Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Die deutsche Chemieindustrie steht unter Druck. Hohe Energiepreise, lange Genehmigungsverfahren und verzerrter Wettbewerb durch staatlich subventionierte Importe belasten die Unternehmen. Dr. Christoph Gürtler, 2. Vorsitzender des Verbandes Fach- und Führungskräfte Chemie & Pharma (VAA), hat sich klar positioniert: Der Standort Deutschland ist besser als sein Ruf. Doch ohne politisches Handeln und ohne qualifiziertes Personal lässt sich diese Stärke nicht halten.
Unfaire Importbedingungen als strukturelles Problem
Gürtler benennt das Kernproblem direkt: Produkte aus Asien gelangen zu Preisen auf den europäischen Markt, die ohne verdeckte staatliche Subventionen nicht möglich wären. Das benachteiligt europäische Hersteller strukturell. Er fordert ein echtes Level Playing Field, also faire und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer.
Die Kosten asiatischer Importe müssten transparent und nachvollziehbar sein. Versteckte Subventionen dürften keinen Wettbewerbsvorteil erzeugen. Gürtler appelliert an EU-Kommission, Bundesregierung, Unternehmensverbände, Gewerkschaften und Sozialpartner, gemeinsam für faire Handelsbedingungen einzutreten. Für Einkaufsleiter bedeutet das: Die Preisvorteile asiatischer Lieferanten könnten durch politische Regulierung unter Druck geraten.
Versorgungssicherheit und geopolitische Abhängigkeit
Der VAA-Vize verweist auf die geopolitische Neuordnung der vergangenen Jahre. Störungen wichtiger Handelsrouten haben gezeigt, wie verletzlich Europa bei der Versorgung mit Chemikalien ist. Die Schlussfolgerung des VAA ist eindeutig: Wichtige Chemikalien müssen auch in Europa herstellbar bleiben.
Für Produktionsverantwortliche in der Branche heißt das: Standortentscheidungen müssen die Versorgungssicherheit stärker gewichten als bisher. Reine Kostenoptimierung durch globale Beschaffung birgt Risiken, die sich nicht vollständig versichern lassen.
Fachkräfte als strategischer Faktor
Resilienz, so Gürtler, endet nicht bei sicheren Lieferketten. Sie braucht Menschen, die unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Die Chemieindustrie beschäftigt in Deutschland über 500.000 Mitarbeitende. Ihre Qualifikation ist ein echter Wettbewerbsfaktor.
Bildung und Ausbildung in Deutschland werden im internationalen Vergleich weiterhin als gut bewertet. Das bildet laut VAA die Grundlage für die Fach- und Führungskräfte, die die Branche braucht. Für Personalverantwortliche heißt das: Wer jetzt in Ausbildung und Weiterqualifizierung investiert, sichert sich einen Vorteil, den sich andere erst aufbauen müssen.
KI-Kompetenz als Teil der Resilienz
Gürtler bezieht den EU AI Act in seine Analyse ein. Europa hat als erster Kontinent einen einheitlichen Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz geschaffen. Das bewertet er positiv. Wichtig sei nun, dass Fach- und Führungskräfte KI inhaltlich sinnvoll und ethisch korrekt nutzen könnten. Diese Kompetenz fehlt laut einer Studie des Stifterverbands in vielen deutschen Unternehmen noch. Gefragt sind technische Kenntnisse, aber auch kritisches Denken und Kreativität.
Für Unternehmen, die KI in Produktion, Einkauf oder Personalplanung integrieren wollen, ist das ein klarer Hinweis: Die Technologie allein reicht nicht. Die Nutzungskompetenz der Belegschaft entscheidet über den Mehrwert.
Rahmenbedingungen: Handlungsbedarf bleibt
Gürtler benennt konkrete Stellschrauben. Unnötige Regulierung gehört gestrichen. Energiepreise müssen sinken. Genehmigungsverfahren brauchen Tempo. Die Bedingungen für Start-ups in der Chemie sollen besser werden. Das sind keine neuen Forderungen. Sie bleiben aber unerfüllt, und das hat messbare Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit.
Die Chemieindustrie ist eng mit anderen Branchen verknüpft: Automobil, Pharma, Landwirtschaft, Bauwirtschaft. Probleme in der Chemie übertragen sich. Entscheider in Abnehmerbranchen sollten die Lage ihrer Lieferanten deshalb genau beobachten.
Fazit
Der VAA liefert eine nüchterne Bestandsaufnahme. Der Chemiestandort Deutschland hat reale Stärken, vor allem das Qualifikationsniveau seiner Beschäftigten. Diese Stärke nutzt aber wenig, wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen und Wettbewerbsverzerrungen durch Importsubventionen unkorrigiert bleiben. Für Unternehmensverantwortliche bedeutet das: Fachkräftesicherung und handelspolitische Entwicklungen gehören auf die strategische Agenda, nicht nur auf die der Verbände.




















