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Als Christian Bürkert im Oktober 1971 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, stand sein Unternehmen vor dem Aus. Die Konjunktur war schwach, die Rücklagen gering. Dorothee Bürkert, studierte Pharmazeutin und Ehefrau des Gründers, entschied sich trotzdem gegen einen Verkauf. Sie übernahm die Geschäftsführung des Ingelfinger Herstellers von Mess-, Steuer- und Regelungssystemen für Flüssigkeiten und Gase, heute bekannt als Bürkert Fluid Control Systems. Am 19. August 2026 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Kontinuität statt Kapitulation

Die Ausgangslage war denkbar schwierig. Das Unternehmen befand sich in einer Rezessionsphase. Mit einem Weiterbestehen rechneten viele nicht. Dorothee Bürkert führte die Firma gemeinsam mit Gerhard Hettinger weiter, bis 2004 blieb sie in der Geschäftsführung.

Operativ war sie nach Einschätzung von Weggefährten nicht im klassischen Sinne tätig. Ihr Beitrag lag anderswo: in der Sicherung der Unternehmenskultur und der Unabhängigkeit. Sie hielt das Unternehmen in Familienhand und verhinderte einen Verkauf an externe Investoren.

Führungsgrundsätze vor dem Schlagwort

Bereits 1984 verankerte Dorothee Bürkert schriftliche Führungsgrundsätze im Unternehmen. Der Kern: Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Kennzahl. Das war kein marketinggetriebenes Konzept, sondern gelebte Praxis.

Als in den 1990er Jahren viele deutsche Mittelständler ihre Produktion in Niedriglohnländer verlagerten, wählte Bürkert einen anderen Weg. Flexible Strukturen am Standort Ingelfingen, keine Entlassungen. Die Haltung dahinter formulierte sie klar: Wenn dem Management nichts Besseres einfällt, als aus Kostengründen ins Ausland zu gehen, sollte das Management gehen, nicht die Belegschaft.

Nahbarkeit als Führungsprinzip

Dorothee Bürkert kannte die Namen der Auszubildenden. Sie begrüßte Beschäftigte persönlich. Sie richtete eine interne Unterstützungskasse ein, aus der Mitarbeiter in Notlagen Hilfe erhielten. Das waren keine symbolischen Gesten, sondern fester Bestandteil der Unternehmensführung.

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Stiftung als Vermächtnis beider Bürkerts

Bereits 1978 gründete Dorothee Bürkert eine gemeinnützige Stiftung. Sie setzte damit eine Idee ihres Mannes um: Unternehmensgewinne sollten dem Gemeinwohl zugutekommen. Das Konstrukt blieb kein einmaliger Akt.

Im Jahr 2024 wurde die Stiftung in „Christian und Dorothee Bürkert Stiftung“ umbenannt. Die Unternehmensbeteiligung wurde auf diese Stiftung übertragen. Damit ist die langfristige Eigentümerstruktur dauerhaft außerhalb des Kapitalmarkts verankert, ein Modell, das im deutschen Mittelstand selten ist.

Anerkennung aus Politik und Region

Das Land Baden-Württemberg zeichnete Dorothee Bürkert 1996 mit der Verdienstmedaille aus. Die Stadt Ingelfingen ernannte sie zur Ehrenbürgerin. Öffentliche Auftritte suchte sie nicht. Sie trat selten in den Vordergrund.

Am 12. Juli 2012 starb Dorothee Bürkert in Stuttgart, kurz vor ihrem 86. Geburtstag.

Einordnung

Der Fall Bürkert zeigt, was Eigentümerführung in der Krise leisten kann: keine externe Übernahme, keine Verlagerung ins Ausland, keine kurzfristige Renditemaximierung. Stattdessen Standorttreue, Kulturpflege und ein Stiftungsmodell, das das Unternehmen dauerhaft dem Verkauf entzieht. Für Unternehmer, die über Nachfolge und Eigentümerstruktur nachdenken, liefert das Beispiel Bürkert ein dokumentiertes Modell mit nachprüfbaren Ergebnissen, keine Erfolgsformel.