Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Rekordgewinne und Stellenabbau zur gleichen Zeit: Die 40 DAX-Konzerne haben im zweiten Quartal 2026 ihren operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 52,6 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht einem Anstieg von knapp 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig beschäftigen diese Unternehmen rund 41.000 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Beide Zahlen zusammen beschreiben den Zustand der deutschen Großindustrie präziser als jede einzeln.

Gewinn und Umsatz auf neuem Höchststand

Das Ergebnis übertrifft den bisherigen Quartalsrekord aus dem Jahr 2024 um zehn Prozent. Das geht aus einer Auswertung der Beratungsgesellschaft EY hervor, die Quartalszahlen und Pressemitteilungen der DAX-Konzerne analysiert hat.

Auch beim Umsatz wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Die 40 Konzerne kamen zusammen auf rund 463 Milliarden Euro, ein Plus von 4,6 Prozent beziehungsweise knapp 20,5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Den höchsten operativen Gewinn erzielte die Deutsche Telekom mit 6,9 Milliarden Euro. Dahinter folgen Allianz mit 4,9 Milliarden Euro, Volkswagen mit 3,5 Milliarden Euro und Siemens mit 3,4 Milliarden Euro. Bayer und der Immobilienkonzern Vonovia verzeichneten besonders starke Gewinnzuwächse.

Wachstum kommt aus wenigen Branchen

Das Gesamtbild trügt. Das Umsatzwachstum konzentriert sich laut EY auf vergleichsweise wenige Sektoren: Rüstungsindustrie, Unternehmen im Umfeld von Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren sowie Chemiekonzerne. Letztere konnten ihre Preise wegen des Iran-Kriegs und Versorgungsengpässen in Asien erhöhen. Auch Banken und Versicherungen erzielten Rekordergebnisse.

Für Produktionsverantwortliche und Einkaufsleiter in der klassischen Industrie liefern diese Zahlen kein positives Signal. Die Erholung findet nicht flächendeckend statt.

Autobranche unter Druck: Umsatz und Gewinn rückläufig

Besonders deutlich zeigt sich die Zweiteilung in der Automobilindustrie. Die Autokonzerne verzeichneten im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent. Ihr operativer Gewinn sank um zwölf Prozent.

Auch interessant  Assessment-Center Tipps für die erfolgreiche Teilnahme

BMW traf es am härtesten: Der Betriebsgewinn brach um 39 Prozent ein. Bei Volkswagen und Daimler Truck gingen die operativen Gewinne um 9,5 beziehungsweise neun Prozent zurück.

EY-Managing-Partner Jan Brorhilker sieht in der Branche weiterhin erheblichen Restrukturierungsbedarf. Ein weiterer Rückgang der Beschäftigung in der Automobilindustrie sei deshalb absehbar.

Rheinmetall stellt ein, Autobauer bauen ab

Von den 37 DAX-Unternehmen, die Angaben zur Mitarbeiterzahl machten, vergrößerten 21 ihre Belegschaft. Sechzehn Konzerne reduzierten Personal. Rüstungskonzern Rheinmetall gehörte zu den Unternehmen mit deutlichem Personalaufbau. Die Automobilhersteller stehen auf der anderen Seite der Bilanz.

Zum 30. Juni 2026 arbeiteten rund 3,49 Millionen Menschen bei den DAX-Konzernen. Das sind 41.000 weniger als zwölf Monate zuvor, ein Minus von 1,2 Prozent.

EY: Rekord überdeckt strukturelle Schwäche

EY-Chef Henrik Ahlers warnt davor, die Rekordzahlen als Entwarnung zu lesen. Das Gewinn- und Umsatzwachstum finde in erster Linie im Ausland statt. Die Nachfrage am Heimatstandort Deutschland bleibe schwach. Die Lage in Teilen der Industrie sei fragil.

Das ist für den Mittelstand relevant. Wer als Zulieferer, Lohnfertiger oder Dienstleister von der inländischen Nachfrage der großen Industriekonzerne abhängt, darf sich durch deren Rekordgewinne nicht täuschen lassen.

Fazit

Die DAX-Zahlen des zweiten Quartals 2026 liefern kein einheitliches Bild. Wer in Rüstung, KI-Infrastruktur oder Chemie tätig ist, sieht Zuwächse. Wer in der Automobilzulieferung oder klassischen Fertigung arbeitet, sieht Stellenabbau und sinkende Gewinne bei seinen Großkunden. Für Personalverantwortliche und Produktionsleiter in diesen Bereichen gilt: Die Nachfrageschwäche aus dem Automobilsektor setzt sich fort, und der Strukturwandel in der Branche ist noch nicht abgeschlossen.