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Enerparc und RCT Power sind insolvent. Beide Fälle erinnern Branchenkenner an die Jahre 2012 bis 2014. Damals legte ein Förderungskahlschlag unter Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mehr als die Hälfte aller deutschen Solarunternehmen lahm. Der sogenannte Altmaier-Knick gilt seither als Warnsignal für politisch ausgelöste Marktbrüche. Nun stehen neue Gesetzgebungsvorhaben zur Abstimmung, die ähnlich einschneidend wirken könnten.

Was die Gesetzentwürfe konkret bedeuten

Im Mittelpunkt der Kritik stehen das EEG 2027 und das begleitende Netzpaket. Die darin enthaltene 50-Prozent-Kappung der Netzeinspeisung würde die Wirtschaftlichkeit vieler Photovoltaikanlagen direkt treffen. Wer eine Anlage plant oder bereits betreibt, rechnet heute mit definierten Einspeisequoten. Fällt diese Grundlage weg, verändern sich Finanzierungsmodelle grundlegend.

Banken reagieren bereits. Bei Neuanfragen zur Projektfinanzierung agieren viele Institute deutlich restriktiver als noch vor einem Jahr. Laufende Finanzierungen werden teils nachverhandelt. Der Grund: Das EEG galt bislang als regulatorischer Rückhalt. Fällt dieser, steigt das Kreditrisiko für Investoren und Fremdkapitalgeber spürbar an.

Vorzieheffekte verzerren das Marktbild

Installateure berichten für 2026 von vollen Auftragsbüchern und wenigen freien Kapazitäten bis Jahresende. Das klingt nach Hochkonjunktur. Es ist es aber nur bedingt. Ein erheblicher Teil der Nachfrage entsteht durch Vorzieheffekte: Bauherren und Projektentwickler wollen ihre Anlagen noch unter den aktuellen EEG-Bedingungen in Betrieb nehmen. Was jetzt als Boom erscheint, kann 2027 einen entsprechend tiefen Nachfragetrog hinterlassen.

Dieses Muster ist aus anderen regulierten Märkten bekannt. Der kurzfristige Anstieg täuscht über strukturelle Risiken hinweg. Wer Kapazitäten, Personal und Lieferketten auf die aktuelle Auslastung ausrichtet, steht bei einem abrupten Nachfragerückgang vor einem ernsthaften Anpassungsproblem.

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Wind und Solar: Beide Branchen unter Druck

Die Solarbranche steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Auch die Windindustrie erwartet laut einer aktuellen Branchenumfrage schwächere Auftragseingänge und sinkende Kapazitätsauslastung. Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, bringt die Stimmung auf eine knappe Formel: Nach der Altmaier-Delle drohe jetzt der Reiche-Absturz. Die IG Metall richtet diese Kritik direkt an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).

Hinter der gewerkschaftlichen Rhetorik steckt ein konkreter Befund: Wenn politische Rahmenbedingungen innerhalb kurzer Zeit grundlegend verändert werden, können Unternehmen ihre Investitions- und Personalplanung nicht verlässlich ausrichten. Langfristige Projekte wie der Bau neuer Fertigungslinien oder der Aufbau qualifizierter Fachkräfte lassen sich nicht kurzfristig stornieren oder umlenken.

Was die Gesetze noch nicht sind

Die Entwürfe zum EEG 2027 und zum Netzpaket haben Bundestag und Bundesrat noch nicht passiert. Formal besteht also noch Spielraum für Änderungen. Die Frage ist, ob und in welchem Umfang dieser genutzt wird. Für Unternehmen, die heute Investitionsentscheidungen treffen oder Finanzierungen verhandeln, ist diese Unsicherheit selbst schon ein Problem. Planung setzt verlässliche Parameter voraus.

Fazit

Die Lage in der deutschen Solar- und Windindustrie ist angespannt. Nicht wegen schwacher Nachfrage in diesem Jahr, sondern wegen des regulatorischen Unsicherheitshorizonts für 2027. Erste Großinsolvenzen wie Enerparc und RCT Power sind Vorboten, keine Ausreißer. Unternehmen mit Projekten im Genehmigungsstadium oder laufender Bankfinanzierung sollten die parlamentarischen Beratungen zu EEG 2027 und Netzpaket eng verfolgen. Ob die 50-Prozent-Kappung der Netzeinspeisung in ihrer jetzigen Form Gesetz wird, ist die zentrale Frage. Passiert das, verändern sich Geschäftsmodelle, Finanzierungsstrukturen und Wettbewerbsbedingungen grundlegend.