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Der Hays-Fachkräfte-Index Finance notiert im zweiten Quartal 2026 bei 62 Prozent. Vor einem Jahr lag er noch bei 98 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 36 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich. Für Unternehmen, die Finanzpositionen besetzen oder Personal abbauen wollen, ist das ein klares Signal: Der Markt hat sich gedreht.
Vom Engpass zum Überangebot
Noch im ersten Quartal 2024 erreichte der Hays-Index für Finanzberufe einen Spitzenwert von 173 Punkten. Damals sprach die Branche vom Kampf um jeden qualifizierten Kandidaten. Dieser Zustand ist vorbei. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 fiel der Index um rund 30 Prozentpunkte auf 62 Punkte. Auch die allgemeine Beschäftigungslage für Akademiker hat sich verschlechtert. Die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolventen lag in Deutschland im Jahr 2025 bei 3,3 Prozent – laut Bundesagentur für Arbeit der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre.
Finanzbuchhalter und Controller besonders betroffen
Der Hays-Index erfasst neun Finanzprofile: Finanzbuchhalter, Bilanzbuchhalter, Controller, Tax Manager, Compliance Manager, Finanzanalysten, Finanzberater, Risikomanager und Wirtschaftsprüfer. Die Nachfrage ist nicht gleichmäßig gesunken. Einige Berufsbilder trifft der Rückgang besonders hart.
Finanzbuchhalter: minus 72 Prozentpunkte
Den stärksten Einbruch verzeichnet der Finanzbuchhalter. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank die Nachfrage um 72 Prozentpunkte. Hays-Bereichsleiter Erich Schwinghammer nennt zwei Ursachen: die allgemeine Einstellungszurückhaltung der Unternehmen sowie die Standardisierung und Automatisierung von Buchungsprozessen. Viele Betriebe versuchen derzeit, Vakanzen intern aufzufangen, statt neu einzustellen.
Compliance Manager und Controller folgen
Der Compliance Manager verzeichnet einen Rückgang von 56 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahresquartal. Beim Controller sind es 43 Prozentpunkte. Beide Berufsbilder kommen allerdings von einem höheren Ausgangsniveau als etwa der Risikomanager. Im Controlling erklärt Schwinghammer den Rückgang mit dem Fokus der Unternehmen auf Kostensenkung und Budgetkontrolle. Wachstums- und Transformationsprojekte werden verschoben, was den Bedarf an projektbezogenen Controlling-Kapazitäten verringert.
Wirtschaftsprüfer: stärkster Quartalsverlust
Im direkten Vergleich zum ersten Quartal 2026 hat der Wirtschaftsprüfer unter allen Finanzprofilen am stärksten verloren. Die Nachfrage fiel um 40 Prozentpunkte. Hintergrund ist auch ein struktureller Wandel im Prüfungsmarkt: Große Gesellschaften verlagern Kapazitäten verstärkt in Richtung Beratung, ein Trend, der sich seit dem Sarbanes-Oxley Act und den darauf folgenden Regulierungsreformen schrittweise entwickelt hat.
Was Unternehmen derzeit einstellen
Nicht alle Finanzprofile verlieren. Schwinghammer beschreibt die Logik der Personalentscheidungen: Unternehmen besetzen derzeit vor allem Stellen, die unmittelbar zur Steuerung, Regulierung oder Transformation beitragen. Risikomanager und Tax Manager stehen damit weniger unter Druck als operative Finanzfunktionen. Für Einkaufs- und Personalverantwortliche bedeutet das: Wer qualifizierte Finance-Fachkräfte sucht, findet derzeit ein deutlich breiteres Kandidatenangebot als noch vor zwei Jahren.
Druck durch schwache Konjunktur
Die Einstellungszurückhaltung im Finanzbereich ist kein isoliertes Phänomen. Deutsche Unternehmen kämpfen 2026 mit schwacher Nachfrage und hohen Kapitalkosten. Steigende Material- und Personalkosten spielen bei rund 13 Prozent der Gewinnwarnungen dieses Jahres eine Rolle. Unter diesen Bedingungen werden Overhead-Funktionen, zu denen viele Finanzstellen zählen, zuerst eingefroren.
Fazit
Der Hays-Index für Finanzberufe zeigt einen deutlichen Trendwechsel. Der Einbruch bei Finanzbuchhaltern, Controllern und Wirtschaftsprüfern ist keine kurzfristige Schwankung. Er spiegelt strukturelle Entscheidungen wider: Automatisierung in der Buchhaltung, verschobene Investitionsprojekte und ein allgemeines Kostenbewusstsein in den Unternehmen. Wer im Finanzbereich rekrutiert, hat derzeit mehr Auswahl. Wer Stellen abbaut, trifft auf einen Markt, der weniger Beschäftigungsalternativen bietet als noch vor zwei Jahren.




















