Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Der US-Dollar ist die Währung, in der weltweit Rohstoffe gehandelt, Lieferketten abgerechnet und Exportgeschäfte besichert werden. Doch eine Gruppe von Schwellenländern arbeitet daran, das zu ändern. Die BRICS-Staaten, darunter Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sowie mehrere Beitrittsländer, verfolgen das erklärte Ziel, die Abhängigkeit vom Dollar im bilateralen Handel zu reduzieren. Für den deutschen Mittelstand ist das kein abstraktes geldpolitisches Thema mehr.

Was De-Dollarisierung konkret bedeutet

De-Dollarisierung meint den Prozess, den Dollar schrittweise aus bestimmten Handelstransaktionen herauszulösen. Das Ziel ist nicht der sofortige Sturz des Dollars als globale Leitwährung. Vielmehr soll seine Verwendung dort zurückgedrängt werden, wo die BRICS-Mitglieder ihn als unnötig oder politisch belastend betrachten.

Russland hat nach den westlichen Sanktionen seit 2022 den Anteil von Rubel und Renminbi in seinem Außenhandel erheblich ausgeweitet. China und Russland rechnen Energielieferungen zunehmend in nationalen Währungen ab. Indien importiert russisches Öl teilweise in Rupien. Das sind keine Ankündigungen, sondern belegbare Handelsströme.

Ökonomen betonen, dass der Prozess primär geopolitisch motiviert ist, nicht ökonomisch. Der Dollar bleibt strukturell dominant: Er steht noch immer hinter dem Großteil der globalen Devisenreserven und des internationalen Zahlungsverkehrs. Die Richtung ist dennoch eindeutig.

BRICS wächst, der Einfluss auch

Der Verbund hat sich seit seiner Gründung deutlich vergrößert. Mit den Beitritten von Ländern wie Iran, Äthiopien, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten repräsentiert die Gruppe einen wachsenden Anteil der globalen Wirtschaftsleistung und der Weltbevölkerung. Das verändert das geopolitische Gewicht des Blocks.

Für deutsche Unternehmen ist die Erweiterung relevant, weil sich damit auch der Kreis potenzieller Handelspartner verändert, die außerhalb des Dollar-Systems operieren wollen. Wer Geschäfte mit dem Nahen Osten, Afrika oder Teilen Asiens macht, wird mit diesem Thema konfrontiert.

Auch interessant  Automobilindustrie baut 50.000 Stellen in einem Jahr ab – Tiefstand seit 2011

Folgen für Einkauf, Finanzierung und Exportkalkulation

Für Unternehmen mit Lieferketten in BRICS-Länder oder mit Exportmärkten in diesen Regionen entstehen praktische Konsequenzen. Wechselkursrisiken werden komplexer. Wer bisher in Dollar fakturiert hat, muss prüfen, ob Handelspartner künftig andere Währungen verlangen oder bevorzugen.

Rohstoffpreise, die traditionell in Dollar notiert sind, könnten in einzelnen bilateralen Verträgen von dieser Konvention abweichen. Das betrifft vor allem Einkäufer von Energie, Metallen und Agrargütern aus dem BRICS-Raum.

Finanzierungsinstrumente wie Akkreditive und Exportkreditversicherungen sind bislang auf Dollar-Transaktionen ausgerichtet. Verlagert sich das Abrechnungssystem, müssen Unternehmen und ihre Banken neue Absicherungswege erschließen.

Globalisierung im Umbau

Die strukturelle Botschaft lautet: Freier Welthandel nach dem Muster der 1990er Jahre existiert so nicht mehr. Stattdessen entstehen Blöcke mit eigenen Abrechnungspräferenzen, Lieferkettenpolitiken und Währungsstrategien. Europa steht dabei zwischen den Systemen.

Der Euro hat das Potenzial, in diesem Umfeld eine stärkere Rolle zu spielen, wenn die EU politisch geschlossen agiert. Bislang fehlt dafür die strategische Konsequenz. Für deutsche Exporteure bedeutet das: Die Währungsfrage wird Teil der Marktbearbeitungsstrategie, nicht nur eine Aufgabe der Finanzabteilung.

Fazit

Die De-Dollarisierung ist kein Szenario der fernen Zukunft. Sie ist ein laufender, geopolitisch getriebener Prozess mit messbaren Auswirkungen auf Handelsströme und Währungsstrukturen. Für Unternehmen, die in BRICS-Märkten aktiv sind, empfiehlt sich eine nüchterne Analyse der eigenen Währungsrisiken und Vertragsstrukturen. Wer das ignoriert, riskiert, bei Preisverhandlungen und Absicherungskosten unvorbereitet zu sein.