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Die Lage in der dualen Ausbildung verschlechtert sich. Laut dem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vom 20. August 2026 gibt jeder zweite Auszubildende in Deutschland an, psychisch belastet zu sein. Das hat direkte Folgen für Betriebe, die auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen sind.
Geld und Wohnen belasten stärker als der Berufsalltag
Finanzielle Sorgen nennen 49,9 Prozent der befragten Azubis als Hauptbelastung. An zweiter Stelle folgt die Wohnsituation mit 35 Prozent. Erst dann kommen Faktoren aus dem Ausbildungsalltag: Leistungs- und Zeitdruck belasten 20,9 Prozent, Personalmangel 19,6 Prozent, Verantwortungsdruck 19,2 Prozent.
Das Bild aus der Praxis bestätigt diese Zahlen. Eine Auszubildende in einer Schreinerei am Bodensee verdient rund 1.000 Euro brutto im zweiten Lehrjahr. Bei steigenden Miet- und Lebenshaltungskosten bleibt wenig Spielraum. Hinzu kommen Nebenkosten der Ausbildung selbst: Fahrtkosten, Lehrmittel, Unterkunft an auswärtigen Berufsschulstandorten.
Baden-Württemberg streicht Wohnzuschüsse für Azubis
Besonders brisant ist die aktuelle Lage in Baden-Württemberg. Das Land plant, Wohnzuschüsse für Auszubildende zu streichen. Betroffen sind Azubis, deren Berufsschule mehr als zwei Stunden vom Wohnort entfernt liegt. Für spezialisierte Berufe wie das Zimmererhandwerk gibt es oft nur einen einzigen Berufsschulstandort im Land.
Ein Ausbildungsbetrieb in Meersburg rechnet mit Mehrkosten von bis zu 3.000 Euro pro Azubi und Jahr, wenn der Wohnheimzuschuss wegfällt. Für Betriebe, die mehrere Azubis in solchen Berufen ausbilden, summiert sich das schnell. Der Ausbildungsverantwortliche vor Ort bezeichnet die Pläne als nicht tragbar.
Betreuungsqualität entscheidet über Belastungsniveau
Der DGB-Report liefert auch einen konkreten betrieblichen Ansatzpunkt. Wo Azubis die Betreuung als gut bewerten, fühlen sich nur 8,5 Prozent hoch belastet. Gleichzeitig geben 41,7 Prozent der Befragten an, niemanden zu haben, mit dem sie über ihre Belastungen sprechen können.
Für Personalverantwortliche in Betrieben mit Ausbildungsplätzen ist das eine konkrete Kenngröße. Ausbilder, die zu wenig Zeit für ihre Azubis haben oder schlecht auf psychische Belastungssituationen vorbereitet sind, erhöhen das Risiko von Ausbildungsabbrüchen. Die Abbruchquote in der dualen Ausbildung ist seit Jahren ein strukturelles Problem.
Was Betriebe direkt beeinflussen können
Betriebe können an zwei Stellen ansetzen: bei der Qualifikation der Ausbilder und bei der internen Kommunikation. Wer Azubis betreut, braucht Zeit und Grundkenntnisse im Umgang mit belasteten Jugendlichen. Klare Anlaufstellen und regelmäßige Gespräche senken nachweislich die Belastungsquote.
Beides kostet Ressourcen. Aber Ausbildungsabbrüche kosten mehr. Wer einen Azubi im zweiten Lehrjahr verliert, hat investierte Ausbildungszeit, Verwaltungsaufwand und im schlimmsten Fall einen unbesetzten Fachkräfteplatz.
DGB fordert politische Gegenmaßnahmen
Der DGB sieht die Politik in der Pflicht. Der Gewerkschaftsbund fordert mehr Wohnheimplätze für Azubis, bessere Fort- und Weiterbildung für Ausbilder sowie den Abbau finanzieller Belastungen. Die Streichung von Wohnzuschüssen in Baden-Württemberg läuft dieser Forderung direkt entgegen.
Für Betriebe im Handwerk und in der Industrie, die auf spezialisierte Berufsschulstandorte angewiesen sind, verschlechtert sich die Rahmenbedingung. Wer Azubis für solche Berufe gewinnen und halten will, muss diesen Kostennachteil entweder selbst ausgleichen oder auf Bewerber hoffen, die ihn akzeptieren.
Fazit
Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt, unter welchem Druck der Nachwuchs steht, der in wenigen Jahren Fachkräftemangel in Betrieben lindern soll. Ausbildungsverantwortliche sollten die Betreuungsqualität intern überprüfen. Unternehmen in Baden-Württemberg, die auswärtige Berufsschulstandorte nutzen, sollten die geplante Streichung der Wohnzuschüsse in ihre Kostenplanung einrechnen.




















