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Chery kommt – und kommt ohne Elektroauto. Der chinesische Automobilkonzern startet im ersten Halbjahr 2027 mit vier SUV-Modellen in Deutschland. Keines davon ist ein reines Batteriefahrzeug. Alle vier Tiggo-Modelle sind entweder als Vollhybrid oder als Plug-in-Hybrid erhältlich. Das ist kein Zufall, sondern Kalkül.
Chery ist kein Newcomer
Wer Chery für einen weiteren unbekannten China-Exoten hält, unterschätzt den Konzern. Chery wurde 1997 gegründet und gehört heute zu den größten Fahrzeugherstellern Chinas. Im Jahr 2025 verkaufte der Konzern weltweit 2,81 Millionen Fahrzeuge. Davon gingen 1,34 Millionen in den Export: fast 48 Prozent des Gesamtabsatzes. Damit war Chery 2025 der exportstärkste chinesische Pkw-Hersteller überhaupt.
Im ersten Halbjahr 2026 exportierte Chery bereits 943.817 Fahrzeuge, ein Plus von 71,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im chinesischen Heimatmarkt kam Chery 2025 auf rund 1,35 Millionen Pkw und einen Marktanteil von 5,7 Prozent, was für Rang fünf unter allen Herstellern reichte.
Vier Modelle, eine klare Preisstrategie
Zum Deutschland-Start reicht die Preisspanne von rund 22.000 bis knapp 49.000 Euro.
Tiggo 4: Einstieg als Vollhybrid
Der Tiggo 4 ist 4,32 Meter lang und soll als Vollhybrid (HEV) zwischen 22.000 und 25.000 Euro kosten. Ein 1,5-Liter-Turbobenziner kombiniert mit einem Elektromotor ergibt eine Systemleistung von rund 165 kW. Der Verbrennungsmotor bleibt, die Batterie lädt sich beim Fahren selbst.
Tiggo 7: Vollhybrid und Plug-in
Der 4,55 Meter lange Tiggo 7 ist das erste Modell mit zwei Antriebsvarianten. Die Vollhybridversion kostet rund 30.000 Euro. Der Plug-in-Hybrid (PHEV) liegt etwa 4.000 Euro darüber. Beim PHEV lässt sich die Batterie extern laden, der Verbrenner springt bei Bedarf ein.
Tiggo 8: Sieben Sitze, großes Paket
Der Tiggo 8 ist 4,70 Meter lang und hat sieben Sitze. Er kommt ausschließlich als Plug-in-Hybrid und soll knapp unter 40.000 Euro kosten. Die Batterie fasst 18,4 kWh, die Systemleistung liegt bei rund 205 kW. Die elektrische Reichweite beträgt etwa 90 Kilometer nach WLTP.
Tiggo 9: Das Topmodell mit Allrad
Der Tiggo 9 ist 4,80 Meter lang und technisch das aufwendigste Modell. Drei Elektromotoren plus Verbrenner ergeben 315 kW Systemleistung und Allradantrieb. Die 34,5-kWh-Batterie erlaubt rund 144 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP. Gleichstromladen ist mit bis zu 70 kW möglich. Der Preis liegt voraussichtlich bei rund 49.000 Euro.
Kein BEV: Strategie, nicht Schwäche
Chery hat ein breites Elektrofahrzeug-Portfolio. 2025 verkaufte der Konzern weltweit mehr als 900.000 Elektrofahrzeuge, ein Plus von fast 55 Prozent. Der Verzicht auf ein reines Batteriemodell zum Deutschland-Start hat also nichts mit fehlender Kompetenz zu tun.
Chery richtet sich nach der tatsächlichen Marktsituation. Die Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen in Deutschland hat sich deutlich langsamer entwickelt als erwartet. Hybridantriebe treffen die aktuelle Kaufbereitschaft vieler Privat- und Firmenkunden besser. Chery vermeidet so den direkten Preiskampf im BEV-Segment, wo EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektrofahrzeuge zusätzlich belasten.
Die Zölle der Europäischen Union auf chinesische Elektrofahrzeuge gelten für reine Batteriefahrzeuge. Hybridmodelle sind davon anders betroffen. Mit seiner Modellwahl umgeht Chery einen Teil des regulatorischen Drucks, der andere chinesische Anbieter trifft.
Was das für deutsche Hersteller und Zulieferer bedeutet
Die Preisstrategie ist der eigentliche Angriffspunkt. Ein kompaktes SUV als Vollhybrid für 22.000 bis 25.000 Euro hat im deutschen Markt wenig direkte Konkurrenz. Vergleichbare europäische Modelle liegen oft deutlich darüber. Chery tritt nicht über aggressive Rabatte in den Markt ein. Der Konzern hat in anderen Märkten gezeigt, dass er auf Markenpflege setzt.
Für Einkaufsleiter und Flottenverantwortliche in mittelständischen Betrieben ist das relevant. Hybridfahrzeuge werden steuerlich und bei der Dienstwagenbesteuerung anders eingestuft als reine Verbrenner. Plug-in-Hybride mit ausreichender elektrischer Reichweite profitieren weiterhin von steuerlichen Vorteilen bei der Dienstwagenversteuerung.
Für Zulieferer der deutschen Automobilindustrie verschieben sich die Anforderungen. Chery baut seine europäischen Lieferketten auf. Wer Komponenten für Hybridantriebe liefert, könnte perspektivisch als Lieferant interessant werden. Wer ausschließlich auf klassische Verbrennerteile ausgerichtet ist, verliert auch mit jedem neuen Marktteilnehmer weiteres Potenzial.
Fazit
Chery betritt Deutschland nicht als Experiment, sondern als global erprobter Massenhersteller mit klarer Marktanalyse. Die Hybrid-only-Strategie ist eine bewusste Anpassung an die europäische Nachfrage und das regulatorische Umfeld. Die Preispunkte setzen einen neuen Referenzrahmen im SUV-Segment. Für deutsche Hersteller und deren Zulieferer kommt ein weiterer, kapitalstarker Wettbewerber in ein Segment, das bislang als vergleichsweise geschützt galt.




















