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Deutschland erzeugt mehr Strom aus erneuerbaren Quellen als je zuvor. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Anteil von Wind, Sonne und Biogas bei 59,1 Prozent der gesamten ins Netz eingespeisten Strommenge. Das teilte das Statistische Bundesamt am 8. September 2026 mit. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Zuwachs von 1,1 Prozentpunkten. Die absolute Einspeisung aus erneuerbaren Quellen stieg um 6,5 Prozent auf 136,4 Milliarden Kilowattstunden.

Windkraft bleibt der wichtigste Träger

Windkraft ist mit einem Anteil von 29,4 Prozent der größte Energieträger im deutschen Strommix. Das sind 2,1 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Die Strommenge aus Windkraft legte um 12,3 Prozent zu. Allerdings ist dieser Anstieg teilweise ein statistischer Effekt: Das erste Halbjahr 2025 war nach Angaben des Statistischen Bundesamts außergewöhnlich windarm. Im langfristigen Vergleich entspricht das aktuelle Niveau wieder dem Durchschnitt.

Photovoltaik kommt auf einen Anteil von 17,8 Prozent. Die eingespeiste Menge stieg um 3,5 Prozent. Wind und Solar zusammen liefern knapp 47 Prozent des deutschen Stroms.

Kohle bleibt zweitwichtigster Energieträger

Trotz des Rekordanteils decken konventionelle Kraftwerke weiterhin 40,9 Prozent der Stromerzeugung. Kohle liegt bei 21,4 Prozent. Die eingespeiste Kohlestrom-Menge sank leicht um 0,5 Prozent. Erdgas kommt auf 16,5 Prozent, die Gasverstromung legte um 6,4 Prozent zu.

Der geplante Kohleausstieg bis 2038 wird schrittweise gesicherte Kapazitäten aus dem Netz nehmen. Die Bundesregierung hat den Bau neuer Gaskraftwerke beschlossen, die als Backup bei geringer Wind- und Solareinspeisung dienen sollen. Diese Kraftwerke sind auf eine spätere Umrüstung auf Wasserstoff ausgelegt.

Importabhängigkeit sinkt deutlich

Deutschland importierte im ersten Halbjahr 2026 netto nur noch 0,6 Milliarden Kilowattstunden mehr Strom als es exportierte. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser Importüberschuss noch 8,3 Milliarden Kilowattstunden betragen. Die Importe sanken um 8,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Kilowattstunden, die Exporte stiegen um 14,9 Prozent auf 33,9 Milliarden Kilowattstunden. Insgesamt wurden in Deutschland 230,6 Milliarden Kilowattstunden erzeugt und eingespeist, 4,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.

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Was das für Industriebetriebe bedeutet

Der wachsende Erneuerbaren-Anteil hat direkte Auswirkungen auf Unternehmen mit hohem Stromverbrauch. Erzeugung aus Wind und Solar ist nicht steuerbar, sie hängt von Wetter und Tageszeit ab. Das führt zu stärkeren Schwankungen bei Börsenstrompreisen. Flexible Lasten können davon profitieren: Wer Prozesse in Zeiten hoher erneuerbarer Einspeisung verlagern kann, senkt seine Energiekosten.

Gleichzeitig steigt das Risiko von Versorgungsengpässen in Phasen mit geringer Wind- und Solarproduktion, solange die geplanten Gaskraftwerke noch nicht in Betrieb sind. Langfristige Lieferverträge mit erneuerbaren Erzeugern, sogenannte Power Purchase Agreements, gewinnen als Planungsinstrument an Bedeutung.

Fazit

Der Rekordanteil erneuerbarer Energien zeigt, dass die strukturelle Verschiebung im deutschen Strommix voranschreitet. Kohle und Gas verlieren Anteile, sind aber noch unverzichtbar für die Versorgungssicherheit. Für Unternehmen mit substanziellem Strombedarf bedeutet das: Die Beschaffung wird volatiler, die Chancen für flexible Verbraucher wachsen. Wer seine Energiestrategie noch nicht angepasst hat, kann die aktuellen Zahlen als Anlass nehmen.