Die Gesamtkosten einer Großbaustelle verhalten sich ein wenig wie ein Eisberg: Oben, gut für alle sicht- und nachvollziehbar, befinden sich offensichtliche Posten für Material, Personal und verwendete Maschinen. Darunter werden die Kosten am Gesamtaufwand zwar oftmals weniger gemessen, sind aber nicht vernachlässigbar: Dort finden sich die operativen Kostenfaktoren für die Organisation und Unterbringung der Arbeitskräfte, deren Mobilität und kontinuierliche Versorgung. 

Im Jahr 2017 wurde das ein besonderes Thema: Zu dem Zeitpunkt wurde gesetzlich festgelegt, dass Unternehmen auf Montage für die Kosten der Unterbringung aufkommen müssen. Seither verursacht der Faktor Mensch auf dem Bau erhebliche, nicht immer direkt ersichtliche Zusatzkosten.

Kostenblock Unterkunft: Temporäres Wohnen als Projektfaktor

Innerhalb der EU sind etwa 13 Millionen Menschen auf dem Bau beschäftigt. In Deutschland bezifferte sich der Anteil ausländischer Mitarbeitender in der Bauwirtschaft im Jahr 2023 auf etwa 23,9 Prozent. In der Realität ist der Anteil noch höher, denn auch viele deutsche Fachkräfte werden nicht zwangsläufig direkt am oder in der Nähe ihres Wohnortes eingesetzt.

Die Unterkunft wird also zu einem essentiellen Teil der Projektlogistik. Dabei geht es praktisch um mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Die Unterkunft muss einerseits wirtschaftlich tragbar sein, andererseits aber einen gewissen Mindeststandard aufweisen. Unzufriedene oder übermüdete Mitarbeitende sind keine guten Mitarbeitenden, vor allem nicht auf dem Bau bei harter, körperlicher Arbeit. Betroffen davon sind externe Fachkräfte, sowie Monteure im Außendienst, temporär beschäftigte Spezialisten oder Subunternehmer.

Die Wahl eines Hotels erscheint auf den ersten Blick naheliegend, ist in der Praxis aber normalerweise nicht der Fall. Speziell bei längeren Einsätzen verursachen diese hohe Kosten, außerdem besteht meist kein Zugriff zu einer vollwertigen Küche, was parallel dazu noch die Verpflegungskosten indirekt in die Höhe treibt. Die Wahl fällt daher meist auf temporäre Unterkünfte wie spezialisierte Monteurunterkünfte, Serviced Apartments, aber auch Pensionen oder entsprechende Wohnheime.

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Bei der Wahl der Unterkunft ist einiges zu beachten: die Nähe zum Einsatzort, Parkmöglichkeiten vor Ort, Möglichkeiten zur Selbstverpflegung, flexible Buchungsdauern, Abrechnungsmodalitäten und etwaige Gruppenunterbringungen. Diese Kriterien in die Entscheidung einzubeziehen macht sich später bezahlt, zum Beispiel beim nächsten relevanten Kostenblock.

Kostenblock Anfahrt: Zeitverlust wird zum Produktivitätsverlust

Erfolgt die Anfahrt dem Arbeitszeitgesetz nach „im Interesse des Arbeitgebers“, gehört diese bei Monteuren vielmals zur Arbeitszeit. Hier wird ersichtlich, wie lange Anfahrtswege unmittelbar in Produktivitätsverlusten in Form von niedrigeren effektiven Arbeitszeiten vor Ort resultieren. Selbiges gilt es also zu vermeiden. Gibt es noch weitere Einsatzorte multipliziert sich der Kostenfaktor.

Dazu kommen: Kosten für den Kraftstoff, den Verschleiß von Dienstfahrzeugen, Parkplätze, Maut und Co. Indirekte Kostentreiber sind Verzögerungen auf der Straße, zum Beispiel durch Staus, nicht optimierte Taktungen und frustrierte Mitarbeitende. Im Schichtbetrieb wird die Anfahrt noch komplexer, denn hier ist eine effiziente Taktung zwangsläufig notwendig, um auch über zwei oder drei Schichten einen reibungslosen Betrieb und Übergang am Einsatzort zu gewährleisten.

