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Die Verteidigungsindustrie hat ein neues Messformat: Die Euro Defence Expo, kurz EUDEX, findet erstmals in Essen statt und läuft bis zum 25. September 2026. Das Themenspektrum umfasst Drohnenabwehr, Cyber-Security und den Schutz kritischer Infrastruktur. Die Messe findet bewusst parallel zur Security Essen statt, sodass militärische und zivile Sicherheitstechnik auf einer gemeinsamen Plattform vertreten sind.
Drohnen jagen Drohnen: Das System „Greif“
Eines der auffälligsten Exponate kommt vom Start-up Hybrid Aerospace. Das Unternehmen hat eine Jägerdrohne namens „Greif“ entwickelt. Das Gerät fängt feindliche Drohnen nicht ab, indem es sie zerstört, sondern greift sie mit einer mechanischen Kralle. Das Gewicht des Systems liegt laut Hersteller bei 2,7 Kilogramm. Die Einsatzbereitschaft soll innerhalb weniger Minuten erreicht sein.
Der Ansatz hat einen praktischen Vorteil gegenüber klassischen Abwehrmethoden: Es entstehen keine Trümmer. Abgeschossene Drohnen fallen als Splitter auf belebtes Gelände. Beim Einfangen bleibt das Fluggerät weitgehend intakt, was eine anschließende forensische Auswertung ermöglicht, etwa zur Identifikation der Betreiber. Für Betreiber sensibler Anlagen wie Flughäfen oder Kraftwerke ist das ein relevantes Argument.
KI-gestützte Abwehr: Das System „perdix“
Einen anderen Ansatz verfolgt das System „perdix“, das auf der EUDEX erstmals vorgestellt wird. Entwickelt haben es irisnet und die Bonner technisch-mathematische studiengesellschaft, kurz tms. Eine Basisstation erfasst den Luftraum mithilfe KI-gestützter Sensorik. Erkennt das System eine Bedrohung, wird ein Abfangflugkörper eingesetzt.
Der Flugkörper trägt die Bezeichnung „PX75“. Er ist selbst mit Sensorik ausgestattet und soll anfliegende Drohnen gezielt neutralisieren. tms-Geschäftsführer Ingo Beckmann nennt das Kostenverhältnis als zentrales Argument: Billige Angriffsdrohnen mit teuren klassischen Flugabwehrraketen zu bekämpfen sei wirtschaftlich nicht tragfähig. Die PX75 soll diese Lücke in der untersten Abwehrebene schließen.
Das ist keine theoretische Überlegung. Aktuelle Konflikte zeigen, dass einfache, preisgünstige Drohnen für Angriffe auf Infrastruktur eingesetzt werden. Die Kosten pro Abwehrrakete liegen oft um ein Vielfaches höher als die Kosten der Angriffsdrohne selbst. Dieses Missverhältnis beschäftigt Beschaffungsstellen in Streitkräften und Sicherheitsbehörden konkret.
Luftraumüberwachung ohne eigene Signale
Bevor eine Drohne abgefangen werden kann, muss sie erkannt werden. Das Unternehmen hensec zeigt auf der EUDEX ein Luftraumüberwachungssystem für genau diese Aufgabe. Die Plattform kombiniert Funkdetektion, passives Radar, Radiotelemetrie und die Überwachung von Satellitennavigationssignalen.
Das System unterscheidet nach Herstellerangaben zwischen Drohnen, Flugzeugen, Hubschraubern und Vögeln. Es erkennt außerdem gezielte Störungen von Satellitennavigationssystemen, sogenanntes GPS-Jamming oder Spoofing. Aus allen Sensordaten entsteht ein gemeinsames Echtzeit-Lagebild. Besonderheit: Das System sendet selbst keine Radar- oder Funksignale. Es arbeitet rein passiv, was die Entdeckungswahrscheinlichkeit durch den Gegner reduziert.
Start-ups auf gefördertem Gemeinschaftsstand
Nicht nur etablierte Hersteller sind auf der EUDEX vertreten. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert einen Gemeinschaftsstand, auf dem 13 junge Unternehmen aus Deutschland ihre Entwicklungen vorstellen. Das Spektrum reicht von Schutzausrüstung bis zu Softwarelösungen. Die parallele Security Essen richtet sich an zivile Sicherheitsanwender, Behörden und Unternehmen mit Schutzbedarf an kritischer Infrastruktur.
Die Kombination beider Messen an einem Ort spiegelt eine strukturelle Verschiebung wider: Die Grenze zwischen militärischer Verteidigung und ziviler Gefahrenabwehr wird technisch dünner. Systeme zur Drohnenabwehr oder Luftraumüberwachung sind für Streitkräfte ebenso relevant wie für Infrastrukturbetreiber, Veranstaltungssicherheit oder Werkschutz.
Fazit
Die EUDEX zeigt, dass Drohnenabwehr und KI-gestützte Überwachung aus dem Bereich experimenteller Forschung in die Beschaffungsreife übergehen. Für Unternehmen, die kritische Infrastruktur betreiben oder mit Verteidigungsaufträgen befasst sind, sind die in Essen gezeigten Systemkonzepte relevant. Die Kostenfrage bei der Drohnenabwehr ist kein rein militärisches Problem, sondern betrifft jede Anlage, die mit unerwünschten Fluggeräten konfrontiert werden kann.




















