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Niedrigwasser auf Rhein und Elbe, Dürre, Waldbrände, Hitzeperioden: Die verlässliche Verfügbarkeit von Wasser ist für deutsche Industriebetriebe kein gesicherter Standortvorteil mehr. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat anlässlich der Kabinettsklausur der Bundesregierung einen Wasserresilienz-Pakt vorgelegt. Zehn Ziele sollen Deutschland gegenüber Wasserknappheit, Dürre und Hitze widerstandsfähiger machen.

Konkrete Betriebsrisiken durch Niedrigwasser

Wenn der Rhein wenig Wasser führt, können Frachtschiffe nur reduziert beladen fahren. Transporte verzögern sich oder müssen auf Straße und Schiene verlagert werden. Die IHK Mittlerer Niederrhein hat den Bund aufgefordert, in Wasserstraßen und Schieneninfrastruktur zu investieren. Unternehmen reagieren bereits mit größeren Lagerbeständen und Ausweichrouten.

Rhein und Elbe sind für die chemische Industrie, den Energiesektor und die Schwermateriallogistik unverzichtbar. Kraftwerke drosseln bei Niedrigwasser die Produktion, weil die Kühlwasserversorgung eingeschränkt ist. Lieferketten stocken, wenn Rohstoffe nicht per Binnenschiff ankommen.

Was der DWA-Pakt vorsieht

Der Wasserresilienz-Pakt der DWA richtet sich an Bund, Länder und Kommunen. Er soll politische Zuständigkeiten bündeln und Investitionen gezielt lenken. Die zehn Ziele des Pakts umfassen unter anderem regionale Wasserbilanzen, Wasserwiederverwendung und die Professionalisierung der Dürre- und Niedrigwasservorsorge.

Weitere Punkte sind der Schutz von Mooren, Auen und Gewässern als natürliche Infrastruktur sowie die Verankerung des sogenannten Schwammstadt-Prinzips als bundesweiten Investitionsschwerpunkt. Beim Schwammstadt-Konzept werden Regenwasser und Niederschläge dezentral gespeichert, statt sie schnell abzuleiten.

DWA-Vorständin Dr.-Ing. Lisa Irwin-Broß formuliert es klar: Ohne verlässliche Wasserverfügbarkeit gibt es keine wettbewerbsfähige Industrie und keine klimaresilienten Städte. Die Vereinigung bietet Bund, Ländern und Kommunen an, eine Roadmap mit Zeithorizonten und klaren Verantwortlichkeiten zu entwickeln.

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Regulierung und Kosten für Betriebe

Der politische Druck auf wasserintensive Betriebe wächst. Der Verband kommunaler Unternehmen fordert eine klare Priorisierung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Das könnte in Engpasssituationen Industriebetriebe bei der Wasserentnahme einschränken.

Bayern hat bereits reagiert. Das Land erhebt Wasserentnahmeentgelte, die auch Industriebetriebe belasten. Andere Bundesländer könnten folgen. Für Unternehmen, die bislang kein strukturiertes Wassermanagement betreiben, entstehen damit unmittelbare Kostenrisiken.

Wasserwiederverwendung als betriebliche Option

Ein Punkt des DWA-Pakts betrifft direkt industrielle Prozesse: die Ermöglichung der Wasserwiederverwendung. Bislang hemmen rechtliche Hürden den Einsatz aufbereiteten Prozesswassers im Produktionskreislauf. Ändern sich die Rahmenbedingungen, eröffnet das produzierenden Betrieben Möglichkeiten, den Frischwasserbedarf zu senken und sich von externen Versorgungsengpässen unabhängiger zu machen.

Regionale Wasserbilanzen als neues Planungsinstrument

Der Pakt sieht die Einführung regionaler Wasserbilanzen vor. Verfügbare Wassermengen werden dabei systematisch erfasst und dem tatsächlichen Bedarf gegenübergestellt. Für standortgebundene Betriebe mit hohem Wasserbedarf, etwa in der Papier-, Textil- oder Lebensmittelverarbeitung, kann das zur Grundlage behördlicher Auflagen werden.

Fazit

Die Wasserversorgung ist ein Produktionsfaktor. Der DWA-Pakt setzt den politischen Rahmen für eine schärfere Regulierung und neue Investitionsanforderungen. Betriebe, die ihren Wasserverbrauch, ihre Transportabhängigkeit von Binnenwasserstraßen und ihre Kühlwasserversorgung nicht kennen, werden mit Regulierungsdruck und steigenden Kosten konfrontiert. Wer frühzeitig analysiert, wo Wasser im eigenen Betrieb ein Engpassfaktor ist, kann gezielt gegensteuern, bevor gesetzliche Vorgaben den Handlungsspielraum einengen.