilität erheblich. Kavernen lassen sich deutlich schneller be- und entladen als Porenspeicher.
Linke gibt Entwarnung für den Grundbedarf: Bei einem normalen Winter mit einzelnen kalten Tagen reiche der aktuelle Stand bilanziell aus. Allerdings mit einer Folge: Die Speicher wären im Frühjahr 2027 leer. Das gesetzliche Ziel sieht vor, dass die Speicher im Februar 2027 noch zu mindestens 31 Prozent gefüllt sein sollen. Diesen Wert werde Deutschland unterschreiten, wenn die Importmengen nicht steigen, so Linke.
Systemfrage, keine Füllstandsfrage
Linke weist auf einen Zusammenhang hin, der für Industriebetriebe relevant ist: Niedrige Speicherstände verschieben das Risiko auf andere Systemteile. Je leerer die Speicher, desto stärker hängt die Versorgungssicherheit an stabilen Importen, ausreichenden Transportkapazitäten und der technischen Ausspeicherleistung der verbleibenden Reserven.
Das bedeutet: Ein Betrieb, der auf unterbrechungsfreie Gasversorgung angewiesen ist, trägt bei niedrigen Speicherständen ein höheres Risiko. Nicht weil Gas fehlt, sondern weil die Puffer für unerwartete Störungen im Transportsystem oder auf den Märkten dünner werden.
Importstrategie: Kontinuität statt Pauskauf
Der DVGW-Chef nennt eine konkrete Zielgröße: 2,25 Terawattstunden (TWh) Gasimport pro Tag als Durchschnittswert über den Winter. Um am Saisonende noch ausreichend Reserve zu halten, müsste dieser Wert um zehn bis zwanzig Prozent übertroffen werden. Wie hoch der Aufschlag ausfallen muss, hängt davon ab, wann die Erhöhung einsetzt.
Linke warnt ausdrücklich vor einer Beschaffungsstrategie, die auf späten Masseneinkauf setzt. Ein Preiswettbewerb mit asiatischen Käufern auf dem Spotmarkt würde die Kosten treiben und die falsche Signalwirkung entfalten. Ein moderater, gleichmäßiger Anstieg der Importe vermeide kurzfristige Beschaffungsspitzen, so Linke.
Preiseffekte bleiben gedämpft
Für Industriekunden mit Gasbeschaffung über Portfolioverträge ist ein weiterer Punkt relevant. Spotmarktspitzen schlagen im Gassektor nicht unmittelbar auf den Endpreis durch. Der Gaspreis entsteht aus einem Mix von Pipelinelieferungen, langfristigen Lieferverträgen und Spotmarktanteilen. Einzelne Preisspitzen werden durch das Portfolio abgefedert. Händler dürfen gestiegene Beschaffungskosten außerdem nicht sofort weitergeben. Linke schließt daraus: Die Erdgaspreise dürften sich nicht so entwickeln wie die Ölpreise, die zuletzt durch den Irankonflikt unter Druck geraten sind.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat unterdessen das staatliche Energieunternehmen Sefe aufgefordert, Gas einzukaufen und einzuspeichern. Dieser politische Druck zeigt, dass die Lage auf Regierungsebene ernst genommen wird.
Fazit
Für Unternehmen mit hohem Gasverbrauch ergibt sich folgendes Bild: Eine akute Versorgungskrise ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Die Puffersituation ist jedoch schlechter als in den Vorjahren nach 2022. Betriebe, die Gasmengen über den Winter absichern müssen, sollten ihre Beschaffungsstrategie und mögliche Rückfalloptionen prüfen. Die ausschlaggebende Variable ist dabei nicht der aktuelle Speicherstand allein, sondern wie konsequent die Importmengen über die kommenden Monate erhöht werden.




















