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Auf der IAA Transportation in Hannover hat Mahle-Chef Arnd Franz eine Einschätzung zur Lage im Nutzfahrzeugmarkt abgegeben: Die Elektrifizierung von Lkw befinde sich in einem wesentlich früheren Stadium als bei Pkw. Die Karten würden noch gemischt. Für Flottenverantwortliche und Einkäufer in Spedition und Industrie bedeutet das: Die Entscheidung für eine Antriebstechnologie bleibt vorerst offen.

Chinesische Konkurrenz als strukturelle Herausforderung

Franz beschrieb den Wettbewerb um den E-Lkw als einen „Wettbewerb der Giganten“. Europäische Hersteller dominieren bislang weite Teile des Weltmarkts. Chinesische Hersteller beherrschen ihren Heimatmarkt. Mit dem Übergang zur Elektromobilität könnte sich dieses Gleichgewicht verschieben.

Ein zentraler Grund dafür ist die Lieferkette für Batterien. Diese sei nahezu vollständig chinesisch dominiert, so Franz. Wer Batteriezellen braucht, kommt an chinesischen Herstellern derzeit kaum vorbei. Das betrifft Fahrzeughersteller ebenso wie Systemzulieferer.

Gleichzeitig sieht Franz Grenzen für Neueinsteiger im europäischen Markt. Fahrzeuge müssten auf die spezifischen Anforderungen europäischer Kunden zugeschnitten sein. Dieses Wissen lasse sich nicht schnell aufbauen. Für Speditionen ist ein flächendeckendes Händler- und Servicenetzwerk betriebskritisch. Ohne dieses Netz sind Fahrzeugausfälle nicht handhabbar. Das schaffe für Marktneulinge eine hohe Einstiegshürde.

Mahle plant überproportionales Wachstum im Nfz-Segment

Das Stuttgarter Unternehmen erwirtschaftet derzeit rund 20 Prozent seines Umsatzes im Nutzfahrzeuggeschäft. Der Gesamtumsatz lag 2025 bei rund 11,26 Milliarden Euro, nach 11,68 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Konzernergebnis sank von 22 auf 20 Millionen Euro. Dennoch schrieb Mahle damit das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen, nach mehreren Verlustjahren zuvor.

Franz erwartet für den globalen Nutzfahrzeugmarkt Wachstumsraten von über drei Prozent pro Jahr. Mahle will schneller wachsen als dieser Markt. Als Wachstumsregionen nennt Franz ausdrücklich China und Indien.

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Elektrifizierung steigert den Umsatz pro Fahrzeug

Für Mahle als Zulieferer ist die Elektrifizierung auch ein wirtschaftliches Argument. Bei einem batterieelektrischen Lkw erzielt das Unternehmen nach eigenen Angaben fast doppelt so viel Umsatz pro Fahrzeug wie beim Verbrenner. Der Grund: Elektrische Antriebssysteme benötigen mehr und komplexere Komponenten aus dem Mahle-Portfolio, etwa im Bereich Thermomanagement und Leistungselektronik.

Noch höher wäre das Umsatzpotenzial laut Franz bei Brennstoffzellenfahrzeugen. Sollte sich die Wasserstofftechnologie im nächsten Jahrzehnt im schweren Lkw stärker durchsetzen, würde der Umsatz pro Fahrzeug für Zulieferer nochmals deutlich steigen.

Was das für Flotten- und Beschaffungsentscheidungen bedeutet

Die Einschätzung von Mahle deckt sich mit dem Bild, das sich auf der IAA Transportation abzeichnet. CATL präsentierte dort mit TECTRANS II eine modulare Batterieplattform für Nutzfahrzeuge, ausgelegt für verschiedene Einsatzszenarien. Der Markt für elektrische Antriebskomponenten ist in Bewegung.

Für Unternehmen, die heute Fuhrparkentscheidungen treffen, bleibt die Lage unübersichtlich. Batterieelektrische Lkw sind technisch verfügbar, aber die Infrastruktur für Laden und Wartung ist je nach Region unterschiedlich weit entwickelt. Das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz schreibt für öffentliche Auftraggeber bereits Quoten für emissionsarme Fahrzeuge vor. Privatwirtschaftliche Flottenbetreiber unterliegen diesen Vorgaben nicht direkt, spüren aber den Druck über Lieferkettenanforderungen ihrer Auftraggeber.

Fazit

Der Nutzfahrzeugmarkt steht vor einer Transformation, deren Ausgang noch nicht feststeht. Mahle positioniert sich als globaler Zulieferer, der von mehreren Antriebstechnologien profitieren kann. Für Flottenverantwortliche und Einkäufer gilt: Technologieoffenheit bleibt vorerst die realistischere Strategie als eine frühe Festlegung. Die Wertschöpfungskette für Batterien ist ein Risikofaktor, den auch Fahrzeugkäufer bei der Lieferantenbewertung im Blick haben sollten.