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Die Energiewende-Digitalisierungsallianz, kurz EDA, hat am 1. September 2026 einen ausgearbeiteten Gesetzentwurf vorgelegt. Das Bündnis aus 17 Unternehmen, darunter Enpal, Lichtblick, Octopus Energy, Sonnen und 1Komma5°, schlägt darin 30 Einzelmaßnahmen zur Digitalisierung und Standardisierung der Stromnetze vor. Der Entwurf zielt auf Änderungen im EEG, im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG).

Das Problem: 866 Netzbetreiber, keine einheitlichen Standards

Deutschland hat derzeit 866 Verteilnetzbetreiber. Diese nutzen nach Darstellung der Allianz weiterhin unterschiedliche Formulare, Prozessanforderungen und technische Vorgaben für Netzanschlüsse. Gesetzliche Pflichten zur Standardisierung und Digitalisierung werden demnach bislang kaum flächendeckend umgesetzt.

Die Allianz sieht das Problem nicht allein bei den Netzbetreibern. Auch der Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde fehle es an Ressourcen und wirksamen Instrumenten, um bestehende Vorgaben durchzusetzen. Das Ergebnis: Netzanschlüsse dauern länger, Planbarkeit fehlt, Kosten steigen.

Für Unternehmen mit eigener Erzeugungsanlage, Ladeinfrastruktur oder Batteriespeicher bedeutet das konkret: verzögerte Inbetriebnahmen, unklare Fristen, erhöhte Projektrisiken.

Zentrales Instrument: Schadensersatz bei Pflichtverstößen

Das Kernstück des Entwurfs ist ein pauschalisierter Schadensersatzanspruch. Alle Netznutzer sollen diesen gegenüber ihrem Verteilnetzbetreiber geltend machen können, wenn vereinbarte Standards nicht erfüllt werden. Das betrifft sowohl Privatanschlüsse als auch gewerbliche und industrielle Netznutzer.

Die Allianz sieht darin einen Hebel, der Netzbetreiber zur Einhaltung ihrer gesetzlichen Pflichten zwingt, ohne unverhältnismäßig in deren Rechte einzugreifen. Der Entwurf präzisiere bestehende Pflichten und schärfe Fristen nach, heißt es in der Begründung.

Smart Meter: Rollout beschleunigen, Quoten durchsetzen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt beim Smart-Meter-Rollout. Intelligente Messsysteme erfassen Verbrauchsdaten in kurzen Intervallen und ermöglichen flexible Tarife sowie eine netzdienliche Steuerung von Verbrauchern und Erzeugern.

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Der Entwurf sieht neue Ansprüche für Netznutzer vor, wenn Netzbetreiber die gesetzlichen Pflichteinbauquoten verfehlen. Gefordert wird außerdem ein konkreter Pfad zur 15-Minuten-Werte-Kommunikation. Das gilt auch für Anschlüsse, die bislang noch über Standard-Lastprofile abgerechnet werden. Standard-Lastprofile sind vereinfachte Verbrauchskurven, die den tatsächlichen Verbrauch nur näherungsweise abbilden.

Steuerbarkeit und dynamische Netzentgelte

Der Entwurf befasst sich auch mit der Steuerbarkeit von Anlagen. Bestehende gesetzliche Anforderungen, etwa zur Fernsteuerbarkeit von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen, sollen wirksamer durchgesetzt werden. Die Allianz fordert eine stärkere Ausrichtung auf dynamisch-flexible Netzentgelte. Diese Entgelte variieren je nach Netzauslastung und schaffen Anreize, Verbrauch zeitlich zu verlagern.

Für Industriebetriebe mit steuerbaren Lasten eröffnet das Einsparpotenzial bei den Netzkosten. Voraussetzung ist, dass die technische Infrastruktur auf beiden Seiten vorhanden ist.

Was der Entwurf für Industrie und Gewerbe bedeutet

Die Allianz argumentiert, dass einheitliche digitale Prozesse die Netzanschlusszeiten deutlich senken und die Planbarkeit von Projekten verbessern. Investitionen in Elektromobilität, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur hängen oft direkt an der Dauer und Verlässlichkeit von Netzanschlussverfahren.

Standardisierte Prozesse senken auch den Aufwand auf Seiten der Antragsteller. Wer heute an mehreren Standorten in unterschiedlichen Netzgebieten Anlagen anschließen will, muss mit unterschiedlichen Formularen und Fristen umgehen. Das bindet Ressourcen in Einkauf und Projektplanung.

Die Allianz verspricht zugleich sinkende Netzentgelte durch effizientere Netzauslastung. Ob und in welchem Umfang das eintritt, hängt vom Umsetzungsgrad der Maßnahmen ab.

Fazit

Die EDA legt einen ausgearbeiteten Gesetzentwurf mit 30 Maßnahmen vor, kein Positionspapier. Das unterscheidet diesen Vorstoß von früheren Branchenforderungen. Ob Bundesregierung und Bundestag die Vorschläge aufgreifen, ist offen. Für Unternehmen, die Netzanschlüsse planen oder von Netzentgelten abhängen, lohnt es sich, den Entwurf zu verfolgen. Die vorgeschlagenen Regelungen zu Schadensersatz und Smart-Meter-Quoten könnten die Verhandlungsposition gegenüber Netzbetreibern mittelfristig stärken.

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