Kostenblock Baustellenlogistik: Material, Menschen und Maschinen koordinieren

Großbaustellen sind zumeist temporäre, sehr volatile Produktionsstandorte. Die Volatilität ergibt sich zwangsläufig durch die vielen unterschiedlichen Lieferketten vor Ort. Maschinen und Materialien müssen angeliefert werden, mitunter grenzüberschreitend oder zumindest über Bundesländer hinweg. Nicht minder wichtig ist die „letzte Meile“: die ungefähr 500 Meter von der Zufahrt zur Baustelle bis zum eigentlichen Einsatzort. Fehlt es da an Effizienz, entstehen weitere Kosten, weil längere Wege zurückzulegen sind oder Mitarbeitende nach bestimmten Geräten und Materialien suchen müssen.

Auf der letzten Meile muss alles bis ins Detail durchstrukturiert sein, andernfalls entstehen Reibungs- und Effizienzverluste: unter anderem durch lange Wartezeiten von Lieferanten, Doppeltransporte, blockierte Zufahrten und Flächen sowie Terminverschiebungen. Die Komplexität steigt mit Just-in-Time-Lieferungen weiter an, ebenso wie in urbanen Gebieten, wo der Platz naturgemäß selbst in Industriegebieten relativ beschränkt ist. 

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Technologische Hilfsmittel können da helfen und werden heute bereits genutzt. Mit solchen Avisierungstools werden Lieferungen so transparent angekündigt und Zulieferer haben die Möglichkeit, sich ein exaktes Zeitfenster zu buchen.

Schnittstellenkosten: Wo Unterkunft, Anfahrt und Logistik zusammenwirken

In der Theorie lassen sich die Kosten für diese einzelnen Blöcke klar voneinander trennen, in der Praxis ähneln sie jedoch eher einer Dominokette. Wie schnell ein einzelner Domino die ganze Kette beeinflussen kann, zeigt sich selbst an einem einfachen Beispiel.

Wurde bei der Unterkunft eine sehr günstige Lösung gewählt, die aber 50 Minuten vom eigentlichen Einsatzort entfernt liegt und Mitarbeitende zudem noch durch den innerstädtischen Berufsverkehr führt, ist das problematisch: Wenn die langen Anfahrtswege zur Arbeitszeit zählen, geht allein dadurch schon produktive Zeit verloren. Gibt es auf dem langen Weg Staus, kommen Mitarbeitende mitunter zu spät. Das verursacht Kosten, wenn bestimmte Maschinen für eine bestimmte Zeit reserviert wurden, die nun nicht mehr eingehalten werden kann. Der Lieferant muss wiederum am Einsatzort warten, was das Zuliefererunternehmen in Rechnung stellt. Selbst kleine Ineffizienzen können sich so, entlang der gesamten Kette, zu hohen Gesamtpositionen aufaddieren.

Wie Unternehmen versteckte Kosten sichtbar machen und verhindern

Probleme müssen identifiziert werden, bevor sie gelöst werden können. Das beginnt mit einer transparenten Kostenkalkulation: die Kosten pro Mitarbeitenden und Einsatztag (inklusive Lohn, Anfahrt, Unterkunft und Co.), die Netto-Einsatzzeit und die Liege- sowie Standgeldkosten. Hier gehören vorab klare Standards für Buchungsprozesse, Rahmenverträge, Genehmigungswege und Verantwortlichkeiten definiert. Digitale Hilfsmittel für eine transparente Datenerfassung und digitale Planungstools für Personal, Material und Fahrzeuge helfen auch hier. Unterkünfte müssen frühzeitig in der Nähe der Baustelle reserviert und Anfahrten sollten idealerweise gebündelt werden, beispielsweise über Shuttle-Modelle. Schichtwechsel sind klar zu terminieren, während die Logistikkoordination Lieferfenster, Zufahrten und Lagerflächen in Einklang bringt.

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Der professionelle Blick auf das vermeintliche Nebenthema

Die genannten Nebenkosten sind nicht vermeidbar, aber sie lassen sich wirtschaftlich optimieren. Statt ein Kostenfresser zu sein, könnten sie so in Wettbewerbsvorteile münden, wenn man es dahingehend besser als die Konkurrenz macht. Außerdem ist da noch der Soft-Faktor der Mitarbeiterzufriedenheit: Auch Fachkräfte sind zufriedener, wenn sie nicht in einer schlechten Unterkunft weit weg vom Einsatzort untergebracht werden, sondern sich auf kurze Wege, klare Zuständigkeiten und eine effiziente Projektsteuerung verlassen können.