Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Konstruktionsleiter im Maschinenbau stehen vor einer methodischen Erweiterung ihrer Arbeit. Der Cyber Resilience Act, kurz CRA, verlangt künftig Security-Risikoanalysen nach IEC 62443. Parallel gilt weiterhin die Safety-Risikobeurteilung nach ISO 12100. Beide Normen zu kennen, reicht nicht. Es kommt darauf an, ihre Unterschiede zu verstehen und ihre Verbindungen zu nutzen.
Zwei Normen, zwei Denkweisen
Safety-Risikobeurteilungen nach ISO 12100 sind in deutschen Maschinenbauunternehmen seit Jahren Standard. Sie bewerten zufällige Fehler und unbeabsichtigte Ausfälle. Die Methodik ist etabliert, die Teams sind eingespielt.
Security-Risikoanalysen folgen einer anderen Logik. Sie setzen einen denkenden Angreifer voraus, der gezielt nach Schwachstellen sucht. Angriffsvektoren, Bedrohungsakteure und Ausnutzbarkeit von Schwachstellen sind Bewertungskategorien, die in der klassischen Safety-Analyse nicht vorkommen.
Wer die vertrauten Safety-Methoden einfach auf Security überträgt, riskiert systematische Fehleinschätzungen. Die Formel mag ähnlich wirken. Der Gegenstand ist ein anderer.
Warum beide Bereiche trotzdem zusammengehören
Trotz der methodischen Unterschiede sind Safety und Security nicht voneinander unabhängig. Das Beispiel ist konkret: Wird eine Steuerung durch einen Cyberangriff manipuliert, kann sie ihre Sicherheitsfunktion nicht mehr zuverlässig erfüllen. Security wird damit zur Voraussetzung für wirksame Safety.
Für Konstruktionsleiter bedeutet das: Beide Risikoanalysen müssen aufeinander abgestimmt sein. Eine Steuerung, die sicherheitstechnisch korrekt ausgelegt ist, aber keine Schutzmaßnahmen gegen aktive Manipulation hat, genügt den neuen Anforderungen nicht.
Genau hier liegt der praktische Ansatzpunkt. Safety- und Security-Risikoanalysen teilen einen gemeinsamen prozessualen Kern. Er lässt sich nutzen, um beide Analysen im Entwicklungsprozess strukturiert zu verbinden, ohne Doppelarbeit zu erzeugen.
Regulatorischer Druck aus zwei Richtungen
Mit der Maschinenverordnung, kurz MVO, und dem CRA treffen zwei Regelwerke gleichzeitig auf Hersteller und Betreiber von Maschinen und Anlagen. Auch Zulieferer von Komponenten und vernetzten Systemen sind betroffen.
Die MVO ersetzt seit 2023 schrittweise die alte Maschinenrichtlinie und stellt explizit Anforderungen an Security-Maßnahmen für vernetzte Systeme. Der CRA ergänzt dies auf EU-Ebene mit konkreten Pflichten zur Cybersicherheit von Produkten mit digitalen Elementen. Für Maschinenhersteller, deren Produkte vernetzt sind, ergibt sich daraus Handlungsbedarf auf beiden Ebenen.
Konsequenzen für die Konstruktionsabteilung
Konstruktionsleiter müssen ihre Teams methodisch erweitern. Das betrifft Kompetenz, Prozesse und Dokumentation. Security-Risikoanalysen nach IEC 62443 erfordern Kenntnisse, die in klassischen Maschinenbauabteilungen nicht selbstverständlich vorhanden sind.
Gleichzeitig wäre es ineffizient, Safety und Security als völlig getrennte Prozesse zu behandeln. Der gemeinsame prozessuale Kern beider Methoden erlaubt es, Ressourcen gezielt einzusetzen.
Auf dem Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT 2026, das am 28. Oktober 2026 in Würzburg stattfindet, wird dieser Zusammenhang Gegenstand eines eigenen Vortrags sein. Hendrik Stupin von IBF Solutions stellt dort die Risikoanalysen nach ISO 12100 und im Rahmen des CRA gegenüber und zeigt, wo sich beide sinnvoll verzahnen lassen.
Fazit
Safety und Security sind keine konkurrierenden Konzepte. Sie folgen unterschiedlicher Methodik, greifen aber in vernetzten Maschinen direkt ineinander. Wer als Konstruktionsleiter nur eine der beiden Analysen beherrscht, wird den Anforderungen aus MVO und CRA nicht gerecht. Der Aufbau integrierter Prozesse ist keine Kür, sondern regulatorische Pflicht.




















