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Wer Werkzeugmaschinen ans Netzwerk anschließt, gewinnt Daten und verliert Kontrolle über einen Teil seiner Angriffsfläche. Vernetzte Steuerungen lassen sich aus der Ferne überwachen, parametrieren und aktualisieren. Dieselben Schnittstellen nutzen Angreifer, um in Produktionssysteme einzudringen. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ermittelt: Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland spürt Auswirkungen hybrider Bedrohungen aus dem Ausland, darunter Cyberangriffe, Sabotage und Spionage.

Steuerungen als Einfallstor

Moderne CNC-Steuerungen (computergestützte numerische Steuerung) kommunizieren über standardisierte Protokolle wie OPC UA mit übergeordneten Systemen. Das erleichtert die Integration in Manufacturing-Execution-Systeme. Es erleichtert aber auch das Abgreifen von Prozessdaten oder das gezielte Manipulieren von Maschinenbefehlen.

Fertigungsbetriebe betreiben Maschinen oft zehn bis zwanzig Jahre. Viele Steuerungen laufen mit Betriebssystemversionen, für die der Hersteller keine Sicherheitsupdates mehr liefert. Gleichzeitig sollen diese Maschinen Daten in die Cloud senden, damit KI-Systeme Wartungsintervalle optimieren oder Ausschussraten analysieren. Der Widerspruch ist offensichtlich: veraltete Sicherheitsbasis, moderne Konnektivität.

Maschinenbauer in der Pflicht

Für Hersteller von Werkzeugmaschinen ist das keine abstrakte Diskussion mehr. Der europäische Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller vernetzter Produkte, Sicherheitsanforderungen bereits bei der Entwicklung zu berücksichtigen. Sicherheits-Updates müssen über den gesamten Produktlebenszyklus bereitgestellt werden. Wer das nicht leistet, riskiert, seine Produkte nicht mehr in der EU verkaufen zu dürfen.

Das betrifft auch bereits installierte Maschinenparks. Hersteller müssen klären, welche Pflichten sie dort übernehmen. Viele Unternehmen stehen dabei erst am Anfang. Über konkrete Sicherheitsvorfälle an Werkzeugmaschinen schweigen Hersteller und Betreiber gleichermaßen. Das liegt an Reputationsrisiken, aber auch an fehlenden Meldepflichten für diesen Bereich.

KI verschärft das Problem

Cyberkriminelle nutzen KI, um Angriffe zu automatisieren und zu skalieren. Phishing-Mails wirken professioneller. Schadsoftware passt sich Abwehrmechanismen dynamisch an. Für Produktionsbetriebe bedeutet das: Die Angriffe werden häufiger und schwerer zu erkennen.

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Auf der Gegenseite soll KI auch bei der Abwehr helfen. Anomalie-Erkennungssysteme analysieren Datenpakete im Maschinennetzwerk und melden abweichendes Verhalten. Das funktioniert nur, wenn die Netzwerkarchitektur sauber segmentiert ist. Produktionsnetze müssen vom Office-Netzwerk getrennt sein. Viele Betriebe haben das noch nicht vollständig umgesetzt.

Deutschland hat mit dem AISI, dem AI Safety Institute, eine staatliche Einrichtung geschaffen, die sich mit den Risiken von KI-Systemen befasst. Das Institut wird gemeinsam vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr und vom Bundesinnenministerium getragen. Ob es operative Hilfe für produzierende Unternehmen liefert, ist offen.

Konsequenzen für den Betrieb

Bestandsaufnahme vor Vernetzung

Wer Maschinen ans Netzwerk anbinden will, sollte den Sicherheitsstatus der Steuerung kennen. Läuft ein aktuelles Betriebssystem? Gibt es einen Update-Prozess? Ist die Kommunikationsschnittstelle dokumentiert? Diese Fragen müssen vor der Inbetriebnahme beantwortet sein, nicht danach.

Netzwerksegmentierung als Grundlage

Ein Maschinennetzwerk, das direkt mit dem Internet verbunden ist, ist keine Seltenheit. Es ist ein Risiko. Die Trennung von Produktions-, Büro- und Außennetz ist technisch aufwendig, aber beherrschbar. Industrial Firewalls und DMZ-Architekturen (demilitarisierte Zonen als Puffernetze) sind etablierte Konzepte.

Einkauf und Lieferverträge

Maschinenkäufer sollten Sicherheitsanforderungen vertraglich fixieren. Dazu gehört die Zusage des Herstellers, Sicherheitsupdates für eine definierte Laufzeit bereitzustellen. Wer das heute nicht verhandelt, kann es später nicht einklagen.

Fazit

Die Vernetzung von Werkzeugmaschinen ist operative Realität. Die Sicherheitsrisiken sind messbar: Jedes fünfte deutsche Unternehmen berichtet bereits von Auswirkungen hybrider Angriffe. Für Produktionsverantwortliche bedeutet das, Cybersicherheit nicht als IT-Thema zu behandeln, sondern als Bestandteil der Anlagenplanung. Der Maschinenhersteller ist dabei Partner, aber auch Pflichtpartner. Wer diese Anforderung nicht in Beschaffungsprozesse integriert, trägt das Risiko allein.

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