Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Spritzgießbetriebe verlieren täglich Produktionszeit, weil Fehlerursachen zu spät erkannt werden. Ein neues KI-System soll das ändern: Der Engel Virtual Assistant, kurz EVA, analysiert Prozessabweichungen in Echtzeit und leitet daraus konkrete Korrekturmaßnahmen ab. Zu sehen ist die Lösung erstmals auf der Fakuma 2026, die vom 12. bis 16. Oktober 2026 in Friedrichshafen stattfindet.
Drei Partner, ein System
Hinter EVA stehen drei Unternehmen mit klar verteilten Rollen. Engel liefert die Spritzgieß- und KI-Kompetenz sowie die Anbindung an die Maschinensteuerung. Das SKZ, Das Kunststoff-Zentrum, bringt sein Fehlerwissen ein: einen frei verfügbaren Fehlerkatalog mit typischen Fehlerbildern, Ursachen und Abstellmaßnahmen sowie Inhalte aus seiner Weiterbildung zu Spritzgießfehlern. Meusburger steuert Werkzeug- und Prozesskompetenz bei.
Das Ergebnis ist ein Assistent, der natürliche Sprache versteht. Bediener können eine Abweichung per Text oder Sprache beschreiben. EVA verknüpft diese Eingabe mit dem laufenden Maschinenzustand, hinterlegten Dokumentationen und dem Expertenwissen der Partner.
Direkte Eingriffe in die Steuerung
Der Unterschied zu bisherigen Assistenzsystemen liegt in der Ausführungsebene. EVA gibt nicht nur Empfehlungen aus. Nach Bestätigung durch den Bediener kann das System freigegebene Maßnahmen direkt an die Maschinensteuerung übergeben. Der Schritt von der Diagnose zur Korrektur entfällt damit als manueller Zwischenschritt.
Fehlerbilder wie Einfallstellen, Bindenähte, Verzug, Gratbildung oder Lufteinschlüsse sind im System hinterlegt. EVA erkennt diese Muster im Kontext der laufenden Produktion und schlägt gezielte Lösungswege vor. Das reduziert den Suchaufwand des Bedienpersonals und verkürzt Stillstandszeiten.
Relevanz für den Produktionsalltag
In vielen Spritzgießbetrieben fehlen erfahrene Prozessspezialisten am Maschinenplatz. Schichtarbeit, Fachkräftemangel und wechselnde Belegschaften verschärfen das Problem. Ein KI-System, das Expertenwissen auf Abruf bereitstellt, adressiert genau diesen Engpass.
Weniger erfahrene Mitarbeitende können komplexe Prozessabweichungen eigenständig bearbeiten, ohne auf einen Spezialisten warten zu müssen. Das ist besonders für mittelständische Kunststoffverarbeiter relevant, die keine eigene Prozesstechnik-Abteilung vorhalten.
Herstellerunabhängigkeit bleibt eine offene Frage
EVA ist ein Engel-System. Es greift auf die Steuerungsarchitektur von Engel-Maschinen zu. Betriebe mit gemischtem Maschinenpark müssen prüfen, ob und wie sich das System in ihre bestehende Umgebung integrieren lässt. Parallel dazu arbeiten andere Anbieter an maschinenunabhängigen Ansätzen: Das Unternehmen Aisemo hat nach eigenen Angaben eine herstellerunabhängige Lösung vorgestellt, die ohne Eingriff in die Maschinensteuerung auskommt.
Für Einkauf und Produktionsleitung bedeutet das: Der Markt für KI-gestützte Prozessassistenz im Spritzguss ist im Aufbau. Es gibt noch keinen etablierten Standard. Wer jetzt investiert, bindet sich an Plattformentscheidungen, die in drei bis fünf Jahren möglicherweise neu bewertet werden müssen.
Premiere in Friedrichshafen
EVA wird erstmals am Messestand von Meusburger in Halle A2, Stand A2-2313, auf der Fakuma 2026 gezeigt. Produktionsverantwortliche können das System dort live testen. Konkrete Preisangaben oder Verfügbarkeitstermine für den Serieneinsatz sind bislang nicht veröffentlicht.
Fazit
EVA verbindet Prozesswissen, Maschinenkontext und direkte Steuerungseingriffe in einem System. Das geht technisch über reine Anzeigelösungen hinaus. Ob sich der Ansatz im Mehrschichtbetrieb bewährt und welche Schulungsaufwände entstehen, wird der Praxiseinsatz zeigen. Interessierte Betriebe sollten die Fakuma nutzen, um konkrete Fragen zu Schnittstellen, Datenhaltung und Integrationspfaden zu stellen.




















