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Die Elektro- und Digitalindustrie meldet eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt. Ende des ersten Halbjahrs 2026 überstieg die Zahl der neu gemeldeten offenen Stellen erstmals seit drei Jahren wieder die der abgegangenen. Gleichzeitig wollen laut einer aktuellen Verbandserhebung mehr Unternehmen Personal aufbauen als abbauen, erstmals seit Juni 2023.
Kennzahlen zeigen klare Richtung
Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in der Branche stieg seit Jahresanfang 2026 um ein Viertel auf knapp 10.000. Das entspricht einem Plus von rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Damit entfällt derzeit rund jede siebte offene Stelle im gesamten Verarbeitenden Gewerbe auf die Elektro- und Digitalindustrie.
Auch die Kurzarbeit ging deutlich zurück. Im April 2026 lagen die Kurzarbeitszahlen in der Branche bei unter 12.000 Personen, gut ein Jahr zuvor war dieser Wert dreimal so hoch. Der Saldo aus Unternehmen mit geplantem Personalaufbau gegenüber Personalabbau stieg im August 2026 auf plus fünf Prozentpunkte.
Beschäftigung bleibt unter Höchststand
Trotz der positiven Signale beschäftigte die Branche Ende des ersten Halbjahrs 2026 insgesamt 865.000 Menschen. Das sind 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gegenüber dem zwischenzeitlichen Höchststand von über 910.000 Beschäftigten im Jahr 2023 beträgt der Rückgang 4,5 Prozent.
Die Elektro- und Digitalindustrie ist gemessen an der Beschäftigtenzahl die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Die aktuellen Signale deuten auf eine Stabilisierung hin, nicht auf eine vollständige Erholung.
ZVEI drängt auf Reformen nach dänischem Vorbild
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, ordnet die Zahlen politisch ein. Die Branche vereint Zukunftsmärkte mit hohem Wachstumspotenzial, sagt Weber. Dieses Potenzial lasse sich nur heben, wenn der Arbeitsmarkt mit dem Tempo der technologischen Transformation Schritt halten könne.
Weber kritisiert die angekündigten Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung als nicht weitreichend genug. Konkret beanstandet der ZVEI die geplante Möglichkeit, Arbeitsverhältnisse gegen Abfindung aufzulösen. Diese soll bisher auf Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von über 177.000 Euro begrenzt bleiben. Für Weber ist diese Grenze zu hoch angesetzt. Das Instrument entfalte nur dann Wirkung, wenn es für einen größeren Beschäftigtenkreis gelte.
Flexicurity als Lösungsmodell
Der ZVEI spricht sich für das sogenannte Flexicurity-Modell aus. Dieses Konzept verbindet flexibleren Kündigungsschutz mit starker sozialer Absicherung sowie individuellen Weiterbildungs- und Vermittlungsangeboten. Dänemark gilt als bekanntestes Beispiel für diesen Ansatz.
Das dänische Modell erlaubt Arbeitgebern vergleichsweise unkomplizierte Trennungen, sichert Arbeitnehmern aber hohe Lohnersatzleistungen und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen zu. Der Staat übernimmt dabei eine aktive Rolle in der Arbeitsvermittlung. In Deutschland würde ein solches Modell erhebliche gesetzliche Anpassungen erfordern, unter anderem im Kündigungsschutzgesetz und im Sozialversicherungsrecht.
Was das für Betriebe bedeutet
Für Produktions- und Personalverantwortliche in der Elektro- und Digitalindustrie bedeuten die Zahlen: Der Markt für Fachkräfte bleibt eng, entspannt sich aber leicht. Die Zahl der Mitbewerber um qualifiziertes Personal sinkt, weil weniger Unternehmen gleichzeitig abbauen und neu aufbauen.
Unternehmen, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 Stellen besetzen wollen, treffen auf einen Markt, der sich nach langer Stagnation neu sortiert. Wer jetzt einstellt, tut das unter günstigeren Bedingungen als noch vor einem Jahr, allerdings bei weiterhin hohem Wettbewerb um Spezialisten in Bereichen wie Leistungselektronik, Automatisierung und Softwareentwicklung für industrielle Anwendungen.
Die politischen Forderungen des ZVEI sind für Betriebe mittelfristig relevant. Sollten Flexicurity-Elemente tatsächlich in deutsches Recht einfließen, würde das die Planbarkeit bei Personalentscheidungen verändern. Konkrete Gesetzgebungsschritte stehen bislang nicht fest.




















