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KEP-Dienstleister verlieren täglich Stunden im Depot. Fahrer stehen morgens bis zu zweieinhalb Stunden am Sortierband und suchen ihre Pakete nach Erfahrungswissen zusammen. Das Berliner Start-up Localistique hat dafür eine Softwareplattform entwickelt, die Gebietsplanung, Tourenoptimierung und Echtzeitsteuerung in einem System vereint.
Was die Plattform leistet
Die Software deckt die gesamte Kette vom Depot bis zum Endkunden ab. Sie fasst Tourdaten, Sendungsmengen, Gebietsstrukturen und operative Kennzahlen in einer zentralen Datenbasis zusammen und stellt diese in einem interaktiven Kartenkontext dar.
Kernstück ist die Gebietsplanung. Liefergebiete lassen sich überlappungsfrei zuschneiden und anpassen. Sondereinheiten wie Einkaufszentren werden direkt in die Routenstruktur integriert. Auf der Karte ist ablesbar, wie sich Haltepunkte, Fahrtzeit und Fahrzeugauslastung über die Gebiete verteilen.
Die Ware wird in der Auslieferungssequenz im Fahrzeug platziert. Der Fahrer entnimmt das erste Paket seiner Tour, ohne suchen zu müssen. Das System integriert geplante Gebiete und Mengenverteilungen in bestehende Sortier- und Zustellsysteme.
Messergebnisse aus dem Pilotprojekt
In einem ersten Pilotprojekt bei einem KEP-Dienstleister reduzierte die Plattform die Sortierzeit im Depot nach Unternehmensangaben um bis zu 60 Prozent. Der Personaleinsatz sank um zwölf Prozent, bei gleichbleibender Leistung. Localistique nennt als Benchmark Amazon mit einer Sortierzeit von 17 Minuten pro Fahrer.
Unabhängige Prüfungen dieser Zahlen liegen nicht vor. Die Angaben stammen vom Anbieter selbst.
Zielgruppen und Einsatzbereiche
Localistique richtet sich an KEP-Dienstleister und Last-Mile-Netzwerke. Eine weitere Zielgruppe sind Logistikorganisationen, deren Sortierprozesse stark vom Erfahrungswissen einzelner Mitarbeiter abhängen. Das Start-up nennt ausdrücklich Unternehmen, bei denen frühere Digitalisierungsprojekte an der operativen Umsetzung gescheitert sind.
Die Plattform verarbeitet Brief- und Paketsendungen in einem System. Hybride Sendungstypen lassen sich synchronisieren. Das richtet sich unter anderem an Zeitungsverlage, die neben Zeitungen inzwischen auch Pakete zustellen und ihre vorhandene Infrastruktur dabei nutzen wollen.
Einordnung für Einkauf und Betrieb
Der Markt für Last-Mile-Software ist besetzt. Routenoptimierung bieten zahlreiche Anbieter. Localistique verbindet Gebietsplanung, Depotsortierung und Fahrzeugbeladung in einem Workflow. Ob das in der Praxis den versprochenen Effekt bringt, hängt stark von der Qualität der Ausgangsdaten und der Anbindung an bestehende Systeme ab.
Für Unternehmen mit eigenem KEP-Netz oder dezentralen Zustellstrukturen ist die Plattform ein Angebot, das eine genauere Prüfung rechtfertigt. Der Pilotnachweis besteht bisher aus einem einzigen Projekt. Weitere belastbare Referenzen fehlen nach aktuellem Stand.
Fazit
Localistique adressiert ein reales Effizienzproblem in der Depotlogistik. Die ausgewiesenen Einsparungen sind substanziell, bisher aber nur durch den Anbieter selbst belegt. Für Entscheider in der Distributionslogistik lohnt der Vergleich mit bestehenden Systemen, besonders dort, wo Sortierprozesse noch manuell und erfahrungsbasiert ablaufen.




















