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DB Cargo, die chronisch defizitäre Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn, steht vor einer weiteren Weichenstellung. Die Bahn bestätigte, dass Gespräche über einen möglichen Verkauf der britischen Tochter DB Cargo UK laufen. Die Gespräche befänden sich in einer frühen und unverbindlichen Phase, so ein Bahnsprecher. Namen potenzieller Käufer nannte das Unternehmen nicht.
Rückzug auf das kontinentaleuropäische Kerngeschäft
DB Cargo will sich auf den Schienengüterverkehr im kontinentalen Europa konzentrieren. Das britische Geschäft gilt dabei als nicht kernrelevant. DB Cargo UK beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter auf der Insel, hat 228 Güterzüge und 6.450 Waggons und gehört damit zu den größeren Anbietern im britischen Schienengütermarkt.
Ein Verkauf würde das Unternehmen deutlich verkleinern und könnte Kapital freisetzen, das für die Sanierung des Kerngeschäfts auf dem Kontinent gebraucht wird.
Sanierungsdruck durch die EU-Kommission
Die eigentliche Brisanz liegt in Deutschland. DB Cargo beschäftigt hierzulande rund 14.000 Mitarbeiter. Davon sollen 6.200 Stellen abgebaut werden, also knapp die Hälfte der deutschen Belegschaft. Der Abbau ist Teil eines umfassenden Restrukturierungsprogramms.
Der Druck kommt auch von außen. Die EU-Kommission hat klargemacht: Gelingt DB Cargo nicht bis Ende dieses Jahres die Sanierung mit einem positiven Ergebnis, muss das Unternehmen zerschlagen werden. Das ist eine formale Bedingung, an die staatliche Beihilfen geknüpft sein können.
Was das für die Logistikbranche bedeutet
DB Cargo ersetzt nach eigenen Angaben täglich rund 80.000 Lkw-Fahrten in Europa. Der Schienengüterverkehr ist für viele Industrieunternehmen eine Alternative zum Straßentransport, besonders für schwere und großvolumige Güter. Schrumpft ein Anbieter dieser Größe erheblich oder fällt ganz weg, verändert das Kapazitäten und Preise auf dem Markt.
Für Einkaufs- und Logistikverantwortliche in der Industrie ist die Situation von DB Cargo daher mehr als eine Konzernnachricht. Wer heute Rahmenverträge mit DB Cargo UK oder DB Cargo Deutschland abschließt oder verlängert, sollte die Unsicherheit über die künftige Struktur des Unternehmens einkalkulieren.
Parallele Krise auf Schiene und in der Sparte
DB Cargo ist seit Jahren das schwächste Glied im Deutschen-Bahn-Konzern. Hohe Fixkosten, Konkurrenz durch private Bahnanbieter und ein strukturell schwieriger Markt für den Einzelwagenladungsverkehr haben die Sparte unter Dauerdruck gesetzt. Die DB selbst ist als Staatsunternehmen in der Pflicht, die Tochter ohne dauerhafte staatliche Subventionen wettbewerbsfähig zu machen.
Der mögliche Verkauf von DB Cargo UK ist ein Schritt in einem größeren Prozess. Ob er ausreicht, die Sanierung zu sichern, ist offen. Die Gespräche stehen am Anfang. Ein Abschluss ist weder sicher noch zeitlich absehbar.
Einordnung
DB Cargo steht unter erheblichem Handlungsdruck. Geplanter Stellenabbau in Deutschland, der mögliche Verkauf der britischen Tochter und die EU-Frist zeigen, wie ernst die Lage ist. Unternehmen, die DB Cargo als Logistikpartner nutzen, sollten die Entwicklung verfolgen und Alternativen kennen. Die Struktur des europäischen Schienengüterverkehrs könnte sich in den nächsten Monaten spürbar verändern.




















