Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Schwimmende Photovoltaikanlagen, in der Branche als Floating PV oder FPV bezeichnet, gewinnen weltweit an Bedeutung. In Deutschland sind derzeit rund 60 Megawatt installiert. Das entspricht einer einzigen mittelgroßen Freiflächenanlage. Der Grund für das wachsende Interesse ist nüchtern: Geeignete Landflächen für große Solarparks sind knapp und teuer geworden.

Flächendruck treibt den Blick aufs Wasser

Der Boom bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen hat die Pachtpreise für Ackerflächen deutlich angehoben. Wasserflächen sind davon unberührt. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat allein in Deutschland mehr als 6.000 künstliche Seen mit mindestens einem Hektar Fläche erfasst. Baggerseen, Kiesgruben, Staubecken und Tagebau-Restlöcher kommen grundsätzlich als Standorte in Frage.

Das wirtschaftlich nutzbare Potenzial beziffert das Institut auf 1,8 bis 2,5 Gigawatt, wenn technische und rechtliche Einschränkungen berücksichtigt werden. Zum Vergleich: Deutschland hatte zuletzt knapp 120 Gigawatt PV-Leistung am Netz. FPV bleibt damit eine Nische, aber eine mit konkretem Ausbaupotenzial.

Regional ungleich verteilt

Das größte Potenzial für schwimmende Solaranlagen sieht das Fraunhofer ISE in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen folgen. Für Betreiber und Energieverantwortliche in diesen Regionen lohnt eine Prüfung vorhandener Gewässergrundstücke.

In Europa wachsen die Märkte unterschiedlich schnell. Die Niederlande und Frankreich verzeichnen starke Zuwächse, Italien holt auf. Deutschland liegt nach Einschätzung des Fraunhofer ISE im europäischen Vergleich zurück. Weltweit führen China, Indien, Japan und Südkorea beim installierten FPV-Bestand.

Technische Besonderheiten im Betrieb

FPV-Anlagen arbeiten mit schwimmenden Pontonkonstruktionen oder Seilsystemen, die die Module auf der Wasseroberfläche halten. Die Kühlung durch das Wasser verbessert den Wirkungsgrad der Module. Landgestützte Anlagen verlieren bei hohen Temperaturen an Leistung – diesen Effekt kennen Betreiber aus dem Sommerbetrieb.

Auch interessant  CO2-Preis 2027: Bundesregierung fixiert nationalen Korridor

In Hitzeperioden ist das gegenüber thermischen Kraftwerken besonders relevant. Kohle- und Gaskraftwerke benötigen Kühlwasser, dessen Verfügbarkeit in Trockenperioden sinkt. Photovoltaik benötigt kein Kühlwasser und liefert bei Sonnenschein hohe Erträge, wenn konventionelle Erzeuger unter Druck stehen.

Was Industriebetriebe beachten müssen

Für Unternehmen mit eigenen Gewässerflächen oder Nutzungsrechten an Baggerseen kann FPV eine Option zur Eigenversorgung sein. Die Installation erfordert jedoch spezifische Genehmigungen. Naturschutzrechtliche Auflagen, Wasserrecht und die zulässige Überbauungsquote der Wasserfläche variieren je nach Bundesland und Gewässertyp.

Die Netzanbindung bleibt ein kritischer Kostenfaktor. Standorte abseits vorhandener Netzinfrastruktur erhöhen den Investitionsaufwand erheblich. Für Industriestandorte mit eigenem Netzanschluss in der Nähe von Gewässern fällt dieser Nachteil geringer aus.

Fazit

Floating PV ist kein Ersatz für den klassischen Solarausbau an Land oder auf Dächern. Die Technologie schließt eine Lücke dort, wo Flächen fehlen oder zu teuer sind. Das belegbare Potenzial in Deutschland ist begrenzt, aber nicht marginal. Für Energieverantwortliche in flächenintensiven Branchen mit Zugang zu Gewässerstandorten ist eine Machbarkeitsprüfung sinnvoll, bevor das Thema als zu speziell abgetan wird.