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Sachsen-Anhalt hat ein strukturelles Problem auf dem Arbeitsmarkt. Auf zwei Beschäftigte, die altersbedingt ausscheiden, kommt derzeit nur eine nachrückende Arbeitskraft. In den kommenden zehn Jahren gehen rund 360.000 Menschen in Rente, aber nur etwa 190.000 jüngere Arbeitskräfte stehen bereit. Diese Zahlen stammen aus Berechnungen des Instituts für Mittelstands- und Regionalentwicklung. Der Bedarf an Fachkräften aus dem Ausland ist damit keine politische Option, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Demografische Lücke ohne schnelle Lösung
Das Problem betrifft ganz Deutschland. Laut einer Bevölkerungsprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen dem Land in zehn Jahren insgesamt rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte. Betroffen sind das verarbeitende Gewerbe, die Pflege, das Baugewerbe und die Gastronomie. Sachsen-Anhalt gehört zu den ältesten Bundesländern. Der Altersdurchschnitt lag 2024 bei über 48 Jahren.
Die AfD, die bei der Landtagswahl im Herbst 2026 als zweitstärkste Kraft abschnitt, setzt in ihrem Regierungsprogramm auf eine Steigerung der Geburtenrate. Instrumente sollen Begrüßungsgelder für Neugeborene, kostenlose Kitaplätze und zusätzliches Kindergeld sein. Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft rechnet vor: Selbst wenn diese Maßnahmen die Geburtenrate erhöhten, stünden die daraus entstehenden Arbeitskräfte frühestens in zwei Jahrzehnten zur Verfügung. Bis dahin sind die letzten Babyboomer längst im Ruhestand.
Vermittler berichten von wachsendem Standortnachteil
Hinter den Unternehmen, die gezielt internationale Fachkräfte anwerben, hat sich eine eigene Dienstleistungsbranche aufgebaut. Agenturen übernehmen Anerkennungsverfahren, Visumanträge, Wohnungssuche und Kontoeröffnung. Sie bauen Sprachschulen in den Herkunftsländern auf und begleiten Kandidaten durch bürokratische Prozesse.
Doch genau diese Vermittler melden eine veränderte Lage. Christoph Anders, Geschäftsführer der Agentur Relocraft, beschreibt einen Mix aus strukturellen Faktoren: schwächelnder Sozialstaat, hohe Steuern und ein politisches Klima, das qualifizierte Bewerber abschreckt. Fachkräfte entschieden sich in diesem Umfeld häufiger für Angebote aus anderen Ländern.
Regionen mit AfD-Hochburgen geraten ins Hintertreffen
Christian Sassin, Geschäftsführer der Vermittlungsagentur Educaro, berichtet von einer konkreten Entwicklung: Fachkräfte fragen gezielt nach der politischen Lage in einzelnen Regionen, bevor sie eine Stelle annehmen. Regionen mit hohem AfD-Stimmenanteil werden dabei als Standort abgelehnt. Sassin beschreibt, dass KI-Sprachmodelle auf entsprechende Anfragen mittlerweile mit Warnungen vor bestimmten ostdeutschen Regionen antworten.
Das ist kein abstraktes Reputationsrisiko. Es trifft Personalabteilungen direkt: Offene Stellen bleiben länger unbesetzt, Besetzungszeiten steigen, und der Kreis potenzieller Bewerber wird enger. Für Betriebe im verarbeitenden Gewerbe oder in der Pflege, die ohnehin unter Druck stehen, verschärft das die Lage.
AfD-Programm und Wirtschaftsinteressen kollidieren
Die AfD in Sachsen-Anhalt betont, sie unterscheide zwischen Asylmigration und qualifizierter Arbeitsmigration über Visa. Gegen letztere habe die Partei grundsätzlich nichts einzuwenden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die politische Außenwirkung des Landesverbands, der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, diesen Unterschied in der Wahrnehmung potenzieller Fachkräfte verwischt.
Dass die CDU die Landtagswahl 2026 erneut als stärkste Partei gewonnen hat, ändert nichts an den strukturellen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel ist nicht an Wahlzyklen gebunden. Er wird sich in den nächsten Jahren verschärfen, unabhängig davon, wer in Magdeburg regiert.
Fazit
Für Unternehmen in Sachsen-Anhalt ist die Lage klar: Der Standort konkurriert mit anderen Regionen und Ländern um knappe Arbeitskräfte. Politische Signale beeinflussen diesen Wettbewerb. Betriebe, die auf internationale Fachkräfte angewiesen sind, müssen diesen Faktor in ihrer Personalstrategie berücksichtigen, auch wenn sie ihn selbst nicht beeinflussen können. Wer das ignoriert, riskiert längere Vakanzzeiten und steigende Rekrutierungskosten.




















