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Daimler Truck steht vor den nächsten Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht macht klar: Die Beschäftigten wollen wieder an Lohnzuwächsen teilhaben. Gleichzeitig räumt er ein, dass der Konzern unter erheblichem Druck steht.
Gewinn halbiert, Rendite trotzdem stabil
Die Zahlen sind eindeutig. Die Gewinne von Daimler Truck sind zuletzt um fast 50 Prozent eingebrochen. Dennoch liegt die Gewinnmarge nach Angaben des Betriebsrats bei rund sieben Prozent. Ein wesentlicher Belastungsfaktor sind die US-Zölle. Fahrzeuge und Komponenten werden teilweise in Europa und Mexiko gefertigt und exportiert. Das trifft den Konzern direkt.
Brecht ordnet die Lage pragmatisch ein: Im Vergleich zur breiteren Automobilindustrie stehe Daimler Truck stabil da. Verglichen mit dem Vorjahr sei die Situation schwächer. Diese Differenzierung ist für Tarifverhandlungen kein unwichtiges Detail.
Betriebsrat hat bereits verzichtet, jetzt kommt die Gegenforderung
Im laufenden Sparprogramm „Cost Down Europe“ hat der Betriebsrat schon Zugeständnisse gemacht. Im Rahmen einer Vereinbarung mit der Geschäftsführung wurden 2,5 Prozent der tariflichen Entgelterhöhung auf übertarifliche Bestandteile angerechnet. Die Belegschaft hat also real auf Geld verzichtet.
Jetzt soll wieder mehr kommen. Konkrete Forderungen nennt Brecht nicht. Er betont aber, dass es keine Maximalforderungen gebe. Die Beschäftigten seien sich der schwierigen Wettbewerbslage bewusst.
Produktivität als Bedingung für den Standort Deutschland
Der Betriebsrat setzt auf ein klares Tauschgeschäft: Löhne gegen Produktivität. Daimler Truck führt an allen Standorten sogenannte Make-or-Buy-Analysen durch. Dabei werden intern gefertigte Teile, etwa Bremssysteme, mit Angeboten externer Lieferanten verglichen. Auch Anbieter aus kostengünstigeren Ländern wie Indien werden einbezogen.
Laut Brecht hat Daimler Truck bislang zwei Drittel dieser Vergleiche gewonnen. Wo der interne Preis nicht konkurrenzfähig ist, suchen Betriebsrat und Management gemeinsam nach Effizienzpotenzialen. Das Ergebnis solcher Prozesse ist nicht garantiert. Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt daran.
Parallel läuft die flächendeckende Einführung von World Class Manufacturing, einem mehrstufigen Produktionssystem zur Effizienzsteigerung. In der Verwaltung kommt Lean Management zum Einsatz.
Verlagerungsdruck nach Osteuropa wächst
Daimler Truck eröffnet ab dem kommenden Jahr eine neue Fertigung in Tschechien. Konkurrent MAN baut seine Kapazitäten in Polen aus. Der Druck auf die deutschen Standorte wächst damit strukturell.
Brecht betont, dass das Werk Wörth am Rhein das größte Lkw-Werk des Konzerns bleibe. Er verhehlt aber nicht, dass Verlagerungen Teil der betrieblichen Realität sind. Wer bei Preis und Qualität nicht mithalten kann, verliert Aufträge. Das gilt intern genauso wie extern.
China als politisches Thema
Neben den Tarifthemen drängt Brecht auf politische Unterstützung gegen chinesische Wettbewerber. Die Nutzfahrzeugbranche sieht sich einem wachsenden Druck durch chinesische Hersteller ausgesetzt, die mit staatlicher Unterstützung in europäische Märkte vordringen. Brecht fordert klare politische Gegenmaßnahmen.
Fazit
Daimler Truck geht in die Tarifverhandlungen mit einem strukturellen Widerspruch: gesunkene Gewinne, stabile Marge, geleistete Verzichte der Belegschaft. Für die Zulieferindustrie und den Mittelstand bedeutet das: Der größte Lkw-Produzent weltweit hält seine deutschen Standorte nur, wenn interne Benchmarks bestanden werden. Make-or-Buy-Entscheidungen mit internationalem Vergleich sind keine Drohkulisse, sondern gelebte Praxis.




















