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Das Konzept der Korridorsanierungen bei der Deutschen Bahn gerät weiter unter Druck. Ralf Damde, Betriebsratschef bei DB Regio und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, hat das Verfahren öffentlich kritisiert. Er spricht sich dafür aus, Sanierungen künftig wieder parallel zum laufenden Betrieb durchzuführen, statt Strecken monatelang vollständig zu sperren.
Was Korridorsanierungen bedeuten und was sie kosten
Bei einer Korridorsanierung wird eine Bahnstrecke für einen längeren Zeitraum vollständig gesperrt. In dieser Zeit werden fast alle Komponenten entlang der Strecke ausgetauscht: Gleise, Weichen, Signaltechnik, teils auch Brücken und Oberleitungen. Ziel ist eine grundlegende Erneuerung in einem Durchgang.
Damde hält diesen Ansatz für ineffizient. Bauteile, die noch funktionieren, würden unnötig herausgerissen, was die Kosten treibe. Er stellt auch eine konkrete betriebliche Frage: Was geschieht mit Lokführern, Kundenbetreuern, Werkstattmitarbeitern und Disponenten, während ihre Strecke stillsteht? Diese Beschäftigten können während der Sperrung ihren regulären Dienst nicht ausüben.
Konzept stammt aus dem Umfeld von Lutz und Wissing
Eingeführt wurde das Korridorsanierungsprogramm unter dem damaligen Bahn-Chef Richard Lutz und dem damaligen Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Der ursprüngliche Plan sah vor, mehr als 40 Korridore bis 2030 zu sanieren. Dieser Zeitplan wurde bereits gestreckt. Abgeschlossene Sanierungen wurden teils mit Verzögerungen und höheren Kosten als geplant fertiggestellt.
Kritik aus mehreren Richtungen
Damde steht mit seiner Kritik nicht allein. Der Verband der Güterbahnen spricht von chaotischen Zuständen und fordert Sanierungen ohne Vollsperrungen. Auch auf politischer Ebene wächst der Druck. Der frühere Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte angekündigt, das Konzept grundsätzlich zu überprüfen. Sein Nachfolger Steffen Bilger, ebenfalls CDU, äußerte sich ebenfalls skeptisch.
Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte Anfang Juli erklärt, sie werde das Konzept überprüfen. Berichten zufolge stehen erste Eckpunkte einer Anpassung bereits fest. Demnach sollen Sanierungen neu priorisiert und zeitlich besser aufeinander abgestimmt werden. Strecken sollen nach einer Sanierung schrittweise wieder in Betrieb gehen, statt erst vollständig fertiggestellt zu werden. Am Korridorprinzip selbst halte Palla grundsätzlich fest.
Was das für Industrie und Güterverkehr bedeutet
Für Unternehmen, die den Schienengüterverkehr nutzen, sind Vollsperrungen ein direktes Betriebsproblem. Umleitungen verlängern Transportzeiten und erhöhen Kosten. Wenn Sperrungen mit Verzögerungen enden, leidet die Planungssicherheit.
Eine Rückkehr zum parallelen Bauen unter Betrieb würde kürzere Einzelsperrungen bedeuten, dafür aber längere Gesamtbauzeiten. Für die Produktionsplanung von Verladerern wäre das eine andere Art von Unsicherheit. Welcher Ansatz für den Güterverkehr günstiger ist, hängt von der jeweiligen Strecke und dem Transportvolumen ab.
Fazit
Das Korridorsanierungsprogramm der Deutschen Bahn steht vor einer strukturellen Überprüfung. Dass nun auch ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat öffentlich Bedenken anmeldet, zeigt, dass die Kritik nicht von außen kommt, sondern in die Unternehmensführung hineinreicht. Für Verlader und Bahnspediteure bleibt die zentrale Frage, wie das überarbeitete Konzept konkret aussieht und wann verlässliche Planungsgrundlagen vorliegen.




















