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Der Rohölpreis ist seit seinem Kriegshoch von über 126 US-Dollar je Barrel Ende April um rund 30 Dollar gefallen. An der Tankstelle spüren Flottenbetreiber und Logistikunternehmen davon wenig. Diesel verteuerte sich seit Anfang Juli im bundesweiten Schnitt um rund 34 Cent je Liter. Bei Super E10 beträgt der Anstieg gut 20 Cent. Auffällig: Diesel kostet trotz seines Steuervorteils gegenüber Benzin wieder deutlich mehr.
Raffinerien als Engpass
Der Grund liegt nicht im Rohölmarkt, sondern in der Verarbeitung. Tankstellen kaufen kein Rohöl, sondern fertige Kraftstoffe. Diese entstehen in Raffinerien, und deren Kapazitäten sind weltweit eingeschränkt. Angriffe im Zuge des Iran-Kriegs haben Raffinerien beschädigt oder zur Abschaltung gezwungen. Ukrainische Drohnenangriffe haben russische Raffinerieanlagen getroffen.
Das zeigt sich im sogenannten Diesel-Crack-Spread. Dieser Wert beschreibt den Aufschlag von Dieselkraftstoff gegenüber dem Rohölpreis. Er liegt derzeit bei über 90 US-Dollar je Barrel und damit nahe seinem Rekordhoch. Die Internationale Energieagentur bezeichnet Raffinerien in ihrem aktuellen Bericht ausdrücklich als das zentrale Nadelöhr am Ölmarkt.
Globaler Diesel-Mangel trifft Europa
Die Exporte von Diesel aus Russland, dem Nahen Osten und Asien lagen im Juli laut IEA um 1,3 Millionen Barrel täglich unter dem Vorjahreswert. Das entspricht etwa einem Fünftel des gesamten weltweiten Dieselhandels auf dem Seeweg. Seit dem 8. Juli gilt ein russischer Exportstopp für Diesel.
Deutschland importiert selbst keinen russischen Diesel mehr. Trotzdem wirkt der Stopp: Asiatische Abnehmer, denen Lieferungen aus Russland und dem Nahen Osten fehlen, konkurrieren nun stärker um die verbleibenden Mengen auf dem Weltmarkt. Das treibt die Preise auch in Europa.
Rhein-Niedrigwasser als regionaler Faktor
Für deutsche Unternehmen kommt ein weiteres Problem hinzu. Der Rhein ist eine der wichtigsten Transportrouten für flüssige Energieträger im Land. Sinkende Pegelstände verteuern den Binnenschifftransport erheblich. Regionen im Süden und Westen Deutschlands sind davon stärker betroffen als der Norden.
Vergleichbare Situationen gab es bereits im Hitzesommer 2018. Damals trieb das Niedrigwasser die Spritpreise regional an. Die Effekte blieben zeitlich begrenzt. Ob das diesmal ebenfalls gilt, hängt von der weiteren Wetterlage ab.
Was Betriebe jetzt einkalkulieren müssen
Für Unternehmen mit eigenem Fuhrpark oder hohem Dieselverbrauch in der Produktion bedeutet die Lage: Der Rohölpreis taugt derzeit kaum als Planungsgrundlage für Kraftstoffkosten. Raffineriemargen und regionale Transportbedingungen überlagern den eigentlichen Rohstoffpreis.
Die IEA meldet Rekordmargen für Diesel, Kerosin und Benzin im Atlantikraum. Solange beschädigte Raffinerien nicht wieder voll laufen und globale Handelsrouten eingeschränkt bleiben, dürfte sich daran wenig ändern. Eine schnelle Entspannung bei den Dieselpreisen ist auf Basis der aktuellen Marktlage nicht absehbar.
Fazit
Wer Dieselkosten in Kalkulationen, Logistikverträgen oder Budgetplanungen fortschreibt, sollte den aktuellen Aufschlag nicht als vorübergehende Spitze behandeln. Die strukturellen Ursachen sind kurzfristig nicht behebbar: beschädigte Raffinerien, geringere Exportmengen aus Russland und dem Nahen Osten sowie eingeschränkte Transportwege. Der fallende Rohölpreis allein wird die Kosten an der Zapfsäule nicht nennenswert senken.




















